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Münchner Volkstheater: Spielzeiteröffnung mit Büchners "Leonce und Lena"

Premiere 2. Oktober 2009 um 19.30 Uhr

 

Der melancholische Prinz Leonce aus dem Königreiche Popo soll mit der ihm unbekannten Prinzessin Lena aus dem Königreiche Pipi verheiratet werden. Er denkt jedoch weder an die Heirat noch daran König zu werden, vielmehr fragt er nach dem Sinn des Lebens.

Gemeinsam mit dem Bonvivant Valerio beschließt er nach Italien zu flüchten. Unterwegs lernt er eine junge Frau kennen und verliebt sich in die Unbekannte. Nicht ahnend, dass es sich hierbei um die ebenfalls geflohene Lena handelt, beschließt er sie zu heiraten. Valerio verspricht die Hochzeit mit der Unbekannten entgegen den Willen seines Vaters, des Königs zu arrangieren, wenn er dafür dann Staatsminister unter dem neuen König Leonce werden wird.

 

Zum Stück

 

Eine Geschichte ohne Moral, allerdings keine amoralische Geschichte, so könnte das Lustspiel Leonce und Lena charakterisiert werden, wenn es denn überhaupt eine Geschichte enthielte. Doch es fällt schwer, das Wenige an Handlung – den Versuch der Titelhelden, vor der festgelegten Hochzeit zu fliehen, und das 'zufällige' Zustandekommen ihrer Verbindung – als Bedeutungstragenden Inhalt anzusehen; vielmehr scheint dieser Plot eine geradezu notdürftige Konstruktion zu sein, deren tieferer Sinn sich darin erschöpft, das Auftreten der Figuren nach traditionellem Theaterverständnis zu legitimieren.

 

Auch von einem Agieren auf der Bühne kann kaum die Rede sein, eher von einem Sich-Verhalten, einem eher ziellosen Anwesendsein. Wenn überhaupt etwas getan wird, so ist das – sprechen. Aber selbst die Sprache entbehrt derjenigen Funktion, die im alltäglichen Gebrauch die dominierende ist: die Vergabe von Information.

 

Das „königliche Wort“, die Sprache also als eine der wichtigsten Fähigkeiten des Menschen, erweist sich als nichts – nicht nur in der Aussage des Präsidenten, sondern in der permanenten Verweigerung von 'Sinn' im Laufe des gesamten Stückes, das wie eine Aneinanderreihung von Nonsens-Dialogen wirkt.

 

Reine Spielerei? Publikumsveralberung? Keineswegs. Gerade indem der Text sich gängigen Schemata verweigert, enthält er implizit eine wesentlich radikalere Kritik an politischen und ideologischen Verhältnissen, als sie durch eindeutig angelegte Satire erreicht werden könnte. Es ist die Vielschichtigkeit hinter dem scheinbar Belanglosen, die Leonce und Lena zu einem schwer fassbaren und deshalb beunruhigenden Stück macht.

 

Regie Hanna Rudolph

Bühne Steffen Schmerse

Kostüme Sara Schwartz

Musik Kriton Klingler-Ioannides

Licht Günther E. Weiß

Dramaturgie Katja Friedrich

 

König Peter vom Reiche Popo Thomas Kylau

Prinz Leonce, sein Sohn Jean-Luc Bubert

Prinzessin Lena vom Reiche Pipi Xenia Tiling

Valerio Robin Sondermann

Lenas Reisegefährte Nico Holonics

Hofstaat vom Reiche Popo Stefan Ruppe

Rosetta Kristina Pauls

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