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"Eliogabalo" von Francesco Cavalli - Opernhaus Zürich

Premiere Sonntag, 4. Dezember 2022, 19 Uhr

In die Geschichtsbücher ist er eingegangen als Symbol für die Dekadenz des alten Roms: Elagabalus, wie er damals genannt wurde, gelangte 218 nach Christus als 14-jähriger auf den römischen Kaiserthron und wurde nur vier Jahre später wegen seiner Exzesse und bizarren sexuellen Vorlieben brutal ermordet. Obwohl nur so kurz, war das Leben des jungen Kaisers wie geschaffen als Vorlage für eine Oper, die von politischem Grössenwahn erzählt und von einem emotional labilen Politiker, der gewissenlos seine Macht missbraucht, um seine Lust zu befriedigen.

 

Copyright: Monika Rittershaus

Besitzen will er eigentlich alle Frauen, und um dieses Ziel zu erreichen, greift Eliogabalo zu durchaus fantasievollen Mitteln – so gründet er einen Senat nur aus Frauen, der auf den ersten Blick fortschrittlich scheint, letztlich aber auch wieder nur dem eigenen Lustgewinn dienen soll. Als der Plan nicht zum Ziel führt, will er die von ihm besonders begehrte Gemmira mit Schlafmitteln gefügig machen. Schliesslich schreckt Eliogabalo auch vor Mord nicht zurück – er plant einen brutalen Anschlag auf Alessandro, den Verlobten Gemmiras, der zugleich beim Volk beliebter ist als er selbst und ihm seine Macht streitig machen könnte...

Francesco Cavalli war Kollege und Schüler Monteverdis. Sein Eliogabalo entstand 1668 für die Karnevalssaison in Venedig, wurde aber kurz vor der Uraufführung zurückgezogen und galt lange Zeit als verschollen; erst 1999 wurde die Oper des seinerzeit erfolgreichsten Opernkomponisten wiederentdeckt. Dass Eliogabalo damals nicht uraufgeführt wurde, hing vermutlich mit dem sich verändernden Geschmack des venezianischen Publikums zusammen, das einprägsame Melodien forderte. Heute schätzen wir Cavalli gerade wegen seiner kraftvoll-dramatischen, äusserst modern wirkenden Rezitative.

Am Opernhaus Zürich wird sich der Regisseur Calixto Bieito, der zuletzt mit Monteverdis Poppea Publikum und Kritik begeisterte, dieser fraglos aktuellen Geschichte um den egozentrischen Machtpolitiker Eliogabalo annehmen und der Frage nachgehen, was Männlichkeit heute bedeutet.

Dramma per musica in drei Akten
Libretto von Aurelio Aureli
In italienischer Sprache mit deutscher und englischer Übertitelung. Werkeinführung jeweils 45 Min. vor Vorstellungsbeginn.

Musikalische Leitung Dmitry Sinkovsky
Inszenierung Calixto Bieito
Bühnenbild Anna-Sofia Kirsch, Calixto Bieito
Kostüme Ingo Krügler
Lichtgestaltung Franck Evin
Video Adria Bieito Camì
Dramaturgie Beate Breidenbach

Eliogabalo
Yuriy Mynenko
Anicia Eritea
Siobhan Stagg
Giuliano Gordio
Beth Taylor
Flavia Gemmira
Anna El-Khashem
Alessandro Cesare
David Hansen
Atilia Macrina
Sophie Junker
Zotico
Joel Williams
Lenia
Mark Milhofer
Nerbulone
Daniel Giulianini
Tiferne
Benjamin Molonfalean
Un console
Aksel Daveyan
Altro console
Saveliy Andreev

Orchestra La Scintilla
Statistenverein am Opernhaus Zürich

 

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