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"Ein Sportstück" von Elfriede Jelinek in Leipzig

20.05.2006

Premiere 27.5.06, 18 Uhr im Schauspielhaus

In ihrem 1998 entstandenen Theatertext stellt Elfriede Jelinek die These auf, dass Sport Krieg ist, Krieg nach innen und außen. Wer Sport macht, will siegen. Sportler sind wie Soldaten. "Ein jeder legt sein bestes ins Trikot." Im Sport wird der Mensch Maschine und der Mediziner Maschinist. Wird der Sport Krieg, ist die Mutter das Ersatzteillager für den Krieger-Sohn. Die Menschen bestücken Geräte mit sich und werden selber Gerät, ein Glied in einer Maschinerie. Hemmungsmechanismen werden außer Kraft gesetzt, wenn der Einzelne in der Masse aufgeht.

Sport findet seine Vervielfältigung und Vermarktung in den Medien. So wird er massenwirksam und Maß aller Dinge.

Jelinek untersucht den Zusammenhang von Sport, Gewalt und Profit. Der Einzelne, in der von den Gesetzen des Wettkampfes geprägten Leistungsgesellschaft im Mittel- oder Schlussfeld oft zur Bedeutungslosigkeit verdammt, fühlt sich in Ausübung des Sportes endlich maßgeblich. In der Welt des Sportes sind echte Abenteuer noch möglich, und der soziale Außenseiter kann gewinnen. Also ziehen sie aus, die jungen Männer, ihr Glück auf dem Spielfeld zu machen. Nicht alle kehren zurück zu ihren Frauen und Müttern. Aber es gibt immer Gewinner. Die stehen nur nicht auf dem Spielfeld, sondern agieren verdeckt. Aber sie machen das Spiel.

Der Sport ist männlich. Wagen sich Sportlerinnen in den Kampf, vermännlichen sie, freiwillig oder unfreiwillig. Besser bleiben sie in ihrer Rolle, um elastisch und nährcremegestärkt als Boxenluder und Heldendekor den Sieger-Krieger zu belohnen. Ausgerüstet mit Witz und Galle zieht die Autorin selbst gegen den Sport, den sie als ideologisches Machtinstrument scharfsinnig und scharfzüngig entlarvt, zu Felde.

Es spielen: Jana Bauke, Heidi Ecks, Stephanie Schönfeld, Thomas Huber, Torben Kessler, Martin Reik, Günter Schoßböck, Michael Schrodt und Berndt Stübner

sowie die Studenten Anne Hoffmann, Lissa Schwerm, Oliver Chomik, Sebastian Grünewald, Michael Pietsch, Jonas Riemer, Johannes Schmitz und Christoph Wünsch

Weitere Vorstellungen als Beitrag des Theater-Sport-Spektakels HELDEN 06

am 27., 28. Mai und 9., 10., 16., 17. Juni 2006

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Herausgeber des Beitrags: theaterkompass.de

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