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Düsseldorfer Schauspielhauas: "Rechnitz (Der Würgeengel)" von Elfriede Jelinek

Premiere am 09. Oktober 2010, 19.30 Uhr, Große Bühne Central

„Die Killer-Gräfin“, „Gastgeberin der Hölle“, „Judenmassaker als Partyspaß“, „Die Köchin sah die Mörder tanzen“. So lauten die Überschriften, unter denen vor drei Jahren das vielleicht letzte Kapitel der medialen Auseinandersetzung mit dem Holocaust aufgeschlagen wurde.

Schon der historisch verbürgte Hintergrund der „Story“ weist alle Farben auf, die für ein schwarzromantisches Schauergemälde in den Medien nötig sind: Am 25. März 1945 feierten auf Schloss Rechnitz an der österreichisch-ungarischen Grenze SS-Offiziere, Gestapo-Führer und Einheimische ein "Gefolgschaftsfest", auf dem getanzt und getrunken wurde. Unter den

Anwesenden waren auch die Schlossbesitzer, Graf und Gräfin Batthyány. Im Verlauf des Abends wurden an ausgewählte Gäste Waffen verteilt. Die „Jagdgesellschaft“ erschlug und erschoss 180 jüdische Zwangsarbeiter, die in der Nähe des Schlosses zusammengetrieben worden waren, und kehrte dann zum Fest zurück. Margit von Batthyány, geborene Thyssen-Bornemisza, eine

Enkelin des Stahlmagnaten August Thyssen floh kurz darauf mit Zofe, Mann und Geliebtem vor der heranrückenden Roten Armee in die Schweiz. Ihr Schloss ging in Flammen auf.

In „Rechnitz“ lässt Elfriede Jelinek Boten berichten. Die Berichte aus dem Niemandsland zwischen Opfern und Tätern, Schweigen und Anklage, damals und heute, Geschichte und Gedächtnis reproduzieren treffend – und nicht ohne grausamen Witz – den Diskurs der Nachgeborenen, aus dem wir noch lange nicht entlassen sind.

Inszenierung Hermann Schmidt-Rahmer

Bühne Katrin Nottrodt

Kostüme Michael Sieberock-Serafimowitsch

Video Matthias Lippert

Dramaturgie Stephan Wetzel

Mit Miguel Abrantes Ostrowski, Daniel Christensen, Markus Danzeisen, Marianne Hoika, Katrin Röver, Wolfram Rupperti, Janina Sachau, Susanne Tremper

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