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"Der Kick" von Andres Veiel und Gesine Schmidt im Schauspiel Leipzig"Der Kick" von Andres Veiel und Gesine Schmidt im Schauspiel Leipzig"Der Kick" von Andres...

"Der Kick" von Andres Veiel und Gesine Schmidt im Schauspiel Leipzig

PREMIERE am 24.2. um 20 Uhr, Neue Szene.

Das Dokumentarstück rekonstruiert mit 5 Schauspielern einen Mordfall vor rechtsradikalem Hintergrund. Der grausame Mord an Marinus Schöberl im Sommer 2002 hat Staub aufgewirbelt.

Monatelang zogen Legionen von Reportern und Kamerateams durch das uckermärkische Potzlow. Sensationshungrig die einen, ehrlich bestürzt die anderen stellten sie Fragen nach dem Wieso und Warum der selten brutalen Tat. Marinus wurde von seinen eigenen Kumpels eine Nacht lang gefoltert und anschließend mit dem "Bordsteinkick" zu Tode gebracht, weil er sich die Haare färbte und die falschen Hosen trug. Das reichte, um ihn als minderwertig einzustufen und zum "Juden" zu erklären.

Potzlow ist ein ganz normales Dorf - behauptet der Bürgermeister. Wenn man die 600 Einwohner, die noch hier sind, wegtreibt, kann man ein Naturreservat aufmachen, meint der Vater der zwei Mörder. Dem Dorf fehlt jeder zivilisatorische Standard - befindet nach Prüfung aller Fakten der ermittelnde Staatsanwalt. Arbeit hat hier fast keiner mehr. Viele leben vom Alkohol. Eine wirtschaftliche oder kulturelle Infrastruktur sucht man vergeblich. Eltern wissen nicht, was ihre Kinder tun. Kaum einer hat mehr eine Vorstellung vom nächsten Tag, geschweige denn von seinem Leben. Angesichts dieser Realität erscheinen die Parolen der Rechten: "Deutsch denken, für die Zukunft denken, für die Familie da sein, arbeiten!" absurd oder zwangsläufig.Mein Gott, warum hast Du mich verlassen? fragt der Pfarrer. Marinus, warum hat Dir keiner geholfen? fragt seine Mutter.

 

Welchen Wert hat das Leben eines Menschen in einer Region, die keine zivilisatorischen Werte mehr kennt? fragen die Autoren dieses Stückes, die das Textmaterial aus Recherchen vor Ort gewonnen haben.Und was kann und muss dagegen getan werden? fragen die an der Produktion beteiligten Theaterleute.Die Aussagen von18 Personen sind exemplarisch für die sozialen und kulturellen Hintergründe der Tat und machen auf eine problematische Entwicklung, nicht nur in den strukturschwachen Gegenden im Osten, aufmerksam.

 

Es spielen: Carolin Conrad, Marlène Dunker, Thomas Dehler, Torben Kessler und Till Wonka_ _ _ _

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