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DER FREISCHÜTZ, Romantische Oper von Carl Maria von Weber, Wuppertaler Bühnen

Premiere am Freitag, 14. September 2012, 19:30 Uhr im Opernhaus. -----

„Aus den deutschen Wäldern kommen Gespenstergeschichten. Dafür können die Wälder nichts, denn dort stehen nur Bäume herum.“, schreibt Ingeborg Bachmann einleitend zu den Zwischentexten, die sie anlässlich einer konzertanten Freischütz-Aufführung der Staatsoper Hamburg in New York 1967 verfasste.

Als diese Oper entsteht, die mit Recht das Siegel einer „deutschen Nationaloper“ trägt, ist der ideale deutsche Wald, in dem sich die Geschichte der gefährdeten Liebe des Forstanwärters Max zu Agathe zuträgt, in schlimmerem Zustand als unsere Wälder heute: von ehrgeizigen Bauvorhaben ausgeplündert, die für eine stark wachsende Bevölkerung in Mitteleuropa notwendig wurden und als Brennmaterial verwendet, waren die Wälder von Sandstürmen durchfurcht, heutige große Waldgebiete glichen damals eher einer Steppenlandschaft. In diesen Wäldern - dem Jäger kommt das zugute – kann sich das Wild kaum verbergen. Dass Max trotzdem seit geraumer Zeit nicht trifft, hat wohl, psychologische Motive zugrundegelegt, eher mit einer gewissen Ladehemmung im Vorausblick seiner baldigen Hochzeit zu tun.

Bachmann schreibt weiter: „Es sind aber die Menschen, die die Natur begabt haben mit ihren Vorstellungen, mit finsteren Kräften, Geistern, Zauberei, mit wilder Jagd und schwarzen Jägern — also mit unfreiwilligen Geständnissen und auch wirklichen Geheimnissen, die die Menschennatur produziert, sie, die uns immer mehr Rätsel aufgeben wird als der romantischste Wald.“ Die Geschichte dieser Oper „fabuliert aus dem Unbewussten eines Volks.“ Dieses speist sich aus Aberglauben, traumatischen Erfahrungen aus Armut und Krieg (bei Weber und Kind spielt das Stück nach dem 30-jährigen Krieg), archaischen Vorstellungen von Mann, Frau, Jagd und Natur. Hinzu kommen die Erfahrungen, die die Deutschen mit der Revolution in Frankreich machten, dem Angriff Napoleons auf die deutsche Seele, der hochstürmenden pathetische Nationalismus im Nachgang der Befreiungskriege, der von den eigenen Obrigkeiten mit gemischten Gefühlen betrachtet wurde – er gefährdete schließlich auch die partikularen Kleinstaatsinteressen.

Text von Friedrich Kind

Musikalische Leitung: Florian Frannek

Inszenierung: Andrea Schwalbach

Bühne und Kostüme: Nanette Zimmermann

Choreinstudierung: Jens Bingert

Dramaturgie: Johannes Blum

Mit: Miljan Milović / Thomas Laske, Olaf Haye, Banu Böke, Niclas Oettermann, John In Eichen, Dorothea

Brandt / Elena Fink, Boris Leisenheimer, Martin Js. Ohu, Marco Wohlwend, Hong-Ae Kim, Angelika März,

Ja-YoungPark

Opern- und Extrachor der Wuppertaler Bühnen, Sinfonieorchester Wuppertal

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