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Charles Gounods «Faust» im Opernhaus ZürichCharles Gounods «Faust» im Opernhaus ZürichCharles Gounods «Faust»...

Charles Gounods «Faust» im Opernhaus Zürich

Premiere So, 3 Nov 2013, 19:00. -----

«Nichts» ist das erste Wort dieser Oper. Es ist das Fazit, das Faust aus seinem bisherigen Leben zieht. Sein Leben hat er gelebt, die ihm erreichbare Welt hat er kennengelernt, geblieben ist ihm nur Leere. Das Leben war ereignislos und uninteressant, vergeblich und verschwendet.

Noch einmal jung sein, noch einmal sich dem Genuss hingeben können! Das ist nun sein grosser Wunsch. Da erscheint der Teufel und verspricht, genau das zu liefern, wenn Faust ihm dafür seine Seele gibt. Der Vertrag wird geschlossen, und Faust stürzt sich in eine leidenschaftliche Beziehung mit Marguerite, deren Unschuld und Naivität ihn ebenso anziehen wir ihre Herkunft aus der für ihn exotischen Unterschicht. Als sie schwanger wird, zieht er es allerdings vor, sie allein zu lassen. Die Verlassene tötet das Kind und wird hingerichtet. Charles Gounod trug sich seit seiner Jugend mit dem Plan, aus Goethes Faust eine Oper zu machen. Allerdings hat der französische Faust nur wenig mit seinem deutschen Namensvetter gemein. Es ist nicht der Wunsch zu «erkennen, was die Welt im Innersten zusammenhält», sondern reiner Hedonismus, der ihn antreibt und noch kaltblütiger als Goethes Held über Leichen zu gehen lässt.

 

Musikwissenschaftler haben verächtlich die Nase gerümpft über diese «Schändung» des grossen Dichters. Sie haben aber übersehen, dass Gounod gar nicht den Versuch unternommen hat, sich Goethes Werk in seiner ganzen Komplexität anzueignen. Er nimmt die sehr frei behandelte Gretchen-Tragödie als Material für ein präzises Porträt der Gesellschaft seiner Zeit, des Zweiten Kaiserreichs mit seiner skrupellosen Genuss- und Vergnügungssucht. Ein Porträt, das in vielen Zügen unserer Gegenwart verblüffend ähnelt. So betrachtet bietet uns Gounods erfolgreichste Oper erheblich mehr als eine trivial-sentimentale Liebesgeschichte: einen erhellenden und erschreckenden Blick in den Spiegel.

 

Amanda Majeski ist als Marguerite erstmals am Opernhaus Zürich zu hören. Unser Ensemblemitglied Pavol Breslik gibt sein Rollendebüt als Faust.

 

In französischer Sprache mit deutscher und englischer Übertitelung

 

Musikalische Leitung Patrick Lange

Inszenierung Jan Philipp Gloger

Bühnenbild Ben Baur

Kostüme Karin Jud

Lichtgestaltung Franck Evin

Choreinstudierung Ernst Raffelsberger

Choreografie Ramses Sigl

Dramaturgie Werner Hintze

 

Philharmonia Zürich

Chor der Oper Zürich

 

Faust Pavol Breslik

Méphistophélès Kyle Ketelsen

Valentin Elliot Madore

Marguerite Amanda Majeski

Siébel Anna Stéphany

Marthe Irène Friedli

Wagner Erik Anstine

 

Statisterie Statistenverein am Opernhaus Zürich

 

06 Nov 2013, 19:00

09 Nov 2013, 19:00

14 Nov 2013, 19:00

17 Nov 2013, 19:30

29 Nov 2013, 19:00

01 Dez 2013, 19:30

06 Dez 2013, 19:00

11 Dez 2013, 19:00

zum letzten Mal in dieser Spielzeit

 

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