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UNGEWÖHNLICHE FARBIGKEIT -- 1. Kammerkonzert "Begegnungen" des Staatsorchesters Stuttgart UNGEWÖHNLICHE FARBIGKEIT -- 1. Kammerkonzert "Begegnungen" des...UNGEWÖHNLICHE FARBIGKEIT...

UNGEWÖHNLICHE FARBIGKEIT -- 1. Kammerkonzert "Begegnungen" des Staatsorchesters Stuttgart

am 16.10.2024 im Mozartsaal der Liederhalle

Zwei Streichinstrumente werden in ungewöhnlicher Weise mit der Posaune bei der Serenade Nr. 6 für Posaune, Viola und Violoncello op. 44 des US-Amerikaners Vincent Persichetti miteinander verbunden. Das machten die ausgezeichneten Solisten Christian Hammerer (Posaune), Madeleine Przybyl (Viola) und Olivier Marger (Violoncello) im Mozartsaal deutlich. Die eher konservative Klangsprache dieses Werkes zeigte bei dieser Wiedergabe einen erstaunlichen Farbenreichtum. Barocke Traditionen stechen immer wieder reizvoll hervor. Als bewegendes Choralvorspiel faszinierte vor allem der dritte Satz, in dem die Posaune eine ausdrucksvolle Melodie vortrug, die von Viola und Violoncello umspielt wurde.

Ausgezeichnet war dann auch die Interpretation des einsätzig gebliebenen Klavierquartetts in a-Moll von Gustav Mahler, dessen thematische Erfindung absolut spätromantisch wirkte. Brahms, Schumann und  Schubert haben tatsächlich Pate gestanden.

Mit viel Feuer und Sinn für elektrisierende Chromatik und facettenreiche Glissando-Passagen musizierten Annette Köhler (Violine), Robin Porta (Viola), Olivier Marger (Violoncello) und Virginie Dejos (Klavier) auch das 1988 entstandene Klavierquartett des russischen Komponisten Alfred Schnittke, das sich dem Scherzo-Fragment von Mahlers Klavierquartett unmittelbar anschloss. Die polystilistische Technik Schnittkes triumphierte in mehrfacher Hinsicht. Die Sechzehntelfiguren erinnerten sogleich an Mahlers Fragment. Dynamische Steigerungswellen wurden dabei eindrucksvoll herausgearbeitet.  Die melancholische Antwort des  Schluss-Clusters minderte die Wirkung nicht.

Zum Abschluss dieses Kammerkonzerts begeisterte noch die stark an Richard Strauss erinnernde Wiedergabe des 1903/04 entstandenen Streichquartetts Nr. 3 in D-Dur von Ottorino Respighi. Betörende Farbenpracht war hier in der suggestiven Interpretation von Muriel Bardon, Vanessa  Gembries (Violine),  Almut Lucia Beyer (Viola) und Doris Erdmann (Violoncello) durchaus zu spüren. Die an Belcanto orientierte Sanglichkeit stach auch bei diesem Werk deutlich hervor, dessen leidenschaftlicher Klangzauber unter die Haut ging. Melodiöser Ausdruck, nuancenreiche Ornamentik, brillante Stimmführung und stupende Kompositionstechnik fesselten die Zuhörer. Ein italienisch getönter Impressionismus machte sich in erfrischend-inspirierender Weise bemerkbar.
 

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