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"Abfall, Bergland, Cäsar. Eine Menschensammlung" von Werner Schwab - Schauspielhaus Wien

Premiere: 9. Oktober 2014. -----

Der Dramatiker Werner Schwab greift mit seinem Prosatext Abfall, Bergland, Cäsar. Eine

Menschensammlung die im 17. und 18. Jahrhundert beliebte Gattung der Typenbeschreibungen des

Menschlichen, der Sittenbilder und Porträts adeligen und bürgerlichen Verhaltens, auf.

Während die Autoren solcher Human-Typologien bestenfalls skeptisch und leicht spöttisch waren, setzt Schwab in seiner „Menschensammlung“ zur totalen Vernichtung an. Die Personen von A bis Z sind weniger Charaktertypen als Opfer einer endgültigen Dekonstruktion: sie werden ermordet und gemetzelt, zersägt und zerschnitten, sie werden erstickt in Jauche und Müll und ertränkt in Blut, Schweiß und Tränen. Täter,

Opfer und Werkzeug dieses Mordens ist die Sprache, als das wichtigste Instrument des „verfeinerten

menschen“. Die Attacke Schwabs gegen den guten Geschmack, gegen den humanistisch-edlen

Zeitgenossen ist durchaus programmatisch. Die Kritik an den gesellschaftlich produzierten

Menschentypen enthält eine radikale Sprachkritik und Erkenntnisskepsis und erweist sich als der

vielleicht wichtigste Selbstkommentar des Autors – der aber auch in diesem Text nicht auf seine

drastische Komik verzichtet und lustvoll Situationen und Handlungen konstruiert, die zielsicher ihre

jeweils schlimmste Wendung nehmen.

Ein unglaubliches Alphabet des Wahnsinns, des Menschenelends und der torpedierten, hin und her

geschleuderten Grammatik. Werner Schwab auf den Gipfeln seiner Verzweiflung und seiner Kunst.

(Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Werner Schwab

geboren 1958 in Graz. 1978 bis 1982 Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Von

1981 bis 1989 lebte er auf einem abgelegenen Bauernhof in der Oststeiermark und arbeitete dort

sowohl an seinen „verwesenden Skulpturen“ als auch an Erzählungen und ersten Theatertexten. 1982

schied er aus der Akademie der bildenden Künste aus und wandte sich vermehrt dem Schreiben zu.

Schwab schuf insgesamt 16 Theaterstücke, u.a.: Die Präsidentinnen (UA 1990, Künstlerhaus Wien),

Übergewicht, unwichtig: Unform. (UA 1991, Schauspielhaus Wien), Volksvernichtung oder Meine Leber

ist sinnlos. (UA 1991, Münchner Kammerspiele, ausgezeichnet mit dem Mülheimer Dramatikerpreis),

Mein Hundemund. (UA 1992, Schauspielhaus Wien), Endlich tot, endlich keine Luft mehr. (UA 1994,

Saarländisches Staatstheater), Eskalation ordinär. Ein Schwitzkastenschwank in sieben Affekten. (UA

1995, Deutsches Schauspielhaus Hamburg), Hochschwab: Das Lebendige ist das Leblose und die

Musik. (UA1996, Schauspielhaus Wien) sowie etliche Prosatexte und Hörspiele. 1991 wählte ihn

Theater heute zum Nachwuchsdramatiker des Jahres, im folgenden Jahr zu Dramatiker des Jahres. Am

Jänner 1994 starb Schwab 35-jährig an den Folgen einer Alkoholvergiftung in Graz.

Katrin Hammerl

geboren 1984 in Oberwart. Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaft in Wien und Pisa.

2011/12 Regiehospitanzen am Burgtheater, seit 2009 Regisseurin und Koautorin für das

Theaterkabarett-Duo Flüsterzweieck sowie im Rahmen verschiedener freier Theaterproduktionen wie

zuletzt bei der Performance Wir haben schon immer (2014, mo.ë, Wien). Am Schauspielhaus Wien ist

sie seit der Spielzeit 2013/14 Regieassistentin.

Mit

Barbara Horvath

Regie: Katrin Hammerl

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