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Von Welten und PhantasienVon Welten und PhantasienVon Welten und Phantasien

Von Welten und Phantasien

b.37: "New World" (Uraufführung) von Robert Binet, "The Way Ever Lasting" (Uraufführung) von Natalia Horecna, "Fantaisies" (Uraufführung) von Remus Şucheană in der Deutschen Oper am Rhein

Gleich mit drei Uraufführungen wartet "b37" in der Deutschen Oper am Rhein auf, dieses Mal ohne eine eigene Choreographie von Martin Schläpfer, aber mit live von den Düsseldorfer Symphonikern gespielten Werken.

 

 

 

Copyright: Gert Weigelt

Der Kanadier Robert Binet lässt in "New World" schon während des Einlasses zwei Tänzer mit Aufwärmübungen auf die Bühne, deren Bewegungen sich später im Stück wiederfinden lassen. Dann kommt eine Tänzerin dazu, später Paare. Zu der von der Minimal Art inspirierten Musik von Nico Muhly spiegeln sich die Tänzer in einem halbrund verspiegelten Raum, mal grell ausgeleuchtet, mal mit Nebelschwaden wider, in einer Atmosphäre von Licht und Schatten. Allmählich schwebt ein großes, weißes, gerundetes Wolkengebilde mit einzelnen Pflanzen von oben herab. Es ist das Sinnbild für eine reine Welt, denn in diesem Stück erschafft Robert Binet tatsächlich in drei Episoden eine neue Welt, wenn auch nur für die kurze Dauer der Aufführung: angeregt von den verschiedenen Schöpfungsmythen der Völker setzt er hier ein utopisches Bild der real existierenden Welt entgegen. Es ist eine Welt voller Liebe, Zuversicht, Vertrauen, Zusammenhalt und Hilfsbereitschaft.

Von Binets Lichtgestalten entfernt sich "Natalia Horecna mit "The Way ever lasting". Ein klassisches Pas de deux-Paar wird in dem Bestreben, seine Liebe zu leben, inneren Dämonen ausgesetzt. In der Gestalt von Eric White tritt ein Teufelchen als Störenfried auf, in dem er sich z.B. in einen Kuss schiebt. Horecna schreckt nicht vor großer Symbolhaftigkeit zurück. Das Bühnenbild bestehend aus einem großen schwebenden Eisenring, der ein Dreieck umschließt, verweist auf spirituelle Ebenen. Es ist Sinnbild von Einheit und Schutz, von Göttlichkeit. Das nach unten gespitzte Dreieck kann aber ebenso auf Aggressivität hindeuten. Vom inneren Feuer und Kämpfen zeugt auch das flammendrote Kleid der Liebenden Ann-Kathrin Adam. Peter Breiners verwendetes "Lurking of a Purpe Demon" für Violincello und Streichorchester mit seinen vier Sätzen, betitelt mit "Versuchung", "Dilemma", "Zorn" und "Nicht, worauf man gehofft hatte", spiegelt das Thema dieser Choreographie wider. Mit fließenden Bewegungen zum 2. Satz von Johann Sebastian Bachs Klavierkonzert Nr. 3 D-Dur schließt das Werk, wird der innere Kampf aufgelöst.

Remus Şucheană beschreitet mit seinen "Fantaisies" den klassischen Ballettweg: er vertanzt die Musik, hier die von Bohuslav Martinů zwischen 1951 und 1953 komponierte 6. Sinfonie mit dem Untertitel „Fantaisies symphoniques“. Ein großer Stamm mit leeren weißen Schildern - ohne Bezeichnung - bestimmt das Bühnenbild. Er verdreht sich im Laufe des Stückes, macht eine Richtungsbestimmung unmöglich. Es gibt kein wirkliches Ziel, nur ein Dahintreiben. Dem entsprechen die großen Gruppenformationen von Tänzern und Tänzerinnen. Alles ist ein Dahinfließen wie ein phantastischer Gedankenstrom. Die Choreographie ist perfekt getanzt, man schaut dem Tanzen gerne zu, aber es fehlt doch an Kontrasten und Brüchen, Höhepunkten, ohne die das Werk etwas zu glatt daherkommt.

So bleibt ein etwas zwiespältiges Gefühl zurück. Einerseits wunderbar perfektes mit Leichtigkeit Getanztes, andererseits aber Weniges, das lange nachhallt. Vom Publikum wurden die drei Stücke mit euphorischem Applaus bedacht.

New World (Uraufführung) Robert Binet

MUSIK „Four Studies“ und „Honest Music“ für zwei Soloviolinen und Streichorchester (Uraufführung) sowie „Quiet Music“ für Klavier von Nico Muhly

Choreographie: Robert Binet
Musikalische Leitung: Jean-Michaël Lavoie
Bühne: Shizuka Hariu

Kostüme: Harriet Jung, Reid Bartelme
Licht: Floriaan Ganzevoort
Klavier: Hiroko Ishigame
Solovioline 1: Egor Grechishnikov / Emilian Piedicuta
Solovioline 2: Pascal Théry / Hyunmi Kim
Tänzerinnen: Doris Becker, Sonia Dvořák, Eleanor Freeman, Alexandra Inculet, Yuko Kato, Helen Clare Kinney, Aleksandra Liashenko, Cassie Martín, Virginia Segarra Vidal
Tänzer: Brice Asnar, Yoav Bosidan, Rubén Cabaleiro Campo, Orazio di Bella, Philip Handschin, Alexandre Simões, Arthur Stashak, Daniel Vizcayo, Eric White

The Way Ever Lasting (Uraufführung) Natalia Horecna

MUSIK „Chanson du Matin“ aus Cinq Chansons pour Percussion von Claude Vivier, „Lurking of a Purple Demon“ von Peter Breiner, Adagio e piano sempre aus dem Cembalokonzert Nr. 3 D-Dur BWV 1054 von Johann Sebastian Bach

Choreographie: Natalia Horecna
Musikalische Leitung: Jean-Michaël Lavoie
Bühne: Darko Petrovic
Kostüme: Christiane Achatzi
Licht: Volker Weinhart
Violoncello: Nikolaus Trieb
Schlagzeug: Fabian Clasen
Klavier: Hiroko Ishigame
Tänzerinnen: Ann-Kathrin Adam, Marlúcia do Amaral, Sonia Dvořák, So-Yeon Kim
Tänzer: Philip Handschin, Marcos Menha, Chidozie Nzerem, Eric White

Fantaisies (Uraufführung) Remus Şucheană

MUSIK Sinfonie Nr. 6 („Fantaisies symphoniques“) H. 343 von Bohuslav Martinů

Choreographie: Remus Şucheană
Bühne & Kostüme: Mylla Ek
Licht: Volker Weinhart
Tänzerinnen: Ann-Kathrin Adam, Marlúcia do Amaral, Camille Andriot, Doris Becker, Wun Sze Chan, Feline van Dijken, Eleanor Freeman, Alexandra Inculet, Yuko Kato, So-Yeon Kim, Helen Clare Kinney, Marjolaine Laurendeau, Aleksandra Liashenko, Sinthia Liz, Cassie Martín, Virginia Segarra Vidal, Marié Shimada
Tänzer: Brice Asnar, Orazio di Bella, Yoav Bosidan, Rubén Cabaleiro Campo, Michael Foster, Filipe Frederico, Vincent Hoffman, Sonny Locsin, Pedro Maricato, Marcos Menha, Tomoaki Nakanome, Chidozie Nzerem, Boris Randzio, Alexandre Simões, Daniel Smith, Arthur Stashak, Daniel Vizcayo

Musikalische Leitung: Jean-Michaël Lavoie
Düsseldorfer Symphoniker

Premiere 23.11.2018, 19.30 im Opernhaus Düsseldorf


 

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