Theaterkompass.de Logo

DICHTERLIEBE IN LEBENSSTATIONEN -- Internationale Hugo- Wolf-Akademie: "The Blind Spot" im Weißen Saal des Neuen Schlosses in Stuttgart

am 11.6.2026

Geschrieben von ALEXANDER WALTHER

"Goethe und die Frauen" stand im Mittelpunkt dieses besonderen Konzerts mit Julian Pregardien (Tenor), Julia Nachtmann (Sprecherin) und Kristian Bezuidenhout (Hammerflügel). Gleich zu Beginn faszinierte der "Prolog in Leipzig: Käthchen" mit Franz Schuberts "Willkommen und Abschied", wo Pregardien mit seinem Begleiter auch die leisen und nachdenklichen Töne traf.

© Internationale Hugo- Wolf-Akademie

 Mit filigranen Girlanden überraschte das "Heidenröslein" von Franz Schubert, wo die thematischen Verbindungslinien Goethes Text "An meine Lieder" in geheimnisvoller Weise ergänzten. Über allem thronte die "Elegie in Marienbad: Ulrike". Gemeint ist die Liebe des 73jährigen Johann Wolfgang von Goethe zu Ulrike von Levetzow. In diesem Zusammenhang erinnerte Pregardien an Stefan Zweigs Roman "Sternstunden der Menschheit", der dieser Liebesgeschichte ein eigenes, bewegendes Kapitel gewidmet hat. Und auch Martin Walser hat Goethe in seinem Roman "Ein liebender Mann" ein Denkmal gesetzt. "Erwin" op. 7/2 von Fanny Hensel atmete in der Wiedergabe des Duos Pregardien/Bezuidenhuit leidenschaftliche Hingabe, die Julia Nachtmann eindringlich begleitete. Diese poetische Marienbader Elegie wurde ergänzt von "Se spiegar potessi, oh Dio" von Maria Szymanovska, ein Lied, das stilvoll und dynamisch ausgewogen erklang. Das 1. Bild "Strasboug - ...doch oh welch Glück, gesehn zu werden..." eröffnete den Reigen von Goethes Lebensstationen. 

Franz Schuberts "Willkommen und Abschied" Teil 1 und 2 wurden durch Fee Brembecks "Willkommen und Abschied" (Slam Poetry) bereichert. Aus der Operette "Friederike" (1928) von Franz Lehar interpretierte Pregardien dann "Ein Herz wie Gold so rein" mit ebenmäßigen Kantilenen. Hier tritt Goethe als Singspielgestalt auf. Und dabei wird das Sesenheimer Liebeserlebnis des Dichters abwechslungsreich behandelt. Die Gesangsmelodien wurden dabei ganz unsentimental und höchst erfrischend vorgetragen. 

Im 2. Bild "Wetzlar - "ich weiß nicht, was ich soll..." las Julia Nachtmann einfühlsam Auszüge aus Thomas Manns Roman "Lotte in Weimar". Und sie zitierte aus einem Brief, den Johann Wolfgang von Goethe an Charlotte Kestner, geb. Buff, schrieb. 

Das Duo Pregardien/Bezuidenhuit überraschte das Publikum anschließend mit Ludwig van Beethovens Lied" Mit einem gemalten Band" op. 83/3. Rhythmik und Dynamik stachen hier facettenreich hervor. Idyllik und Schwärmerei beherrschten Wolfgang Amadeus Mozarts "Das Veilchen" KV 476, wo sich das Duo ebenfalls auf Mozarts unvergleichliche Formbegabung in beglückender Weise einließ.

 "Lili grüßt Dich auch!" hieß es zuletzt beim 3. Bild "Offenbach", wo Christoph Pregardien zusammen mit Kristian Bezuidenhuit bei Franz Schuberts "An die Sonne" sowie Johann Friedrich Reichardts "Vom Berge" mit reizvollen klangfarblichen Schattierungen agierte. Julia Nachtmann trug dann Auszüge aus Goethes "Faust" erster Teil und "Stella" in berührender Weise vor. Und Pregardien erfüllte Johann Friedrich Reichardts "Höret alle mich ihr Götter" (Arie des Valerio aus "Erwin und Elmire") sowie Franz Schuberts "Musensohn" mit nie nachlassender Intensität und ausdrucksstarken Gesangslinien. Dabei pflegte er sogar den hessischen Dialekt. Als sphärenhaft-bewegende Zugabe war noch "Abendempfindung an Laura" von Franz Schubert zu hören. 

Begeisterter Schlussapplaus. 

Teile den Beitrag auf

Background image of the page