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FULMINANTE KLANGLANDSCHAFTEN -- Klavierabend Vsevolod Zavidov im Ordenssaal bei den Schlossfestspielen LUDWIGSBURG

am 12.6.2026

Geschrieben von ALEXANDER WALTHER

Der in Moskau geborene Pianist Vsevolod Zavidov gilt als eines der größten Talente. Bereits im Alter von zehn Jahren feierte er sein Solodebüt in der New Yorker Carnegie Hall. Dies zeigte sich sogleich bei seiner fulminanten Wiedergabe von Sergej Rachmaninows Prelude, Gavotte & Gigue nach Bachs E-Dur-Partita, wo das kontrapunktische Gerüst glanzvoll hindurchschimmerte. Beim Prelude erweiterte sich der Resonanzraum gewaltig, wobei bei Bach ein Strom von Sechzehnteln hervorragt. Die Virtuosität und der dynamische Sog entfalteten sich bei diesem intensiven Spiel immer wirkungsvoller.

© Alexey Chernikov

Die wiederkehrende Melodie des ersten Impromptus  op. 90 von Franz Schubert gewann mit ihrer c-Moll-Aura bei Vsevolod Zavidov ein starkes Gewicht. Der Marschcharakter imponierte mit einem facettenreichen Staccato. Der unheimliche Klang erinnerte sogar an den "Erlkönig". Das Schwanken zwischen c-Moll und Es-Dur schien sich hier immer weiter auszuweiten. Und der Dominant-Ton G eröffnete das Stück als vierfach oktavierter Fortissimo-Schlag. Aber alles erschien dabei ganz unmittelbar und wirkte nie aufgesetzt. Das zweite Stück faszinierte mit seinen fließenden Achteltriolen im jagenden Es-Dur-Klangbild, während das dritte Andante in Ges-Dur als Träumerei überzeugte, deren sphärenhaftes Klangbild sich immer weiter intensivierte. Die Harmonien wechselten einfühlsam und zuweilen in sich gekehrt. Das Pianissimo gelang Zavidov ausgezeichnet. Das vierte Impromptu in As-Dur begeisterte aufgrund seiner leichten Schwungkraft, wobei die abwärts perlenden Arpeggien der linken Hand besonders auffielen. Das cis-Moll-Trio gelang dem Pianisten ausgesprochen lyrisch und feinnervig. 

Dann gefielen die robust gespielten Etudes-Tableaux op. 33 Nr. 1 - 8 von Sergej Rachmaninow, wo Zavidovs Herkunft von der russischen Schule imponierte. Der Charakter pompöser Virtuosenmusik wurde hier aber nicht übertrieben. Glockenklänge, Assoziationen zu orthodoxen Gesängen und der famose Einsatz tiefer, donnernder Register ließ manchmal an die Welt eines Horowitz denken. Die erstaunliche Virtuosität dieser Klanglandschaften wurde aber nicht übertrieben dargestellt. 

Zum Abschluss fesselten die Variationen über ein Thema von Corelli op. 42 von Sergej Rachmaninow. Aus der schlichten Phrase entwickelten sich hier 20 Variationen von riesigen Ausmaßen, die in einer gewaltigen Coda gipfelten. Die bei Rachmaninow manchmal  bemängelte Diskrepanz von pianistischer Aufmachung und schwacher thematischer Substanz schien hier überwunden zu sein. Wie ein ungeheurer chromatischer Wasserfall entfaltete sich die harmonische Wucht dieser Komposition über "La Folia". Der Orgelpunkt in D setzte den beeindruckenden Schlusspunkt. 

Begeisterungsstürme und eine Schumann-Zugabe.  

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