Die wiederkehrende Melodie des ersten Impromptus op. 90 von Franz Schubert gewann mit ihrer c-Moll-Aura bei Vsevolod Zavidov ein starkes Gewicht. Der Marschcharakter imponierte mit einem facettenreichen Staccato. Der unheimliche Klang erinnerte sogar an den "Erlkönig". Das Schwanken zwischen c-Moll und Es-Dur schien sich hier immer weiter auszuweiten. Und der Dominant-Ton G eröffnete das Stück als vierfach oktavierter Fortissimo-Schlag. Aber alles erschien dabei ganz unmittelbar und wirkte nie aufgesetzt. Das zweite Stück faszinierte mit seinen fließenden Achteltriolen im jagenden Es-Dur-Klangbild, während das dritte Andante in Ges-Dur als Träumerei überzeugte, deren sphärenhaftes Klangbild sich immer weiter intensivierte. Die Harmonien wechselten einfühlsam und zuweilen in sich gekehrt. Das Pianissimo gelang Zavidov ausgezeichnet. Das vierte Impromptu in As-Dur begeisterte aufgrund seiner leichten Schwungkraft, wobei die abwärts perlenden Arpeggien der linken Hand besonders auffielen. Das cis-Moll-Trio gelang dem Pianisten ausgesprochen lyrisch und feinnervig.
Dann gefielen die robust gespielten Etudes-Tableaux op. 33 Nr. 1 - 8 von Sergej Rachmaninow, wo Zavidovs Herkunft von der russischen Schule imponierte. Der Charakter pompöser Virtuosenmusik wurde hier aber nicht übertrieben. Glockenklänge, Assoziationen zu orthodoxen Gesängen und der famose Einsatz tiefer, donnernder Register ließ manchmal an die Welt eines Horowitz denken. Die erstaunliche Virtuosität dieser Klanglandschaften wurde aber nicht übertrieben dargestellt.
Zum Abschluss fesselten die Variationen über ein Thema von Corelli op. 42 von Sergej Rachmaninow. Aus der schlichten Phrase entwickelten sich hier 20 Variationen von riesigen Ausmaßen, die in einer gewaltigen Coda gipfelten. Die bei Rachmaninow manchmal bemängelte Diskrepanz von pianistischer Aufmachung und schwacher thematischer Substanz schien hier überwunden zu sein. Wie ein ungeheurer chromatischer Wasserfall entfaltete sich die harmonische Wucht dieser Komposition über "La Folia". Der Orgelpunkt in D setzte den beeindruckenden Schlusspunkt.
Begeisterungsstürme und eine Schumann-Zugabe.


