Einen ähnlichen Zugriff wagte schon 2019 die Dramatikerin Isobel McArthur mit ihrer erfolgreichen Bühnenadaption von Jane Austens „Stolz und Vorurteil“. Um einen Roman auf die Bühne zu übertragen, braucht es Figuren, die die Erzählstimme im Buch ersetzen. Was ist da nicht naheliegender, als fünf Dienstmädchen diese Vermittlerinnenrolle zukommen zu lassen? Sind sie nicht sowieso bei allen sozialen Events ihrer Herrschaften dabei und werden nur gerne übersehen?
Dabei kann man »keine stürmische Romanze führen ohne saubere Bettwäsche!« Deshalb sind sie es, die die Geschichte der Bennet-Schwestern erzählen dürfen:
Meryton – ein kleines verschlafenes Örtchen zwischen London und Cambridge. Mrs. Bennet möchte ihre fünf Töchter möglichst schnell unter die Haube bringen. Da trifft es sich gut, dass die schöne Jane, Mrs. Bennets älteste Tochter, von dem jungen Charles Bingley angetan ist, der das Gut in der Nachbarschaft gepachtet hat. Doch Bingleys Freund Darcy ist mit der Wahl seines Freundes nicht einverstanden. Wie kann eine Frau des ländlichen Kleinadels in eine Familie des reichen Hochadels einheiraten? Auf dem Merytoner Stadtball verursacht er einen Eklat. Er beleidigt Janes Schwester Elizabeth in aller Öffentlichkeit…
McArthur hat historische Gesellschaftskonventionen mit modernen, „romantischen“ Erwartungshaltungen verbunden. Entstanden ist eine turbulente Komödie mit schnellen Kostümwechseln, in der alle 17 Rollen von nur fünf Darstellerinnen gespielt werden. Darüber hinaus gibt es eine Besonderheit: Immer wenn die Bennet-Schwestern emotional werden, flüchten sie sich in Popballaden der 60er und 80er Jahre sowie der 10er Jahre des neuen Jahrtausends.
Lydia, Kitty, Mary, Elizabeth und Jane – das sind die fünf Bennet-Schwestern. In Jane Austens berühmtem Roman „Stolz und Vorurteil“ aus dem Jahr 1813 sind sie die Hauptfiguren. Aber wer sind Anne, Tillie, Clara, Flo und Effie? Von ihnen hört man oft nichts. In Liebesgeschichten aus dem 19. Jahrhundert vergisst man die vielen Dienstmädchen.
Dabei braucht man saubere Bettwäsche für eine stürmische Romanze. In Isobel McArthurs Bühnenfassung des Romans erzählen deshalb die Dienstmädchen die Geschichte der Bennet-Schwestern. Ort ist Meryton, ein kleines Dorf zwischen London und Cambridge. Mrs. Bennet will, dass ihre fünf Töchter schnell verheiratet werden. Ihnen geht es vor allem um finanzielle Absicherung: In dieser Zeit konnten Frauen kein Geld oder Land erben. Sie mussten einen Mann finden, der ihr Elternhaus nach dem Tod des Vaters verwaltet.
Jane, die älteste Tochter, gefällt der junge Charles Bingley. Er hat das Gut in der Nachbarschaft gepachtet. Doch Bingleys Freund Darcy ist mit dieser Wahl nicht einverstanden. Wie soll eine Frau aus dem kleinen Landadel in eine reiche Hochadelsfamilie heiraten?
Beim Stadtball in Meryton sorgt Darcy für Aufsehen. Er beleidigt Janes Schwester Elizabeth öffentlich.
Isobel McArthur, britische Autorin und Schauspielerin, nutzt hier eine besondere Idee: Alle Rollen – von den Bennet-Schwestern bis zu den männlichen Heiratskandidaten – werden von denselben fünf Dienstmädchen gespielt. So entsteht eine lustige, schnelle Komödie mit vielen Kleidungwechseln und kurzen Songs. Dabei wird die Stellung von Frauen in der Regency-Zeit kritisch hinterfragt.
Deutsch von Silke Pfeiffer
Regie Tamó Gvenetadze
Ausstattung Annabel von Berlichingen
Musikalische Einstudierung Sebastian Undisz
Dramaturgie Luise Curtius
Regieassistenz Mikko Will
Soufflage Mariia Chechel / Mikko Will
Inspizienz Mariia Chechel
Flo / Mrs Bennet / Fitzwilliam Darcy Claudia Lüftenegger
Tillie / Charlotte Lucas / Charles Bingley / Miss Bingley Andrea Klem
Effie / Elisabeth Bennet Sophie Hess
Clara / Jane Bennet / George Wickham / Lady de Bourgh Kristin Heil
Anne / Mary Bennet / Lydia Bennet / Mr. Collins Ute Menzel
Weitere Vorstellungen:
Sa 13. Juni | 20.30 Uhr
So 14. Juni | 20.30 Uhr
Fr 19. Juni | 20.30 Uhr
Sa 20. Juni | 20.30 Uhr
So 21. Juni | 20.30 Uhr
Fr 26. Juni | 20.30 Uhr
Sa 27. Juni | 18.00 Uhr
So 28. Juni | 20.30 Uhr


