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PASTORALE UND ZAUBEROPER -- Ludwigsburger Schlossfestspiele: "Orlando" von Georg Friedrich Händel im Schlosstheater LUDWIGSBURG

am 13.6.2026

Geschrieben von ALEXANDER WALTHER

Wie dicht Liebe und Wahnsinn beieinander liegen, macht diese selten zu hörende Oper als Dramma per musica in drei Akten von Georg Friedrich Händel deutlich, die jetzt im Schlosstheater zu erleben war. Orlando ist besessen von seiner Liebe zu Angelica und verfällt rasendem Wahnsinn. Die Szenen der nächtlichen Landschaft, des Waldes und des Palmenhains als Orte der Wonne werden hier in der fulminanten Wiedergabe mit Les Musiciens du Louvre unter der elektrisierenden Leitung von Clement Pottier überzeugend deutlich.

© Cassiana Sarrazin

 Der Zauberer Zoroastro liest in den Sternenbildern von den Abenteuern Orlandos, der der Königin Angelica enthüllt, dass er um ihre Liebe zu Medoro weiß. Gleichzeitig warnt er sie vor der Rache Orlandos, was hier auch konzertant in packender Weise zur Geltung kommt. Angelica warnt gleichzeitig Medoro, Orlando nicht herauszufordern. Das Explosive in dieser Musik wird an diesem Abend in hervorragender Weise herausgestellt. Zoroastro wirft Angelica und Medoro vor, den Zorn Orlandos heraufbeschworen zu haben. Orlando erscheint und bemerkt die in den Baum geritzten Namen. Rasend vor Eifersucht stürzt er sich schließlich auf Angelica, verfolgt von Medoro, der seine Geliebte schützen will. Angelica findet dann die in Tränen aufgelöste Dorinda, die ihr berichtet, dass Orlando ihre Hütte niedergebrannt habe und Medoro ums Leben gekommen sei. Jetzt jedoch kommt die große Wendung. Bevor sich Orlando mit einem Schwert auf Angelica stürzen kann, fällt er erschöpft in einen tiefen Schlaf. Erst dem Zauberer Zoroastro gelingt es, Orlando mit einem Zaubertrank zu neuer Klarheit zu verhelfen. Als er wieder zu sich kommt, vergibt er Angelica und Medoro und stimmt gemeinsam ein Loblied auf die Liebe an. 

Das kontrapunktische Gerüst dieser ungewöhnlich expressiven Partitur verblüfft aufgrund seiner erstaunlichen Modernität und klangfarblichen Leuchtkraft, die sich auf die Sängerinnen und Sänger übertrug. Die reich virtuosen Höhenflüge und Koloraturen gibt es hier in Hülle und Fülle. Aude Extremo begeisterte als Orlando nicht nur bei der Verzweiflungsarie mit emotionaler Tiefe und intensiven lyrischen Momenten. Die reich verzierten Da-capo-Arien blitzten immer wieder mit glühender Intensität hervor. Ana Maria Labin faszinierte als Angelica mit nie nachlassender gesanglicher Intensität. Jake Ingbar verdeutlichte als Medoro psychische Extremzustände. Alicia Amo gewann Dorinda ebenfalls eine erstaunliche gesangliche Beweglichkeit ab. Und Trevor Eliot Bowes als unheimlicher Zoroastro sorgte für eine voluminöse stimmliche Aura dieser virtuosen Bass-Partie. 

Man merkt, dass Händels Reich im Gegensatz zu Bach von dieser Welt ist. Sein Privatleben, "gleich weit entfernt von Sparsamkeit wie von Verschwendung", bot niemals dem Klatsch Nahrung, kein Liebesbrief ist erhalten, der vielleicht aufklären könnte, weshalb Händel nicht geheiratet hat. Die vielgestaltige Gewalt des Lebens und seine eigene Kraft und Leidenschaft triumphieren aber auch in "Orlando". Er entsagt hier der grüblerischen Polyphonie, die Musik kommt zuweilen mit sprunghaft-federnder Leichtigkeit daher. Eine Tatsache, die der umsichtige Dirigent Clement Pottier zusammen mit dem vorzüglichen Ensemble Les Musiciens Du Louvre in ausgezeichneter Weise unterstrich. 

Die Uraufführung dieses Werkes in Anwesenheit der englischen Königsfamilie wurde vom Publikum zwar freundlich aufgenommen, konnte aber zunächst nicht an die großen Erfolge des King's Theatre am Haymarket anknüpfen. Das Natur- und Seelenbild erschien auch bei der Ludwigsburger Aufführung im klaren Lichte mediterraner Stimmung. Die zahlreichen tonmalerischen Effekte zeigten sich außerdem in großen Intervallsprüngen, rasenden Läufen und gespenstischen Trillern. Vor allem die rhythmische Bewegung bis hin zu effektvollem Donnergrollen auf der Bühne des Schlosstheaters kam hervorragend  zum Vorschein. So begriff der Zuschauer, dass "Orlando" wirklich ein wunderbares Gemisch von Zauberoper und Pastorale ist. Die Geisterbeschwörung zur Heilung Orlandos begann in unheimlichem b-Moll. Zoroastros Einlassung "Tu, che del gran Tonante" überzeugte mit Pathos. Auch der Charakter der französischen Ouvertüre wurde genau getroffen. Die Accompagnato-Rezitative verblüfften mit Präzision, die Grenzen zum Secco-Rezitativ verschwammen. Auffallend ist hier immer wieder die Verwendung von Dur-Tonarten und brillanten Triolen-Koloraturen. Die Oper wurde im Schlosstheater von einem berührend dargebotenen Quartett im zuletzt fünfstimmigen Chor beschlossen. 

Jubel und Ovationen!

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