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VIRTUOS UND MELODISCH - Quadriga Posaunenquartett im Schloss Bietigheim

am 25.2.2024

Unter dem vielsagenden Motto "bel et bon - schön und gut" stand dieses Konzert als vergnügliche Posaunen-Matinee. Die Posaunisten Carsten Luz, Holger Pfeuffer, Martin Zuckschwerdt und Jan Böhme interpretierten zunächst das harmonisch vielschichtige Stück "Scherzo e Chorale" des ungarischen Komponisten Frigyes Hidas. Beim zweiten Stück "Vecchie letrose" von Adrian Willaert ging es um gehässige alte Zankweiber, die sich immer neue Wortgefechte lieferten, die von den Posaunen mit chromatischem Feinschliff intoniert wurden.

 

Copyright: Michael Holzapfel

Diego Ortiz wirkte am neapolitanischen Hof. Sein reizvoll musiziertes Stück "Recercada Segunda sobre Passamezzo moderno" spielte facettenreich mit kontrapunktischen Finessen. Die Passacaglia a tre aus "Il primo libro di canzone, sinfonie fantasie" von Andrea Falconiero überraschte mit rhythmischer Prägnanz und knisterndem Basso ostinato im dreiteiligen Takt. "Il est bel et bon" von Pierre Passereau zeigte ebenfalls nuancenreiche Klangfarben, die sich immer weiter verfeinerten. Imitatorische Passagen und prägnante Motive wechselten sich immer wieder in subtiler Weise ab.

Aus der Suite Nr. 2 in h-Moll von Johann Sebastian Bach BWV 1067 erklangen die drei Sätze Bouree, Menuett und Badinerie mit durchaus prunkvoller und filigraner Thematik. Virtuos verschnörkelt entfalteten diese Sätze starke klangliche Reize. Der Blumenwalzer aus dem Ballett "Der Nussknacker" von Peter Tschaikowsky wirkte bei dieser ausgefeilten Wiedergabe ausgesprochen poetisch. Das leidenschaftliche Duo des Fleurs aus der Oper "Lakme" von Leo Delibes erzählte vom tragischen Schicksal einer indischen Prinzessin, die sich in einen englischen Prinzen verliebte. Am Schluss der Oper waren alle tot. Das Posaunenquartett intonierte die überschwänglichen Melodien mit starker Intensität.

"Trois Chansons" von Claude Debussy besaßen in der suggestiven Wiedergabe durch das Quadriga Posaunenquartett besonderen Sinn für das motivische Material, das einem ständigen Verwandlungsprozess unterworfen war. Die drei Nummern "Dieu! qu'il la fait bon regarder", "Quant j'ai ouy le tabourin" und "Yver, vous n'estes qu'un villain" erzählten lyrisch von der schönen Geliebten, den Trommeln sowie von der Winteraustreibung. Zuletzt begeisterte noch "Frösöblomster" op. 16 des schwedischen Komponisten Wilhelm Peterson-Berger, der auch ein gefürchteter Musikkritiker war. Seine Komposition klingt ausgesprochen spätromantisch - und das Posaunenquartett ließ einzelne Sätze wie "Sommarsang" und "Gratulation" im Arrangement von Carl Lundgren harmonisch vielschichtig erstrahlen. Man spürte, dass Peterson-Berger auch ein Wagner-Verehrer war.

Herzlicher Schlussapplaus und "Bravo"-Rufe für dieses 2002 gegründete Ensemble mit Mitgliedern der Staatsphilharmonie Nürnberg und der Jenaer Philharmonie.
 

 

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