Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
URAUFFÜHRUNG: USTRINKATA von Arno Camenisch im Theater BernURAUFFÜHRUNG: USTRINKATA von Arno Camenisch im Theater BernURAUFFÜHRUNG: USTRINKATA...

URAUFFÜHRUNG: USTRINKATA von Arno Camenisch im Theater Bern

Premiere So., 9. Dezember 2012, 18:00 Uhr, Vidmar 1. -----

26 Häuser hat das Dorf. Eines davon ist die Helvezia. Über 60 Jahre hat die Tante die Dorfkneipe geführt, jeden Tag war geöffnet, doch heute gehen die Lichter aus.

 

Zur Ustrinkata haben sich all jene versammelt, die einander das Leben lang kennen und das halbe Leben am Stammtisch der Helvezia verbracht haben: Alexi, der melancholische Friseur, dessen Kundschaft entweder Hut oder Kopftuch trägt; Jäger Otto mit dem Schaufelbart; Grossmutter, die beim Klang der Totenglocke von der Kassette am besten einschläft; Luis, der früher den Schrubasladen führte; Gion Beretta, der ein einziges Ersatzteillager an künstlichen Gelenken ist, aber ungeahnte Kräfte mobilisiert, wenn die schöne Maria jemanden braucht, der ihr Auto anschiebt ...

 

Ungezählt die Kübels gronds, die Quintins, Caffefertic, Schnäpse, die ausgetrunken werden. Ungezählt die Mary Longs, Selects, Rösslistumpen und Maroccäns, die entzündet werden. Wie einst Scheherazade in 1001 Nächten reden die Stammtischkunden an einem letzten Abend an gegen das Sterben und den Tod, der so viele schon geholt hat: die schöne Friederike, den Eiertoni, die Sanitäterin Fraurohrer und Doktor Tomaschett, den Lehrer und den Dorfpoeten. Draussen regnet es farruct an diesem Januartag, und drinnen versammeln sich die grossen Philosophen am kleinen Stammtisch, der ihrer Meinung nach genau in der Mitte der Welt liegt.

 

Der junge Bündner Autor Arno Camenisch hat mit «Ustrinkata» den dritten und letzten Teil seiner Bündner Trilogie veröffentlicht, der kein eigentlicher Theatertext, jedoch in seiner Struktur ein zutiefst theatraler Text ist. In klassischer Einheit von Ort und Zeit lässt Camenisch dialogreich in einer ganz eigenen Sprache, die durch romanische Einsprengsel den besonderen Sound eines Kunstdialekts hat, eine Dorfchronik entstehen, die heiter-melancholisch davon kündet, dass etwas unwiederbringlich vorbei ist.

 

Arno Camenisch, geboren 1978 in Tavanasa in Graubünden, schreibt auf Deutsch und Romanisch (Sursilvan). Camenisch schreibt Gedichte, Prosa und für die Bühne. Er studierte am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel, wo er auch lebt. Mitglied des Spoken-Word-Ensembles "Bern ist überall". Im Mai 09 erschien sein Prosabuch "Sez Ner" (Prosa deutsch und romanisch) bei Urs Engeler Editor. Im Juli 2010 legte Camenisch seinen Zweitling "Hinter dem Bahnhof" vor (Engeler-Verlag). Im Januar 2012 erschien "Ustrinkata" (Engeler-Verlag). Auf Romanisch erschien 2005 der Roman "ernesto ed autras manzegnas" (Ed. Romania).

 

Auszeichnungen

Berner Literaturpreis für "Hinter dem Bahnhof", 2011; ZKB Schillerpreis 2010 für "Sez Ner"; Berner Literaturpreis für "Sez Ner", 2010; auf der Shortlist zum Rauriser Literaturpreis mit "Sez Ner", 2010; Förderpreis des Kantons Graubünden, 2010; Rätoromanischer Literaturpreis "Premi Term Bel" 2010; Werkbeitrag der Pro Helvetia 2012; Werkbeitrag der Pro Helvetia, 2007; Werkbeitrag der GiuRu, 2006; Publikumspreis an den Rätoromanischen Literaturtagen, 2003; Plema d'aur, 2001.

 

Die junge Solothurner Regisseurin Maria Ursprung bearbeitet den letzten Teil der erfolgreichen Bündner Roman-Trilogie von Arno Camenisch für die Bühne. Der junge Büdner Autor hat mit «Ustrinkata» den dritten und letzten Teil seiner Bündner Trilogie veröffentlicht, der kein eigentlicher Theatertext, jedoch in seiner Struktur ein zutiefst theatraler Text ist. In klassischer Einheit von Ort und

Zeit lässt Camenisch dialogreich in einer ganz eigenen Sprache, die durch romanische Einsprengsel den besonderen Sound eines Kunstdialekts hat, eine Dorfchronik entstehen, die heiter-melancholisch davon kündet, dass etwas unwiederbringlich vorbei ist.

 

Regie Maria Ursprung

Ausstattung Anika Marquardt, Lani Tran-Duc

Musik Herwig Ursin

Dramaturgie Jan Stephan Schmieding

 

Silvia Sophie Hottinger

Die Tante Margot Gödrös

Otto Stéphane Maeder

Luis Marcus Signer

Isidor Herwig Ursin

Tatta Ruth Grossenbacher

Gion Baretta Hansruedi Begert

Alexi Hans Peter Fuhrimann

 

Weitere Vorstellungen: 11., 15., 20., 31. Dez. 2012 | 13., 26. Jan. | 07., 20., 22. Feb.

2013

 

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 18 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

VON HUNDEN INSPIRIERT -- 4. Kammerkonzert des Staatsorchesters "Verzauberung" im Mozartsaal der Liederhalle STUTTGART

Unter dem vielsagenden Motto "Verzauberung" stand das 4. Kammerkonzert des Staatsorchesters Stuttgart im Mozartsaal. Zunächst musizierten Veronika Unger (Violine), Lilian Scheliga (Violine), Daniel…

Von: ALEXANDER WALTHER

REISE DURCH FANTASIEWELTEN - Mozarts "Zauberflöte" in der Staatsoper Stuttgart

Barrie Koskys Inszenierung von Mozarts "Zauberflöte" ist eine vielschichtige Reise durch Fantasiewelten. Die Königin der Nacht beauftragt den jungen Prinzen Tamino, ihre Tochter Pamina aus den Händen…

Von: ALEXANDER WALTHER

RHYTHMUS DER ZEIT - "Nixon in China" von John Adams in der Staatsoper Stuttgart

Regisseur Marco Storman inszeniert diese Minimal-Music-Oper als Revue über die Macht der Bilder, wobei sich die gesellschaftlichen Systeme in raffinierter Weise überlagern (Bühne: Frauke Löffel;…

Von: ALEXANDER WALTHER

MITTEN IM KLANG -- 4. Sinfoniekonzert des Staatsorchesters Stuttgart

Der Titel "...quasi una fantasia..." für Klavier und Instrumentalgruppen des ungarischen Komponisten György Kurtag aus den Jahren 1987/88 verweist direkt auf die Klaviersonaten op. 27 von Ludwig van…

Von: ALEXANDER WALTHER

VERÄNDERUNG DES HÖRENS - Musik am 13. in der Stadtkirche Bad-Cannstatt mit Werken von Helmut Lachenmann

"Klavier pur" - Musik von Helmut Lachenmann in der Stadtkirche am 13.2.2024/BAD CANNSTATT. -- Er gilt als der größte lebende deutsche Komponist. Der 1935 in Stuttgart geborene Helmut Lachenmann hat…

Von: ALEXANDER WALTHER

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑