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Uraufführung: „Mentallica: Industrielandschaft mit Einzelhändlern“ von Tom Kühnel und Jürgen Kuttner, Schauspiel Köln

Premiere 6. Februar 2010 um 20.00 Uhr in der Schlosserei

In Egon Monks „Industrielandschaft mit Einzelhändlern“ ist ein Drogist in seiner Existenz bedroht. Aber er sieht sich nicht als unschuldiges Opfer, er kommt zu der Einsicht, dass er sich den ökonomischen Prozessen nicht genug angepasst hat:

„Wie, wenn der große Unbekannte, welcher hindert, dass die Rechnung aufgeht, ich selber bin? Wenn ich, peile ich Umwelt und Verhältnisse auf der Suche nach dem Störfaktor an, ihn nie werde finden können, weil natürlich ich der Störfaktor bin?“

In Kühnel/Kuttners Inszenierung „Mentallica“ ist der Störfaktor neben dem Drogisten eine in die Jahre gekommene Heavymetalband, die das unternehmerische Selbst bildet. Da besteht kein großer Unterschied: Beide müssen sich auf dem Markt beweisen und beiden wird zunehmend klar, dass heutzutage eine gute psychische Hygiene ausschlaggebend für Erfolg ist: Empowerment, Kreativität und Qualität stärken das unternehmerische Ich des homo contractulis. Dass Unternehmen eine Seele haben, sei „wirklich die größte Schreckensmeldung der Welt“, schimpfte der französische Philosoph Gilles Deleuze Anfang der 90er Jahre und im neuen Jahrtausend lässt sich hinzufügen: Inzwischen haben Unternehmen nicht nur eine Seele, sondern auch einen stabilen Therapeuten.

Mit Robert Dölle, Paul Faßnacht, Andreas Grötzinger, Jürgen Kuttner, Knarf Rellöm und Suse Wächter

Regie: Tom Kühnel, Co-Regie: Jürgen Kuttner, Bühne: Jo Schramm, Puppen: Suse Wächter, Kostüme: Marysol del Castillo, Musik: Knarf Rellöm, Dramaturgie: Lucie Ortmann, Götz Leineweber

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