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Uraufführung: "Die Kameliendame" von Alexandre Dumas, Theater in der Josefstadt Wien

Premiere 17.12,2014, 19.30 Uhr. -----

Warum ich mich verkauft habe? Weil ehrliche Arbeit mir niemals den Luxus erlaubt hätte, nach dem ich mich so sehnte. Dabei bin ich weder verderbt noch neidisch, ich wollte nur die Freude, die Genüsse und die Feinheiten einer eleganten und kultivierten Umgebung kennenlernen. (Marie Duplessis, Vorbild für Die Kameliendame)

Die historische Marie Duplessis war die Tochter eines Kesselflickers aus der Normandie, ein Arbeitermädchen, das in jungen Jahren als Wäscherin und Dienstmagd arbeitete und früh sexuell ausgebeutet wurde. Mit fünfzehn Jahren kam sie nach Paris, tagsüber Verkäuferin, am Abend in Gesellschaft von Studenten und Künstlern. Sie fand einflussreiche und vermögende Liebhaber und stieg bald als Mätresse in die höchsten Kreise der Halbwelt auf.

Alexandre Dumas der Jüngere, Sohn des Romanschriftstellers Alexandre Dumas père, hatte Marie Duplessis 1844 kennengelernt. Das Verhältnis dauerte nur zwei Monate. Auf die Nachricht von ihrem Tod im Jahr 1847 hin beschloss er, der leidenschaftlichen und unvergessenen Liebesaffäre ein literarisches Denkmal zu setzen. Bereits ein Jahr später lag der Roman der Kameliendame vor, Dumas’ erstes Buch und der größte Erfolg seiner literarischen Laufbahn, den nur die eigene Bühnenbearbeitung des Stoffes noch zu steigern vermochte.

Das Theaterstück wurde am 2. Februar 1852 in Paris uraufgeführt, das aufsehenerregendste Bühnenereignis in Frankreich um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts.

„Die Kameliendame“ wurde vom Autor selbst für die Bühne bearbeitet; Verdi sah eine der Aufführungen und machte im folgenden Jahr aus Dumas’ Kameliendame sein "melodramma in drei

Akten" über die Frau, "die vom Weg abkam", "La Traviata". Damit trat der Stoff den endgültigen Siegeszug an.

Längst hat die Gestalt der Kameliendame sich von ihrem realen Vorbild und seiner konkreten Individualität gelöst. Einst die ideale Projektionsfigur kollektiver Männerphantasien, Inbegriff der erotischen Wünsche des arrivierten Bourgeois, existiert sie heute vor allem als Ikone tragischer Weiblichkeit. Sie verkörpert in nahezu reiner Form den Typus der liebenden Kurtisane, der ehrbaren Dirne, der hochherzigen Sünderin, die von der Gesellschaft grausam verstoßen und ein Opfer der Bürgermoral wird.

(Hanjo Kesting)

Eine Kurtisane ist weniger als eine Mätresse, aber mehr als eine Dirne. Sie ist darum weniger als eine Mätresse, weil sie ihre Liebe für materiellen Gewinn verkauft, und darum mehr als eine Dirne, weil sie sich ihre Liebhaber auswählt. Die Kurtisane ist also im Grunde eine Frau, deren Beruf die Liebe und deren Kundschaft mehr oder weniger vornehm ist. Bei den Kurtisanen kann es sich um Frauen handeln, die dank einer unglücklich verlaufenen Liebesgeschichte in die demi-monde geraten sind; oder es sind Frauen von niedrigem Herkommen, deren einzige Hoffnung, im Leben etwas zu erreichen, auf ihren körperlichen Reizen gründet. Dieses Gewerbe ist schwer, und wenn die Kurtisane ein gewisses Alter erreicht hat, ist sie entweder reich und angesehen, vielleicht sogar gut verheiratet, oder aber sie ist vorzeitig gealtert, einsam und unfähig, ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

(Joanna Richardson)

Nun kommt die mitreißende Geschichte über eine Frau, die sich aus Liebe von ihrem bisherigen Leben lösen will in einer adaptierten Fassung auf die Bühne der Josefstadt. Udo Samel gibt als Georges Duval sein Josefstadt-Debüt.

Bühnenfassung von Herbert Schäfer

nach einer Übersetzung von Ludwig von Alvensleben

Regie Torsten Fischer

Bühnenbild und Kostüme Herbert Schäfer, Vasilis Triantafillopoulos

Marguerite Gautier

Sandra Cervik

Alexandre Dumas, Erzähler

Tonio Arango

Armand Duval

Alexander Absenger

Georges Duval, Armands Vater

Udo Samel

Arthur de Varville

André Pohl

Prudence Duvernoy

Katja Bellinghausen

Olympia

Susanna Wiegand

Nichette

Marie-Luise Stockinger

Gustave

Josef Ellers

Diener und Gäste

Maria Astl, Theresia Gabriel, Elisabeth Kofler, Ruby Leaves, Sabrina Worsch, Christian Garland, Benedek Nagy, Viktor Saxinger, Pavel Strasil, Philipp Tod

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