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STAATSTHEATER KASSEL: 'OPERETTE' von Witold Gombrowicz - UNA PARTITURA CONTRASENSO PER FASCISMO FILATASTAATSTHEATER KASSEL: 'OPERETTE' von Witold Gombrowicz - UNA PARTITURA...STAATSTHEATER KASSEL:...

STAATSTHEATER KASSEL: 'OPERETTE' von Witold Gombrowicz - UNA PARTITURA CONTRASENSO PER FASCISMO FILATA

Premiere: Samstag, 19. Januar 2019, 19:30 Uhr, Schauspielhaus

»Galopp der nicht vibriert, doch rast und rast« Witold Gombrowicz, einer der bedeutendsten Autoren der Moderne, liebte die Form der Operette als Feier der Schönheit idiotischer Symbole. Nirgends sei der Mensch, das eitle Vieh, so sehr bei sich wie in einer Operette. Also komponierte er eine Operette mit dem Titel »Operette«. Genauer: er lieferte eine Partitur aus Worten, die nach Operette klingen.

Als er diese mitten in die Revolten der 1960er Jahre dichtete, hatte sich die klassische Operette eigentlich erledigt: womöglich hatte der Faschismus und seine fatale Kombination aus Gewalt, Schönheit und Idiotie sie einfach überflüssig gemacht. Heute aber, im Zeitalter von instagram-influencer-superstar-blingbling, heute, wo sich alles der Diktatur der Mode  unterwirft und unser großes Projekt lautet, glücklich und schön und perfekt zu sein – und sei es auch nur für die Länge einer erigierten Selfie-Stange – heute haben wir die Operette totalitär nötig.

Auf alle Texte von Gombrowicz´ Operette schuf der Musiker Thorsten Drücker die Komposition als absurden Gewaltritt durch die Höhen und Tiefen von Hip Hop (Trap), Rock, Pop, um die Worte glänzen und klingen zu lassen – der Sound von Schloß Himalaj, wagnerische Leitmotive und der geschmeidige Rap des Grafen Charme, der dem Albertinchen an die Wäsche will (wortwörtlich, denn hier gilt es als aufreizend sich anzuziehen, nicht sich auszuziehen). Dieses Albertinchen aber, erst kaum mehr als eine Schaufensterpuppe für männliche Modefantasien, mutiert durch einen Unfall, durch eine seltsame unmittelbare Berührung eines Spitzbuben: die in dieser ganzen idiotischen, feinen, aufgemotzten Symbolwelt ihr etwas ganz Sensationelles schenkt – ein Gefühl von Körper. Und dieses Gefühl schwillt auf zu einem Sturm, der wie eine ökologische Katastrophe von nuklearem Ausmaß sie alle wegreißen wird: die Grafen, Prinzen, Generäle, kotzenden Professoren, Revoluzzer, Nazischergen – und was bleibt ist einzig dies... Nacktheit...

Bildgewaltig und berauschend, wortgewaltig und überbordend, manisch und obsessiv, zeitgemäß und herausfordernd. Ein grandios-grotesker Ball über die blutigen Gesichter unter den Masken der Ideologien. #operettekassel

Philipp Rosendahl (*1990) ist seit 2016 Hausregisseur und Leiter des Jungen Staatstheaters am Staatstheater Kassel. Er hat den Nachwuchsförderpreis der Fördergesellschaft Staatstheater Kassel e.V. für herausragende Leistungen erhalten und inszenierte am Staatstheater Kassel zuletzt u.a. Leonard Bernsteins »West Side Story« und die Stückentwicklung »Dass alles zum besten steht, hätten sie sagen müssen«.

Text von Witold Gombrowicz
Deutsch von Christa Vogel, Musik von Thorsten Drücker

Inszenierung: Philipp Rosendahl,
Musik: Thorsten Drücker,
Bühne: Daniel Roskamp,
 Kostüme: Brigitte Schima,
Choreografie: Volker Michl,
Licht: Brigitta Hüttmann,
Dramaturgie: Thomaspeter Goergen

Mit: Bernd Hölscher (Maestro Fior), Lukas Umlauft (Graf Hufnagel), Hagen Bähr (Prinz Himalaj), Alexandra Lukas (Prinzessin Himalaj), Caroline Dietrich (Graf Charme Himalaj), Konstantin Marsch (Baron Firoulett), Philipp Basener* (Professor), Christina Weiser (Bankier, Bettler), Aljoscha Langel (Probst), Marius Bistritzky (General), Elena Bohn** (Marquise), Meret Engelhardt (Albertinchen), Güney Korkmaz* (Spitzbube 1), Aaron Herold (Spitzbube 2), Stephan Schäfer (Adalbert), Tim Czerwonatis (Rigobert), Emma Töppler** (Lakai 1), Clara Neher** (Lakai 2), Mira Meske (Lakai 3)

*als Gast, ** Mitglied des Jugendchors Cantamus

Weitere Vorstellungen: Sa, 26. Januar 2019 / So, 10. Februar 2019 / Do, 14. Februar

Bild:  Witold Gombrowicz

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