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Schauspielhaus Zürich: Peter Zadek inszeniert «Major Barbara» von Bernard Shaw

Premiere am Mittwoch, 4. Februar 2009, 20 Uhr, Pfauen

 

Es ist das Stück der Stunde: Bernard Shaws bissige Komödie über die Unmoral des Kapitalismus und die Heuchelei seiner Nutzniesser trifft auch ein gutes Jahrhundert nach seiner Uraufführung (1905) den zwiespältigen Zeitgeist der jetzigen Epoche.

In «Major Barbara» kommt es zum Wiedersehen einer besser gestellten Familie in relativer Geldnot mit dem seit vielen Jahren getrennt von ihr lebenden Vater: dem schwerreichen Waffenfabrikanten Andrew Undershaft. Letzterer betreibt sein Gewerbe, ohne Gewissensbisse und moralische Motive vorzutäuschen, was das Zusammentreffen mit seiner Tochter Barbara umso spannender macht: Die junge Frau ist Major bei der Heilsarmee, und mit ihr geht der Vater eine Wette ein: Sie wollen einander in ihrer Wirkungsstätte besuchen und bekehren – Barbara den Vater zu ihrer Arbeit für die Armen im Asyl der Heilsarmee, und Undershaft die Tochter zum Leben im Reichtum, den das Waffengeschäft abwirft. Der Ausgang des Wettbewerbs, an dem Barbaras Verlobter Adolphus Cusins, ein nicht nur aus Nächstenliebe der Heilsarmee beigetretener Altphilologe, einen wichtigen Anteil hat, ist freilich eine Überraschung…

 

In seinem Vorwort zum Stück schreibt Shaw: «Unser grösstes Übel und unser schlimmstes Verbrechen ist die Armut. Unsere erste Pflicht, der jede andere Überlegung geopfert werden sollte, ist es, nicht arm zu sein.» Die Gesellschaft, die Armut braucht, ist widerlich, doch sollten wir Menschen, die wie Barbara Gutes tun, bewundern? Könnte ihr Vater Recht haben, der das Millionärstum zu seiner Religion erhoben hat? Hängen «die Reize und der Luxus eines reichen, starken und gesicherten Lebens», wie Liebe, Ehre, Wahrheit und Gerechtigkeit, alle von «Geld und Schiesspulver» ab?

 

Der irische Dramatiker Bernard Shaw (1856-1950) ist wohl am besten bekannt durch sein Stück «Pygmalion» (die Vorlage zu «My Fair Lady»). Er war Sozialist und griff in über sechzig Stücken mit witziger Schärfe soziale Themen auf, die er aber meistens in Komödien verpackte. 1925 erhielt er den Nobelpreis.

 

Peter Zadek (geb. 1926 in Berlin) gehört seit den 60er-Jahren zu den wichtigsten zeitgenössischen Regisseuren überhaupt. Aufgewachsen in England und geprägt vom legendären Bremer Stil, den er mitbegründet hat, schuf Zadek zahllose epochale Inszenierungen, wirkte als Intendant in Bochum und Hamburg und drehte Filme. Mit nicht weniger als 21 Einladungen zum Berliner Theatertreffen, ein Rekord, dürfte er der am meisten ausgezeichnete Theaterschaffende deutscher Sprache sein.

 

Für seine Zürcher Inszenierung von «Major Barbara» hat er ein hochkarätiges Ensemble um sich versammelt: Julia Jentsch («Sophie Scholl – Die letzten Tage», «Die fetten Jahre sind vorbei», «Effi») spielt Barbara, August Diehl («Buddenbrooks», «Die Fälscher») ihren Verlobten Cusins. In den weiteren Hauptrollen sind Nicole Heesters, Jutta Lampe und Robert Hunger-Bühler zu sehen. Ausserdem spielen Andreas Matti, Oliver Masucci, André Meyer, Michael Ransburg, Yohanna Schwertfeger, Miriam Maertens, Carla Riveros Eissmann, Kenneth Spiteri, Ludwig Boettger, Urs Bruderer.

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