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REIZVOLLE IMPRESSIONEN MIT DER ZAUBERFLÖTE -- Benefizkonzert zum 20jährigen Bestehen von Live Music Now Stuttgart (Yehudi Menuhin) im Konzertsaal der Musikhochschule STUTTGART

am 29. Oktober 2025

ALEXANDER WALTHER 30.10.2025
Kategorien: Oper, Kritiken, Deutschland

Stipendiatinnen und Stipendiaten von Yehudi Menuhin Live Music Now Stuttgart boten zum 20jährigen Jubiläum ein abwechslungsreiches Programm. "Musik heilt. Musik tröstet. Musik bringt Freude". Das war das Lebensmotto des großen Geigers Yehudi Menuhin - und darauf ging auch Wissenschaftsministerin Petra Olschowski in ihrem Grußwort ein. Leider sei nicht allen Menschen dieser Zugang zur Kultur vergönnt, weil sie allein aufgrund ihrer Lebensumstände nicht am kulturellen Leben teilhaben könnten.

Seit nunmehr 20 Jahren bringe der Verein Live Music Now Stuttgart Musik zu Menschen in Krankenhäusern, Hospizen, Pflegeheimen, Kitas und Justizvollzugsanstalten. Prof. Ulrike Sonntag erwähnte als Vorstandsvorsitzende und künstlerische Leiterin des Vereins ebenfalls dieses Thema und verband es mit dem Motto "Circus Musicus". So hieß es dann tatsächlich: "Manege frei!" Der Allegretto-Satz aus dem Streichquintett C-Dur D 956 (4. Satz) von Franz Schubert gelang Janina Olszewska, Alice Compagnon (Violine), Lilia Rubin (Viola) sowie Sebastian Triebener und  Maria Quing Sigridardottir (Cello) mit seiner Kombination von Sonatensatz und Rondo ausgesprochen reizvoll. Wiener Charme und unbekümmerte Ausgelassenheit machten sich breit. Auch das Hauptthema mit seinen markanten rhythmischen Impulsen kam nicht zu kurz. Die Temposteigerung der Stretta hinterließ einen nachhaltigen Eindruck. 

Das anschließende Intermezzo aus Wolfgang Amadeus Mozarts "Die Zauberflöte" mit den beiden Nummern "Bald prangt, den Morgen zu verkünden" und "Wie stark ist nicht dein Zauberton" mit Anna Zimmermann (Altflöte), Zofia Wozniak (Querflöte) und Clara Scholz (Violine) überzeugte mit feinen dynamischen Abstufungen. Lied- und Volkston verschmolzen dabei zur verführerischen Einheit. 

Grandios war aufgrund ihrer kontrapunktischen Brillanz die Sonata Vox Gabrieli von Stjepan Sulek für Posaune und Klavier, wo Simon Geiger (Posaune) und Cornelia Felber (Klavier) atemlos um die Wette spielten und harmonischen Glanz in ungestüme Klänge bannten. Das waren elektrisierende Intervallspannungen, die unter die Haut gingen! 

Das grandiose Klavierduo K&K mit Kanon und Kotone Yokoyama interpretierte dann mit knisternden Synkopen "Nightclub 1960" von Astor Piazzolla. Das berühmte a-Moll-Thema bei den Variationen über ein Thema von Paganini von Witold Lutoslawski erfuhr bei der suggestiven Wiedergabe durch das Klavierduo K&K unglaubliche klangfarbliche Verwandlungen, die sich immer weiter steigerten. Die Techniken der formalen und strukturellen Aleatorik blitzten reizvoll hervor.  

Sebastian Triebener (Violoncello) und Yuming Luo (Klavier) interpretierten zudem höchst konzentriert die Variationen über ein Thema von Rossini von Bohuslav Martinu. Neoklassizistische und impressionistische Sequenzen behaupteten sich hier wie selbstverständlich. Unregelmäßige und widerborstige Rhythmen setzten sich zusammen mit gegeneinanderspringenden Vorschlägen mühelos durch. 

Ein Intermezzo mit einem weiteren Ausschnitt aus Mozarts "Zauberflöte" mit dem Titel "Das klinget so herrlich" mit Anna Zimmermann (Blockflöte), Zofia Wozniak (Querflöte) und Clara Scholz (Violine) bestach mit melodischem Charme. 

Zuletzt begeisterte noch ein facettenreiches Opern-Pasticcio mit Ausschnitten aus Gioacchino Rossinis "Il barbiere di Siviglia" und Wolfgang Amadeus Mozarts "Le nozze di Figaro" sowie dem strahlenden Finale aus Mozarts "Zauberflöte" ("Es siegte die Stärke") in den Einstudierungen und der Inszenierung von Prof. Andra Darzins, Prof. Ulrike Sonntag, Anja Nicklich, Gudrun Bosch und Veronika Stoertzenbach. Höhen und Tiefen der Charakterdramatik sowie musikdramaturgische Ausgewogenheit zeigten sich bei Clara Schneiders fulminanter Darstellung der Rosina bei "Una voce poco fa" ebenso wie bei "Non so piu" mit Amelie Fritz als Cherubino. Ashkhen Varzhapetyan überzeugte ebenso als schelmische Susanna. Jas Wolfert bewies als Figaro mit "Non piu andrai" mit famosem Bass die passende Grandezza. Yoobin Oh (Klavier) begleitete die hochbegabten Sängerinnen und Sänger mit spieltechnischer Präzision und Nonchalance. 

Danach durfte man anstoßen: Ein Prosit auf die nächsten zwanzig Jahre!
 
          

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Herausgeber des Beitrags: theaterkompass.de

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