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MUSIK, DIE ÜBER DAS BEKANNTE HINAUSGEHT -- Neue CD "The Star Of Mendelssohn" mit Marina Baranova (Klavier) bei Berlin Classics

November 2025

ALEXANDER WALTHER 13.11.2025
Kategorien: Oper, Kritiken, Deutschland

Die deutsch-ukrainische Pianistin Marina Baranova hat Musik schon früh als universelle Sprache verstanden. In ihrer Kindheit wurde sie durch ihre Familie von Bach, Mozart, Jazz und Blues geprägt. Weihnachten war ihr zunächst fremd. Jüdische Herkunft und sowjetische Prägung dominierten. Hier gibt es eine deutliche Verbindung zu Felix Mendelssohn Bartholdy. Der Komponist wurde zwar in eine jüdische Familie geboren, aber protestantisch erzogen.

© Irène Zandel

Mit "The Star Of Mendelssohn" beginnt hier ein aussergewöhnliches Experiment. Sie verbindet Mendelssohns berühmte "Lieder ohne Worte" mit traditionellen Weihnachtsliedern. Mit Improvisationen lässt sie Melodien wie "What Child is this?" oder "Adeste, Fideles" in die Musik Mendelssohns eintauchen. Es sei faszinierend zu erleben gewesen, wie sich diese Lieder verbinden lassen. "Plötzlich schien es, als hätten sie schon immer zusammengehört", so Marina Baranova. Dies zeigt sich bei "The Midwinter Night's Dream" (Christmas Scherzo) mit harmonisch vielschichtiger Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy, Sergei Rachmaninow und Marina Baranova in besonderer Weise.  In Rachmaninows Klavierfassung entfaltet sich der pompöse Prunk der Komposition mit geradezu sphärenhafter Leichtigkeit. Die originale Mendelssohn-Melodie aus der weltlichen Kantate "Festgesang zum Gutenbergfest" blitzt beim Schluss-Stück auf dieser akustisch weiträumigen CD ebenfalls hervor.  Der poetischen Stimmung der "Lieder ohne Worte" lauscht die Pianistin hier gleichsam nach. 

Lyrische Elemente dominieren auch bei Marina Baranovas Berbeitungen der Mendelssohn-Lieder "Es wird ein Stern aus Jacob aufgehn" oder der chromatisch reichen "Trinklied"-Paraphrase. Von Marina Baranova ist dann "God Rest Ye Merry Gentleman" sowie "The Sense of Cohesion" zu hören, wo der Zauber der Melodik immer wieder hell leuchtend aufstrahlt. Bei "Auf Flügeln des Gesanges" werden Franz Liszt und Felix Mendelssohn Bartholdy in ganz besonderer Weise miteinander verbunden. Ausdrucksvolle harmonische Wendungen paaren sich dabei mit geradezu schwebenden Rhythmen. Von Franz Liszt erklingt zudem "From the Christmas Tree Suite: Carillon" sowie "In dulci jubilo". Glanzvolle Arabesken und Girlanden strömen hier in überwältigender Weise hervor, besitzen eine frappierende polyphone Vielgestaltigkeit. Breite Gesangslinien, brillant rollende Arpeggien und Terzenfolgen vereinen sich bei diesem sensiblen Spiel mit reinen kantablen Passagen und berührenden chromatischen Skalen. 

"Ich glaube, dass Musik uns helfen kann, das Verbindende zu sehen, auch wenn wir aus unterschiedlichen Traditionen kommen", betont Baranova. Man kann diese hörenswerte CD nicht nur zur Weihnachtszeit sehr empfehlen. Sie bietet akustisches Neuland.  
 

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