Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
"Onkel Wanja" von Anton Tschechow - Landestheater Detmold"Onkel Wanja" von Anton Tschechow - Landestheater Detmold"Onkel Wanja" von Anton...

"Onkel Wanja" von Anton Tschechow - Landestheater Detmold

Premiere am 25. September 2020 um 19.30 Uhr, Landestheater Detmold

Seit vielen Jahren bewirtschaftet Wanja mit seiner Nichte Sonja das Landgut seiner verstorbenen Schwester. Mit den hart erarbeiteten Einnahmen finanzieren sie pflichtbewusst das Leben des einst verehrten Literaturprofessors Serebrjakow, Sonjas Vater und Wanjas Schwager. Als dieser in den Ruhestand tritt und beschließt, seinen Lebensabend auf dem Gut zu verbringen, gerät die gewohnte Ordnung aus dem Takt.

 

Die Anwesenheit des wehleidigen, um sich selbst kreisenden Professors und seiner schönen, jungen Frau Jelena provoziert Wanja zu ununterbrochenen Sticheleien gegenüber dem Professor. Wanja, der den Professor in der Vergangenheit gemeinsam mit Sonja und seiner Mutter auch durch wissenschaftliche Zuarbeiten unterstützt hatte, fühlt sich um sein Leben betrogen. Gleichzeitig buhlt er gemeinsam mit dem befreundeten Landarzt Astrow, einem ökologischen Visionär, der sich in der Provinz aufgerieben hat und darüber zum trinkenden Zyniker geworden ist, um die Gunst der schönen Jelena. Diese hat zu spät erkannt, dass ihre Liebe zu dem alten Literaturprofessor „nicht echt“ war, ist nun aber an dessen Seite gefesselt und sehnt sich nach einem jüngeren Mann. Sonja wiederum ist seit langem in Astrow verliebt und wartet vergeblich darauf, endlich erhört zu werden.

Mit einem Mal sehen sich die Mitglieder dieser Gutsgemeinschaft mit der Frage konfrontiert: Gibt es in meinem Leben noch neue Horizonte zu erobern oder wurden längst alle Weichen unwiderruflich gestellt? Einzig die alte Kinderfrau Marina wirkt wie ein Fels in der Brandung der an die Oberfläche drängenden Gefühle und versorgt alle Gutsbewohner mit bewährten Hausmitteln aus einer längst vergangenen Zeit.

Der Autor
Anton Pavlovič Tschechow wurde am 17. (westlich: 29.) Januar 1860 im süd-russischen Taganrog als drittes von sieben Kindern eines Kolonialwarenhändlers geboren. Bereits während der Schulzeit mussten die Geschwister im nur mäßig erfolgreichen elterlichen Geschäft immer wieder aushelfen.

Nach seinem Abitur 1879 zog Tschechow, der sechzehnjährig allein in Taganrog zurückgeblieben war, zur inzwischen nach Moskau übersiedelten Familie und studierte bis 1884 Medizin. Bereits seit 1880 hatte Tschechow erste humoristische Skizzen in verschiedenen Zeitschriften unter Pseudonym veröffentlicht. Mit den Einnahmen unterstützte er seit 1881 seine Eltern und die zu Hause verbliebenen Geschwister. Als praktizierender Arzt arbeitete Tschechow insgesamt jedoch nur wenige Wochen.
1887 erlebte das frühe Drama „Ivanov“ in Moskau seine Uraufführung, 1888 erschien Tschechows erste große Erzählung, „Die Steppe“. Im selben Jahr erhielt der junge Schriftsteller mit nur 27 Jahren den renommierten Puschkin-Preis der Akademie der Wissenschaften für seinen Erzählband „In der Dämmerung“. 1890 unternahm Tschechow eine Forschungsreise zur Gefängnisinsel Sachalin, wo er eine Volkszählung durchführte, sich mit Internierten und Verbannten unterhielt und diverse Statistiken erhob. Seine Erlebnisse auf der Insel Sachalin verarbeitete Tschechow nach einer weiteren Reise nach Italien, Wien und Paris in den Jahren 1893/94 zu einem Buch.

1892 erwarb Tschechow ein Gut in Melichowo bei Moskau, wo er sieben Jahre lang mit seinen Eltern und einer Schwester leben sollte. Im selben Jahr erschien seine berühmte Erzählung „Krankenzimmer Nr. 6“. In Melichowo entstand neben den Erzählungen „Mein Leben“, „Weiberwirtschaft“ und „Drei Jahre“ 1895 auch das Drama „Die Möwe“, das bei seiner Uraufführung 1896 jedoch durchfiel.

Bereits 1884 hatte Tschechow einen ersten Blutsturz erlitten. Nach einem weiteren Blutsturz im Jahr 1897 folgte die Diagnose der damals noch unheilbaren Krankheit Lungentuberkulose. Ein Jahr später erlebte „Die Möwe“ durch eine weitere Aufführung des Moskauer Künstlertheaters schließlich einen triumphalen Erfolg. Im selben Jahr übersiedelte Tschechow aus gesundheitlichen Gründen nach Jalta. 1899 wurde sein Drama „Onkel Wanja“, das auf dem früheren Drama „Der Waldschrat“ basierte, in Moskau uraufgeführt. Parallel beteiligte sich Tschechow an einer ersten Gesamtausgabe seiner Werke. In den Jahren 1900 bis 1904 erschien die erste deutsche Ausgabe seiner Werke. 1901 erlebte das Drama „Drei Schwestern“ ebenfalls durch das Moskauer Künstlertheater seine Uraufführung. Im selben Jahr heiratete Tschechow die Schauspielerin Olga Knipper – den weiblichen Star des Moskauer Künstlertheaters, die in der Uraufführung von „Onkel Wanja“ die Figur der Jelena Andrejewna gespielt hatte. 1904 wurde Tschechows letztes Drama „Der Kirschgarten“ durch das Moskauer Künstlertheater uraufgeführt.
Am 2. (15.) Juli starb Tschechow an den Folgen seiner Krankheit im deutschen Kurort Badenweiler.

Onkel Wanja
von Anton Tschechow
Deutsch von Angela Schanelec
Nach einer Übersetzung von Arina Nestieva

Inszenierung Jan Steinbach
Bühne Franz Dittrich
Kostüme Jule Dohrn-van Rossum
Dramaturgie Sophia Lungwitz

Alexander Wladimirowitsch Serebrjakow, Professor im Ruhestand Jürgen Roth
Jelena Andrejewna, seine junge Frau Alexandra Riemann
Sofja Alexandrowna (Sonja), seine Tochter aus erster Ehe Ewa Noack
Maria Wassiljewna Wojnizkaja, Mutter der ersten Frau des Professors Julia Blechinger
Iwan Petrowitsch Wojnizkij, ihr Sohn Heiner Junghans
Michail Lwowitsch Astrow, Arzt André Lassen
Ilja Iljitsch Telegin, ehemaliger Gutsbesitzer, Patrick Hellenbrand
Marina, eine alte Kinderfrau Kerstin Klinder
 
Weitere Termine:
30. September; 7. / 9. / 10. / 11. / 21./ 29. Oktober; 5. / 17. / 29. Dezember 2020

Einführungsmatinee: Sonntag, 20. Oktober 2020, 10.00 Uhr und 12.00 Uhr
im Gräftenhof des LWL-Freilichtmuseums

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 24 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Großstadtklänge --- „Surrogate Cities“ von Demis Volpi in der deutschen Oper am Rhein

Auf der leeren Bühne finden sich nach und nach das Orchester, die Tänzer und Tänzerinnen ein. Die Solo Posaune setzt ein und der Zuschauer wird in den Trubel der Straßen einer Großstadt versetzt. Zum…

Von: von Dagmar Kurtz

RÄTSEL UM ERLÖSUNG --- Wiederaufnahme von Richard Wagners "Götterdämmerung" in der Staatsoper STUTTGART

Die verdorrte Weltesche spielt bei Marco Stormans Inszenierung der "Götterdämmerung" von Richard Wagner eine große Rolle. Gleich zu Beginn zerfällt die Wahrheit in seltsame Visionen, der Blick der…

Von: ALEXANDER WALTHER

NICHT AUF DEN LITURGISCHEN BEREICH BESCHRÄNKT --- Bruckners e-Moll-Messe und Motetten bei BR Klassik

Anders als die frühe d-Moll-Messe blieb die 1866 in Linz komponierte e-Moll-Messe nicht auf den liturgischen Bereich beschränkt. Die alten Kirchentonarten stehen bei der Messe in e-Moll von Anton…

Von: ALEXANDER WALTHER

GLUT UND FEUER -- Jubiläumskonzert 40 Jahre Kammersinfonie im Kronenzentrum BIETIGHEIM-BISSINGEN

1984 wurde dieser für die Region so bedeutende Klangkörper von Peter Wallinger gegründet. Unter der inspirierenden Leitung von Peter Wallinger (der unter anderem bei Sergiu Celibidache studierte)…

Von: ALEXANDER WALTHER

EINE FAST HYPNOTISCHE STIMMUNG -- Gastspiel "Familie" von Milo Rau mit dem NT Gent im Schauspielhaus STUTTGART

Dieses Stück erzielte bei Kritikern zum einen große Zustimmung, zum anderen schroffe Ablehnung. Vor allem die nihilistischen Tendenzen wurden getadelt. Der Schweizer Milo Rau hat hier das beklemmende…

Von: ALEXANDER WALTHER

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑