Hamm, im Rollstuhl, lässt sich von Clov bedienen. Hamms Eltern Nell und Nagg leben in (Müll-)Tonnen, seit sie bei einem Fahrradunfall ihre Beine verloren haben. Clov überlegt, den Haushalt zu verlassen, während die Familie ebenfalls darüber nachdenkt, sich von Clov zu trennen. Zwischen der kontinuierlichen Wiederkehr des Unveränderlichen und der Erinnerung an »Früher« bewegen sich diese vier, indem sie einander tyrannisieren und schmeicheln, beschwören und verfluchen, erzählen und unterbrechen.
Samuel Becketts Fin de Partie gilt als Paradebeispiel des »absurden Theaters«, das Gegenstand unzähliger Interpretationsversuche ist. Bereits 1957, im Jahr der Uraufführung, sah György Kurtág das Stück in Paris und schrieb später seine Oper, dem Bau des Schauspiels entsprechend und unter Verwendung von etwa zwei Drittel des Originaltextes.
Kurtágs Werk Samuel Beckett: Fin de Partie: Scènes et Monologues, wie das Stück im vollständigen Titel heißt, wurde 2018 in Mailand uraufgeführt. Er bezeichnete diese uraufgeführte Fassung als »versione non definitiva«, also als »noch nicht abgeschlossen« und wollte sich somit vorbehalten, weitere Teile des für ihn so wichtigen Textes zu vertonen. Auch der Erstaufführung an der Wiener Staatsoper, der insgesamt dritten Neuinszenierung des Werks, liegt diese »versione non definitiva« zugrunde. Dass Kurtág, der nach wie vor regelmäßig komponiert, noch weitere »Szenen und Monologe« aus Becketts Schauspiel vertont, ist also nicht ausgeschlossen.
Mit seinem späten Opernerstling – bei der Uraufführung war der Komponist bereits 92 Jahre alt – gelang ihm möglicherweise ein neuer Klassiker des zeitgenössischen Musiktheaters, ein kompaktes Werk mit einer unverwechselbaren, hochtheatralen Klangsprache. Sein Orchester, das in größter (und ungewöhnlicher) Besetzung zu leisesten, oft kammermusikalischen Momenten angehalten ist, steht im Dialog mit nur vier Stimmen, für die der Komponist etwas erreicht hat, das vielleicht nur durch die jahrzehntelange Beschäftigung mit Becketts Stückvorlage möglich wurde: Das Werk zeichnet durch die musikalische Durchdringung und Spiegelung von Sprache eine ungeheure Genauigkeit im Ausdruck des Unverständlichen aus. Wie nebenher verhilft Kurtág jenem Aspekt an Becketts Text zu seinem Recht, der in der existenzialistisch geprägten Aufführungstradition oft einen schweren Stand hatte: dem tiefschwarzen, abgründigen Humor.
Oper in einem Akt, Text vom Komponisten nach dem gleichnamigen Schauspiel von Samuel Beckett
Nagg
Charles Workman
Nell
Hilary Summers
Hamm
Philippe Sly
Clov
Georg Nigl
Musikalische Leitung
Simone Young
Inszenierung, Bühne & Kostüme
Herbert Fritsch
Licht
Friedrich Rom
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