Vor allem im Mittelteil wurde diese Serenade sehr tiefsinnig und klanglich intensiv. Auch bei den weiteren Liedern "Der Gärtner" und "Unfall" gelang es Giacomo Schmidt ausgezeichnet, die thematischen Verbindungen offenzulegen. Beim "Gärtner" wird eine Prinzessin von ihrem Verehrer leidenschaftlich umworben, während beim "Unfall" ein Junggeselle mit Synkopen, Triolen und rhythmischem Stolpern von Liebeskummer heimgesucht wird. "Und willst du deinen Liebsten sterben sehen" sowie "Nachruf" fesselten die Zuhörer bei dieser emotionalen Wiedergabe ebenfalls mit fulminanten Kantilenen. Vergangenheit und Gegenwart erreichten bei "Nachruf" einen berührenden Ausdruck, der nicht nachließ.
Dunklere Harmonien und glockenartige Schlussakkorde im Diskant überwältigten die Zuhörer. Carolina Ullrich (Sopran) begeisterte in der Klavierbegleitung von Marcelo Amaral vor allem durch Charakterisierungsreichtum, der bei den chromatischen Arabesken von Hugo Wolfs "Zigeunerin" in reizvoller Weise hervorblitzte. Im Waldesrauschen des Klaviers wartet eine Zigeunerin hier nachts auf ihren Liebhaber. Ein Geliebter tritt hinzu und erzählt lachend, wie er auf eine Katze schoss, die mit Gejaule davonsprang. Ein träumerisches Glissando beendete diesen packenden Vortrag. Und auch bei "Verschwiegene Liebe" ließ Carolina Ullrich das lyrische Melos der Kantilenen in überwältigender Weise strömen. Da saß jeder Ton genau, füllte den Raum aus. Mystische Anklänge beherrschten vor allem auch das sphärenhaft interpretierte Lied "Kennst du das Land", wo Hugo Wolf mit einer ganz unverwechselbaren Klangsprache zum Hörer spricht. Extreme chromatische Harmonien fielen dann beim "Wiegenlied im Sommer" in besonderer Weise auf, wo der Strom der Achtelnoten die zarte Melodie der Sopranistin einfühlsam begleitete.
Zuletzt überzeugte noch Corinna Scheurle (Mezzosopran) zusammen mit Marcelo Amaral (Klavier) bei Hugo-Wolf-Liedern wie "Wohin mit der Freud'", "In der Fremde VI" oder "Seemanns Abschied". Der Seemann verabschiedet sich dabei trotzig von seiner Liebsten. Ein Übermaß an Oktaven beschreibt dabei anschaulich die hereinbrechende Sintflut, der sich Corinna Scheurle mit fulminantem Timbre entgegenstemmte. Auch die "Sonne der Schlummerlosen" gelang Corinna Scheurle zusammen mit Marcelo Amaral hervorragend. Reine Kadenzen ließen hier die bewegenden Einflüsse von Schubert, Schumann und Wagner in geheimnisvoller Weise erahnen. Feine Harmonien im Diskant des Klavierparts unterstrichen die fast überirdischen Eindrücke. "Keine gleicht von allen Schönen" wirkte in der sensiblen Interpretation von Corinna Scheurle ebenfalls leidenschaftlich und überwältigend. Im Duett mit dem Klavier entfaltete sich hier der Klangfarbenzauber der Gesangsstimme in unendlichen Weiten.
Im Anschluss folgte noch ein Gespräch zwischen der Musikwissenschaftlerin Susan Youens, dem Übersetzer Harald Krebs und Marcelo Amaral mit Intendantin Cornelia Weidner. Dabei wurde der neue Essayband "Der ganze Hugo Wolf" vorgestellt. In mühevoller Kleinarbeit wird hier jedes Lied Hugo Wolfs akribisch analysiert. Eine Pionierarbeit, die mit wertvollem Bildmaterial angereichert wurde.

