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FURIOSER DRACHENKAMPF UND ZWERGENGEZÄNK -- "Siegfried" von Richard Wagner konzertant im Festspielhaus BADEN-BADEN

am 26.4.2026

Geschrieben von ALEXANDER WALTHER

Die seltsamen Verwandlungen Siegfrieds wurden bei dieser konzertanten Aufführung im Festspielhaus Baden-Baden mehr als deutlich. Und auch die komödiantischen Szenen dieses zweiten Tages des Bühnenfestspiels "Der Ring des Nibelungen" von Richard Wagner erfuhren hier deutliche und erfrischende Akzente.

Yannick Nezet-Seguin dirigierte das Rotterdam Philharmonic Orchestra wie aus einem Guss. Der Musikdirektor der Metropolitan Opera in New York trieb das Orchester immer wieder zu glutvollen Höchstleistungen. Siegfried wirkte hier allerdings nicht wie ein oft beschworener "Sommersonnentag", sondern bewies ungeheure dramatische Schlagkraft zwischen Licht und Schatten, obwohl es ja kein Bühnenbild gab. Aber man konnte sich hier als aufmerksamer Zuhörer wirklich viel dazudenken. Eine gewisse Ironie in der Zeichnung der einzelnen Figuren war ebenfalls auszumachen, denn nicht nur der zum Wanderer gewordene Wotan zeigte deutliche Spuren von Humor. 

Brian Mulligan verkörperte ihn mit voluminösem Bass in jeder Hinsicht überzeugend. Ya-Chung Huang als Mime und Samuel Youn als Alberich lieferten vor allem auch schauspielerisch eine packende Leistung, die den prägnanten Gesang stark beeindlusste. Satirisch überzeichnet wurden die beiden Brüder Mime und Alberich, ohne ihre Glaubwürdigkeit zu verlieren. Beim Waldweben entdeckte Yannick Nezet-Seguin in der Musik eine magische klangmalerische Schönheit. Der Dialog zwischen Erda und Wotan Anfang des dritten Aktes geriet dann tatsächlich zum ergreifenden Höhepunkt der Wotantragödie, auch wenn das Orchestervorspiel sogar noch wilder hätte sein können. Wagners sinfonischer Stil uferte hier zu einer monumentalen Sturmszene aus! Als Erda fesselte ferner Wiebke Lehmkuhl mit voluminöser Altstimme. Danach geriet die Balance zwischen Sängern und Orchester nie aus dem Gleichgewicht, was vor allem dem abschließenden Duett von Brünnhilde und Siegfried sehr zugute kam. Rebecca Nash als Brünnhilde und Clay Hilley als Siegfried boten eine leidenschaftliche Darstellung höchster Gefühle. 

Diese Himmelsklarheit der Gesangsstimmen übertrug sich auch auf das Rotterdam Philharmonic Orchestra. Und die im Horn überaus vital auftretenden Quartenschritte des Kraft-Motivs blitzten leuchtend auf. Das Dur-Jubel-Motiv gipfelte triumphal zusammen mit dem Anfang des Siegfried-Motivs in einem überwältigenden Höhepunkt. Als Brünnhilde erwachte, gelang Yannick Nezet-Seguin mit dem Rotterdam Philharmonic Orchestra das Nebeneinander der beiden Klangfolgen e-Moll und C-Dur sowie e-Moll und d-Moll ganz ausgezeichnet. Auch das fugatohafte Liebesbund-Motiv steigerte sich harmonisch zu hellstem C-Dur. Das Jubel-Motiv zeigte sich in vollem Glanz: "Leuchtende Liebe - lachender Tod!" Ovationen und Jubel des Publikums. Soloman Howard als Fafner sowie Julie Roset als Waldvogel konnten ihren Rollen ebenfalls eine starke Präsenz verleihen. Sehr packend wurde hier auch der Kampf Siegfrieds mit dem Drachen dargestellt. Fafners Tritonus-Intervall schien regelrecht zu explodieren - und Siegfrieds frei-rezitativischer Gesang durchbrach hier tatsächlich alle Schranken! Wurm- und Fafner-Motiv grollten gewaltig in den Pauken, Hornruf und Schwert-Motiv verschmolzen zur Einheit. Fluch-, Riesen- sowie Nibelungenhass-Motiv folgten atemlos. Das hervorragend gestaltete Zwergen-Gezänk nach dieser zweiten Szene bildete dazu einen passenden Kontrast. Intonationsrein und ungemein klangschön gestaltete das Orchester die Bläser-Partien. 

Entsprechend frenetisch wurde das Ensemble am Schluss mit "Bravo"-Orkanen gefeiert. 

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