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MOZART NEU ENTDECKT -- Neue CD: Flötenkonzerte von Wolfgang Amadeus Mozart mit Zofia Neugebauer bei Berlin Classics

April 2026

Geschrieben von ALEXANDER WALTHER

"Kreativität ist für mich keine Verzierung. Sie ist eine Möglichkeit, Musik tiefer zu verstehen und dem Publikum ehrlicher zu begegnen", sagt Zofia Neugebauer." An der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker sammelte sie schon früh wichtige Erfahrungen. Später folgten Konzerte mit Sir Simon Rattle und Zubin Mehta.Mit "Il Vento Non Scritto" präsentiert die 1994 im polnischen Wodzislaw Slaski geborene Querflötistin etwas völlig Neues.

© Sophia Hegewald

Höhepunkt dieser Aufnahme bilden Wolfgang Amadeus Mozarts beide Flötenkonzerte, die sie zusammen mit dem Folkwang Kammerorchester Essen unter der inspirierenden Leitung von Johannes Klumpp sehr einfühlsam interpretiert. Im Orchester wird hier übrigens wie zu Mozarts Lebzeiten auf Vibrato verzichtet. Artikulation und Metrik bestimmen das klangliche Geschehen. 

Zofias Neugebauers Miniaturen "Cadence Libre" und "Il Vento Non Scritto" spielen mit der Kunst der virtuosen Kadenz und des spontanen Einfalls. Ein elektronisch erweiterter Klangraum öffnet bei diesen Eigenkompositionen faszinierende Perspektiven. 

Die Nähe zu den Violinkonzerten macht sich insbesondere beim Konzert für Flöte in G-Dur KV 313 bemerkbar, das im Jahre 1778 entstand. Beim Allegro maestoso und Adagio non troppo kann sich das zierliche Linienspiel der Melodie in wunderbarer Tiefe und Wärme entfalten. Das Persönliche und Eigensinnige kommt aufgrund Zofia Neugebauers einfühlsamem Spiel nie zu kurz. Reizvoll wird hier auch das Schlussrondo Tempo di Menuetto musiziert. Frische und Munterkeit setzen sich ganz unmittelbar durch. 

Der Musikwissenschaftler Einstein hat darauf hingewiesen, dass Mozarts Flötenkonzert in D-Dur KV 314 im Jahre 1778 nach einem verschollenen Oboenkonzert in eine andere Tonart übertragen sein dürfte. Und weil der Auftraggeber auf "Lieferung" drängte, habe Mozart einfach auf die fertige Komposition zurückgegriffen. Obwohl das G-Dur-Konzert reifer ist, bevorzugen die Flötisten übrigens das D-Dur-Konzert. Zofia Neugebauer lässt den überaus virtuosen Solopart beim Allegro aperto wie auch im Andante ma non troppo geradezu aufstrahlen. Und sie entdeckt bei ihrer sensiblen Interpretation immer neue Feinheiten dieser ungewöhnlichen Komposition.

 In die Zukunft weist bei dieser hervorragenden Wiedergabe das Schlussrondo im Allegro-Stil, dessen silbriges Thema auch in der "Entführung aus dem Serail" herumwirbelt. Jede Phrase wird hier auch mit Bogengeschwindigkeit geschmückt. Dadurch klingen kurze Noten "knackig" und kantable Linien singend. Empfehlung! Man kann auf jeden Fall sagen, dass Zofia Neugebauer Mozart neu entdeckt hat.  
 

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