Die stimmungsreiche Einleitung sowie die wirkungsvolle Coda gerieten zu eindrucksvollen Höhepunkten dieser sensiblen Interpretation. Erdhaft-urwüchsig und zündend wurde diese Musik hier gespielt. Pentatonik und irreguläre Rhythmen wurden hier sehr gut herausgearbeitet.
Von Karol Szymanowski erklang dann die 1932 in Poznan uraufgeführte Sinfonie Nr. 4 op. 60 "Symphonie Concertante" für Klavier und Orchester mit dem ausgezeichneten Pianisten Viktor Soos sowie dem Landesjugendorchester Baden-Württemberg unter der überaus temperamentvollen Leitung von Mario Venzago. Die Einflüsse von Frederic Chopin hat Szymanowski in den raffinierten Klang von Richard Strauss und französischen Impressionisten transportiert, was man bei der überaus explosiven und feurigen Wiedergabe im Kronenzentrum deutlich heraushörte. Die Nationalfarbe kräftigte er energisch, was man auch vernahm. Mussorgski, Janacek, Skrjabin und die radikalen Modernisten lassen hier ebenfalls versteckt grüßen. Die Sonatenform des ersten Satzes, der ausdrucksstarke langsame Mittelsatz sowie das rondoartige Finale wurden wie aus einem Guss und sehr elektrisierend musiziert. Präzise Konturen und lyrischer Ausdruck ergänzten sich gegenseitig, der nocturnenhafte zweite Satz gewann immer mehr Intensität - und die geradezu orgiastischen tänzerischen Elemente des Finales wurden vor allem auch vom hervorragenden Pianisten Viktor Soos voll ausgelotet. Als Zugabe spielte er noch traumverloren das letzte Stück aus Robert Schumanns "Davidsbündler Tänzen".
Mario Venzago leitete zuletzt die ausgezeichnete Wiedergabe der Sinfonie Nr. 7 in d-Moll op. 70 von Antonin Dvorak, wo der trotzig-leidenschaftliche Tonfall hervorstach. Der bei Dvorak ansonsten übliche optimistische Aufschwung fehlt hier. Manche Passagen erinnerten deutlich an die melancholische Harmonik von Johannes Brahms. Bratschen und Violoncelli intonierten im Allegro maestoso sehr präzis das ernste und unruhige Hauptthema, dem ein von Brahms inspirierter Liedgedanke folgte. Im Adagio blitzte Beethovens neunte Sinfonie auf. Und als düster-mitreissender Tanzsatz begeisterte das Vivace-Scherzo. Das Finale schloss sich dann der ausdrucksvollen Thematik des Kopfsatzes an. Das tschechische Kolorit tritt in diesem 1884/85 komponierten Werk zwar zurück, doch bei der Interpretation von Mario Venzago und dem Landesjugendorchester Baden-Württemberg triumphierte trotzdem unbändige böhmische Musizierlust!
Riesenjubel im Kronenzentrum.


