Das Allegro moderato eröffnete der einfühlsame Solist zusammen mit dem SWR Symphonieorchester unter der Leitung der finnischen Dirigentin Eva Ollikainen sehr bewegend, wobei das charakteristische Hauptthema hervorstrahlte. Auch das zweite lyrische Thema konnte sich so plastisch entfalten - selbst das scharf umrissene dritte Thema stach prägnant hervor. Die frei entwickelte Durchführung zeigte hier deutlich Sibelius' Vorliebe für ausdrucksvollen romantischen Gefühlsausdruck und rhapsodische Fortspinnung. Und so ging es auch weiter.
Sehr poetisch und virtuos gestaltete Inmo Yang den Solopart, dessen Intensität sich ständig steigerte. Der zweite Satz, Adagio di molto, entwickelte seine elegische Wärme aus der weitgespannten Melodie des Solisten. Energisch und überaus tanzfroh wurde dann das rondoartige Allegro-Finale gestaltet. Ausgesuchte Rhythmen und eine wirkungsvolle Aufmachung der Geigen-Solostimme bildeten den hinreissenden, fast unbeschwerten Ausklang dieser Interpretation, wobei auch die herben Melodien die Zuhörer tief beeindruckten.
Mit bombastischer Wucht kam anschließend Anton Bruckners Sinfonie Nr. 4 in Es-Dur "Romantische" daher, wo es Eva Ollikainen überzeugend gelang, gewaltige dynamische Steigerungen aufzubauen. Der Charakter der "Natursinfonie" wurde plastisch herausgearbeitet. Das zeigte sich sogleich beim geheimnisvollen Beginn des ersten Satzes mit seinen Echo-Rufen und dem Quint-Intervall als Hornthema. Zart schwebte es weiter in der ruhigen Fortspinnung mit Umkehrung. Im Bass schwoll das Gewoge dann zu wilder Urgewalt an. Vogelrufe in den Geigen lockten das zweite Thema in den Bratschen herbei. Es mündete in eine neue Steigerung mit dem Schlussmotiv des ersten Themas. Stimmungsvoll leitete der erste Hornruf in die vielgliedrige Durchführung, an der das zweite Thema mit erstaunlichen Umbildungen beteiligt war. Ein Choral der Blechbläser erklang in erhabener Klarheit als Gegenstimme zum ersten Themenschluss. Eine machtvolle Coda als Reprise beschloss den Satz. Schubert meldete sich dann beim ergreifend und schlicht gestalteten zweiten Satz Andante quasi Allegretto. Unter stockender Streicherbegleitung stimmten die Celli den dunklen Trostgesang an. Das Quint-Intervall meldete sich geheimnisvoll zurück. Zarte Vogelrufe und Choralklänge schufen eine berührende Stimmung. Die in sich gekehrte Bratschenmelodie verschmolz mit der Streichermelodie zum magischen Doppelthema. Der enge Schritt der Intervalle befreite sich eindrucksvoll, leise Paukenschläge sorgten für eine "heilige" Entrückung. Packend interpretierte das SWR Symphonieorchester unter Eva Ollikainen auch das bewegte Scherzo, wo Jagdhörner den Ton angaben. Eine Bratschenmelodie weckte besinnliche Töne. Das Trio brachte eine schöne Harmonierückung. Ferne Hornrufe drohten beim "Wolfsschlucht"-Finale unheimlich in die Nacht hinein, bis mit der Wucht des vollen Orchesters das ungheure Hauptthema erklang! Aus seinen Intervallen und seinem monumentalen Fünfer-Rhythmus mit der Triole ergaben sich deutliche Assoziationen zum ersten Satz, die Eva Ollikainen gut herausarbeitete. In gebieterischer Größe meldete sich der Hornruf wieder. Das zweite Thema mit Melodien des zweiten Satzes beschwor eine Beruhigung des Sturms. Die Reprise fasste dann deutlich Erinnerungen an den ersten und zweiten Satz zusammen.
Alles besaß die Kraft der machtvollen Einheit. Die Coda wuchs mit spirituellem Zauber zur unumstößlichen Gewissheit empor. Großer Schlussapplaus, Jubel.

