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Uraufführung: Gert Ledigs Roman „Vergeltung“ am SCHAUSPIEL KÖLN

Premiere Freitag, 24.4.26 19.30 Uhr, Depot 1

„Vielleicht müssen wir endlich wirklich begreifen lernen, dass der Stoff unserer Zivilisation selber gewoben ist aus Feuer und Rauch.“ (W.G. Sebald) Alles beginnt in 4000 Metern Höhe: Ein 600 Meter breiter und 30 Kilometer langer Strom aus US- Bombern bewegt sich auf eine deutsche Stadt zu.

© Thomas Aurin

Darunter kurz darauf fallende Bomben, die Fallschirme einer Bomberbesatzung, Tiefflieger und Flaktürme. Ganz unten Häuser und Straßen, auf denen taumelnde Menschen im kochenden Teer „gegrillt“ werden. Luftschutzbunker, Keller, Durch- einander, ein unfassbares Horror-Szenario. Eine Mutter sucht nach ihrem Sohn, der als Flakhelfer bereits den Tod gefunden hat; eine junge Frau wird mit einem ihr fremden Mann verschüttet und unter den Trümmern von ihm vergewaltigt. Gert Ledigs Roman VERGELTUNG blickt kalt und unsentimental auf die zerstörerische Gewalt eines alliierten Luftangriffs im Juli 1944. Die Stadt, von der hier die Rede ist, bleibt namenlos – könnte aber Köln heißen. Auch hier stand nach der Nacht vom 30. auf den 31. Mai 1942 in weiter Trümmerlandschaft einzig noch der Dom. 

Das Buch erschien 1956, als Heinrich Böll oder Günter Grass längst die bundesrepublikanische Nachkriegswirklichkeit zeichneten. Es geriet bald in Vergessenheit. Bis heute ist das Trauma der Luftangriffe weitestgehend unbearbeitet, während die zusammengewürfelte Nachkriegsarchitektur der Innenstädte weiterhin stumm vom damaligen Schrecken kündet. Regisseur Sebastian Baumgarten inszeniert Ledigs Kampfansage an kriegstreibende Phrasen von „Vaterland, Heldentum, Tradition, Glaube und Ehre“ als Uraufführung für das Schauspiel Köln.

VERGELTUNG beschreibt eine Stadt in Kriegszustand. Gewalt sowie körperliches und seelisches Leid werden dabei teilweise sehr explizit benannt. Es kommt zum Einsatz lauter Geräusche und Stroboskoplicht.

Ein Live-Hörspiel mit sechs Bilder von Gert Ledig

Regie Sebastian Baumgarten

  • Bühne Joep van Lieshout und Christian Mayer
  • Kostüm Tabea Braun
  • Komposition Stefan Schneider
  • Musik Fiete Wachholtz
  • Videoart Chris Kondek
  • Lightdesign Michael Frank
  • Ton Frank-Keno Mustroph
  • Dramaturgie Henning Nass
  • Mit Nikolaus Benda, Rebekka Biener, Jonas Dumke, Elias Eilinghoff, Andreas Grötzinger, Leonhard Hugger, Hasti Molavian, Uwe Schmieder und Sarah Sandeh
  • Live-Musik Fiete Wachholtz

    Die weiteren Vorstellungstermine sind am 2., 5., 8., 14. und 27. Mai. Tickets gibt es an der Vorverkaufskasse in den Opernpassagen, unter www.splkln.de oder 0221/22128400.
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