In ihrem Zimmer schreibt Christine einen Brief an ihren Mann. Sie rühmt darin den jungen Baron als angenehmen Gesellschafter. Der Baron ist der ergebnislosen Besuche im Hause Storch überdrüssig und überlegt sich dann, ob er Christine eine Liebeserklärung machen soll. Christine hat einen Brief Lummers erhalten, in dem er um Geld bittet. Doch Christine weist ihn ab. Dann entdeckt sie den Brief einer gewissen "Mieze Maier" an ihren Mann. Empört erzählt sie ihrem Sohn Franzl, dass der Papa ganz schlecht und böse sei.
Witzig wird bei dieser Aufnahme auch die Skatpartie gestaltet, wobei man natürlich wissen muss, dass Richard Strauss selbst ein gewiefter Skatspieler war. Storch, Stroh, der Justizrat, der Kammersänger und der Hausherr sitzen bei einer Skatpartie. Robert Storch muss sich manche Stichelei über seine Frau anhören. Christine drängt nun auf den Scheidungsantrag, verzweifelt irrt Storch durch den nächtlichen Prater. Und Christine packt ihre Koffer. Ein neues Telegramm Roberts klärt sie auf: Sie erfährt von der "unseligen Verwechslung mit dem Kollegen Stroh"! Nun erwartet Christine im festlich geschmückten Esszimmer ihren zernknirschten Mann. Am Ende ist der Friede dieser Ehe wiederhergestellt.
Die Ironie und der Witz dieser Musik kommen mit dem Orchester der Deutschen Oper Berlin fulminant und überschwänglich zum Vorschein. Manchmal blitzt auch die Welt des "Till Eulenspiegel" auf. Flüssig und temporeich entfalten soch die Bühnen- und Spielszenen. Das "deutsche Parlando" ist überall zu spüren. Vor allem die differenzierten Ausdrucksbereiche bei den sinfonischen Zwischenspielen kommen dabei sehr überzeugend zum Vorschein. Dies gilt insbesondere für das As-Dur-Intermezzo zwischen der 5. und 6. Szene des ersten Aktes, wo Christines Empfindungswelt zutage tritt. Maria Bengtsson trifft hier mit weich timbrierter Sopranstimme die richtigen Töne. Philipp Jekal antwortet ihr als Storch mit fulminantem Bariton, dessen Kantilenen auch verschwenderisch strömen können. Zuweilen denkt man sogar an die feinsinnige Verklärung von "Arabella".
Die Differenzierung der Straussschen Motivtechnik kommt überzeugend zur Geltung, weil Sir Donald Runnicles als einfühlsamer Dirigent die Milieuschilderung genau trifft. Das allgemein menschliche und für Strauss so wichtige Charakterisierungsmoment blitzt und leuchtet überall auf. Das zeigt sich ebenfalls beim von Elliot Woodruff prägnant gesungenen Sohn Franzl, der Sopranistin Anna Schoeck als Zimmermädchen Anna, dem strahlkräftigen Tenor Thomas Blondelle als Baron Lummer und dem Tenor Clemens Bieber als Stroh. Markus Brück als Notar, Nadine Secunde als Frau des Notars, Joel Allison als Kommerzienrat, Simon Pauly als Justizrat, Tobias Kehrer als Sänger und Koch sowie Lilit Davtyan als Resi, Marie und Therese runden diesen Reigen ab.
In die Dur-Seligkeit legt sich manchmal auch leise Melancholie in die Harmonik. Der bedeutende Strauss-Dirigent Christian Thielemann hat darauf hingewiesen, was man mit spitzen Ohren in "Intermezzo" alles hört. Und Sir Donald Runnicles kann diese Feststellung mit dem Orchester der Deutschen Oper Berlin glaubhaft untermauern. Neben Mozarts "Figaro", Wagners "Tristan" und "Parsifal" gibt es hier auch Assoziationen zu Webers "Freischütz" und Gounods "Faust". Das "Intermezzo"-Orchester sei von klassischer Größe, also nur minimal größer als bei "Ariadne auf Naxos". Klar ist auch, dass mit Robert und Christine Storch Pauline und Richard Strauss gemeint sind - eine klassische "Eheoper" also. Im Grunde passiere hier nichts, so Thielemann. Die Ereignislosigkeit sei dem Stück früh vorgeworfen worden, worüber sich Richard Strauss empörte. Hörenswert ist dieses recht unbekannte Werk allemal.


