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TIEFES VERTRAUEN IN GOTT -- 6. Sinfoniekonzert und Abschluss des Mahler-Zyklus' mit dem Staatsorchester in der Liederhalle STUTTGART

am 27. Juni 2026

Geschrieben von ALEXANDER WALTHER

Nun also der Abschluss des Mahler-Zyklus' mit der neunten Sinfonie in D-Dur. Zuvor erklang der selten zu hörende Psalm 23 für gemischten Chor und Orchester op. 14 aus dem Jahre 1910 von Alexander von Zemlinsky.

© Sebastian Mare: Portrait Cornelius Meister

 Alma Mahler hatte mit Zemlinsky eine Liebesbeziehung, entschied sich dann jedoch für den Hofoperndirektor Gustav Mahler. Dies hinterließ bei Alexander von Zemlinsky eine starke seelische Erschütterung, die in seinen Kompositionen nachwirkte. Als er schließlich mit Ida Guttmann verheiratet war, schrieb er seine fulminante und melodisch eingängige Vertonung des Psalms 23, dessen farbenreiche Klangsprache Cornelius Meister mit dem Staatsopernchor (Einstudierung: Manuel Pujol) und dem Staatsorchester Stuttgart sehr überzeugend einfing. Das tiefe Vertrauen in Gott steht hier im Zentrum, was bei der Aufführung in der Liederhalle fesselnd zu Gehör kam. Die leise Eröffnung mit der Solo-Oboe, Holzbläsern und einer sanften Begleitung betonte den pastoralen Charakter dieses Werkes. Die ersten beiden Verse ("Der Herr ist mein Hirte"/"Er lässt mich lagern auf grünen Auen") überraschten mit einer einfühlsamen Sopran-Stimme. Dann setzte bei "Er erquicket meine Seele" der gesamte Chor in dichter Polyphonie ein. Die starke Chromatik dieser Klangsprache wurde hier sehr gut getroffen. Wogende Wellen führten zum gewaltigen Höhepunkt mit einem triumphierenden Habitus: "Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen".  Dann kehrte die Sopranstimme geheimnisvoll wieder. Der Klang der Celesta, zweier Harfen und des Glockenspiels ließ das Werk sphärenhaft ausklingen. Man spürte hier auch die Einflüsse auf Arnold Schönberg. 

Anschließend dirigierte Cornelius Meister die neunte  Sinfonie in D-Dur von Gustav Mahler, wo das geradezu solistische Auftreten der Einzelinstrumente imponierte. Die Linienzüge waren hier von letztem Ausdruckswillen diktiert, der oft ins Transzendentale hinüberspielte. Die Stimmen verflochten sich zu einem dichten Netz neuartiger Polyphonie, indem die Themen sich kammermusikalisch-durchsichtig übereinanderschichteten. Die Melodielinie war wichtiger als die Harmonik und bestimmte im Ineinanderweben daher, welche Akkorde sich im Spiel der Arabesken ergaben - ungeachtet aller Grenzen, die von der Tonalität umspannt wurden. Mahler löste sich hier sacht von der Tonalität. Dass gerade diese Sinfonie das Ende einer Epoche zum Inhalt hat, machte Cornelius Meister mit dem Staatsorchester Stuttgart plastisch deutlich. Er wählte zwar schnellere Tempi wie etwa Carlo Maria Giulini, hielt sich aber ansonsten mit spieltechnischer Rasanz zurück. "Es stirbt eine Welt", sagt Bekker. Es ist ein ergreifender Abschied vom Leben. Schwermütig und resigniert klagte das Hauptthema des ersten Satzes Andante comodo! Wesenlose Klänge herrschten vor. Alles entfaltete sich in voller Größe und wirkte fast in allen Bindungen, selbst den leidenschaftlich-erregten, nach. Ein heftiges Ringen hob an, ein Kampf auf Leben und Tod, den Meister mit dem vorzüglichen Staatsorchester erschütternd nachzeichnete. Enthusiastische Aufschwünge schienen auf Siegesjubel zu deuten, aber es war Selbstbetrug! Der Absturz folgte mit schmerzlicher Wucht, dann klagte ein Trauermarsch. Eine weiche Melodie der Überwindung wurde ausdrucksvoll musiziert. Der zweite Satz war ein  (ganz im Sinne Bekkers) zu dämonischer Wildheit aufgepeitschter Totentanz, die Themen gingen ins Grelle und Krasse über. Die Rondo-Burleske des dritten Satzes in a-Moll wurde von Cornelius Meister und dem Staatsorchester ebenfalls in hervorragender Weise interpretiert. Das Motto "Meinen Brüdern in Apoll gewidmet" setzte sich facettenreich durch. Und das Themenmaterial griff auf die fünfte Sinfonie zurück. Das Feierlich-Mystische triumphierte dann im Adagio-Finale. Sehr langsam und zurückhaltend begannen hier die Violinen in Des-Dur, ein Todessüchtiger sang sich in Verklärung und Erlösung hinein. Der erlöschende Klang wirkte bei dieser Interpretation wahrhaft erschütternd.  Und auch das cis-Moll-Thema als Tongemälde von selbstvergessener melodischer Schönheit zeigte eine überragende Wirkungskraft. 

Am Ende Jubel des Publikums und feierliche Verabschiedung Meisters als Generalmusikdirektor.

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