Festliche Klangpracht und edle Tonsprache gingen bei den einzelnen Sätzen "Frühling" als Concerto E-Dur, "Sommer" als Concerto g-Moll, "Herbst" als Concerto F-Dur sowie "Winter" als Concerto f-Moll eine glückliche Verbindung ein. Im Frühlung sangen die Vögel, sprudelten die Quellen und es zog ein Gewitter auf. Der "Sommer" spannte die Luft bis zur Entladung, ein Gewitter zog auf. Der "Herbst" brachte Ernte, Tanz, Trunkenheit und Jagd. Und im "Winter" zog dann klirrende Kälte durchs Land. Vivaldi stellte jedem der Konzerte ein Programm voran, ein Ritornell folgte als wiederkehrendes Formelement. Die Solovioline blühte in reizvollen Kaskaden und Arabesken auf, das Tutti schuf wiederum orchestrale Klangpracht. Alles folgte einem Jahreszeiten-Kreislauf. Die Motive kehrten wieder, die Natur erneuerte sich.
Ganz andere Ansätze verfolgt Peteris Vasks in seinem Konzert Nr. 2 für Violoncello und Streichorchester "Klatbutne", wo die junge Cellistin Tara Stranegger brillierte. Bei Vasks führt die Musik im Gegensatz zu Vivaldi stets vorwärts, sie gelangt von der Frage zur Gewissheit. "Klatbutne" entstand 2011/12 auf Wunsch von Sol Gabetta und als Auftragswerk der Amsterdam Sinfonietta, der Eduard van Beinum Foundation und des International Music Festivals. Uraufgeführt wurde das Werk 2012 in Gent und noch im selben Jahr auch in Ludwigsburg gespielt! Der Titel bedeutet "Ich bin da". Das Cello steht hier allerdings nicht virtuos im Vordergrund, sondern hebt mit einem Ton an, der wirklich atmet. Der erste Satz, Cadenza I - Andante cantabile, wirkte wie ein berührender Gesang. Lange Linien stiegen auf und verbanden sich ruhig pulsierend mit den Streichern. Das Orchester bildete ein weiches und intensives Fundament. Im zweiten Satz verfinsterte sich der Klang mit schärferen Rhythmen und aufgerissenen Akkorden. Vasks selbst nannte das "sarkastisch-ironisch". Das Cello antwortete mit großer Intensität. Solo und Tutti verbanden sich dann reizvoll im dritten Satz. Die Stimmen und Linien umkreisten einander, lösten sich und verbanden sich wieder. Ein Wiegenlied mit volksliedhaften Anklängen beschloss das Stück.
Peteris Vasks' Werke suchen nicht Glanz, sondern Wahrhaftigkeit. Vasks, selbst ausgebildeter Kontrabassist, denkt von den Streichern her, was man der gelungenen Wiedergabe im Ordenssaal deutlich anmerkte. Tara Stranegger begleitete die Cello-Kantilenen zuletzt mit vokalem Gesang, eine besondere Herausforderung. Auffallend waren auch die vielen Glissando-Passagen.
Als feurige Zugaben waren noch "Palladio" von Karl Jenkins mit Anklängen an die Concerto-grosso-Form und der überwältigend musizierte "Csardas" von Vittorio Monti zu hören! Der d-Moll-Beginn führte hier konsequent nach D-Dur, dann folgten atemberaubende Rückmodulationen zu d-Moll.
Ovationen, Jubel.


