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KOMÖDIE NACH ITALIENISCHER ART -- Ludwigsburger Schlosstheater: "Lo Speziale" von Joseph Haydn im Schlosstheater/LUDWIGSBURG

am 21.6.2026

Geschrieben von ALEXANDER WALTHER

Da lernte man Joseph Haydn mal von einer neuen Seite kennen. Zunächst erklang mit dem vorzüglichen Stuttgarter Kammerorchester unter der impulsiven Leitung von Jan Willem de Vriend die Sinfonie Nr. 45 in fis-Moll, die berühmte "Abschiedssinfonie".

© Reiner Pfisterer

 Dass sie bei aller stürmischen Leidenschaftlichkeit wunderbar innig sein kann, machte diese Wiedergabe deutlich. In einem angehängten Adagio verbreitete sie Spaß und Ernst. Wieder einmal hatte die Kapelle des Fürsten ihre Urlaubsgesuche nicht genehmigt erhalten, und Haydn kam seinen aufgebrachten Musikern mit diesem "Scherz" zu Hilfe, indem er dem Fürsten zu verstehen gab, wie ihnen zumute sei. Einer nach dem anderen packte sein Instrument ein, löschte seine Kerze und ging - sein Part war zu Ende, nur die beiden Violinisten hielten notgedrungen bis zum Schluss aus, der Fürst verstand und bewilligte den Urlaub. Es kursierte auch das Gerücht, dass sich "Papa Haydn" hier auf die Seite seiner von Heimweh geplagten Musiker schlug. So war es denn auch im Schlosstheater. Mozart übrigens begegnete Haydn stets mit respektvoller Bewunderung und unterstrich dessen Einfluss auf seine eigene Musik. "Ich habe von Haydn erst gelernt, wie man Quartette schreiben müsse. Ihn nehme ich aus, aber alle anderen Kompositeurs sind wahre Esel!" meinte Mozart. 

Anschließend war "Lo Speziale" ("Der Apotheker") als Dramma giocoso in drei Akten nach Carlo Goldoni von Joseph Haydn zu erleben. In der Inszenierung und dem Bühnenbild von Eva Buchmann stand ein Auto im Mittelpunkt, das neben einer Apotheke auch ein Schwimmbad beherbergte. Die Kostüme von Jorine van Beck passten sich den Geschehnissen an - bis hin zur kompletten Schwimmausrüstung! Aus Liebe zur schönen Grilletta war Mengone Apotheker geworden. In Volpino besaß er allerdings einen unliebsamen Nebenbuhler, was die Regie hier gewitzt herausstellte. Volpinos Annäherungsversuche ließen Grilletta jedoch kalt. Ihr Herz gehörte nur Mengone. Als das Paar allerdings von dem eifersüchtigen Apotheker ertappt wurde, kam dieser auf den glorreichen Gedanken, Grilletta selbst zu heiraten, damit ihm die reiche Mitgift nicht entgehe. Volpino spiegelte dem ehrgeizigen Alten sogar vor, der Sultan plane, ihn zum Hofapotheker zu ernennen. Als Vermittlungsgebühr begehrte er Grillettas Hand. Die Verwirrungen auf der Bühne wurden bei Eva Buchmanns Inszenierung drastisch herausgestellt. Da floss sogar Wasser aus der Autodusche. Volpino und Mengone erschienen in entsprechender Verkleidung als Notare. Sempronio diktierte ihnen den Ehevertrag. Da musste er feststellen, dass jeder der Notare den eigenen Namen als Ehepartner eingesetzt hatte! Das Chaos erreichte seinen Höhepunkt. Wütend jagte er sie hinaus. Darauf erschien Volpino als Türke verkleidet und bat um Grillettas Hand für seinen Freund Volpino. Als Retter in der Not entlarvte Mengone den falschen Muselmann und konnte als Dank die Braut heiraten, während Volpino für den angerichteten Schaden aufkommen musste. 

Musikalisch konnte man an diesem Abend interessante und aufregende Entdeckungen machen, denn Joseph Haydn erschien hier als Komponist ungewöhnlich modern. Es gab keine Ouvertüre - Seccorezitative verbanden elegant die einzelnen Musiknummern. Die teils buffonesken, teils lyrischen Arien wurden von Marina Zyatkova als Grilletta, Renato Arends als Volpino, Alvaro Zambrano als Mengone und Enrico Marabelli als Sempronio bravourös gemeistert. Selbst der Einfluss des Wiener Liedstils blitzte immer wieder in reizvoller Weise hervor. Ein temperamentvolles Terzett und ein hervorragendes Quartett überzeugten die Zuhörer einmal mehr. Die "Janitscharenmusik" beim Auftritt des falschen Türken dürfte Mozart beeinflusst haben! Die "Entführung aus dem Serail" ließ nämlich versteckt grüßen. Im Schlosstheater wurde diese Szene zur witzigen Gaudi mit satirischem Zuschnitt! Das Stuttgarter Kammerorchester unter Jan Willem de Vriend begleitete die Sänger einfühlsam und durchsichtig. 

Frenetischer Schlussapplaus und viele "Bravo"-Rufe!

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