Zunächst erklang in einer reizvollen Bearbeitung für Streichquartettt und Horn von Roland Horvath das Hornkonzert Nr. 3 in Es-Dur KV 447 von Wolfgang Amadeus Mozart. Tiefgang und Gewicht stachen bei dieser Wiedergabe mit Premysl Vojta (Horn) deutlich hervor. Der Charakter des schmerzbetonten chromatischen Quartfalls fiel deutlich ins Gewicht. Der Ernst der Themen wurde vom Ensemble jedenfalls in hervorragender Weise erfasst. Auch die leidenschaftliche Erregung kam nicht zu kurz. Die Romanze, Larghetto, zeigte dabei eine vom Solisten eindringlich gespielte innige Trauer, die beim Hörer einen tiefen Eindruck hinterließ. Das obligate Jagdstück des Schlusssatzes wirkte keineswegs nur schmetternd froh, sondern entfaltete wahrhaft romantischen Stimmungszauber.
Das Scharoun Ensemble mit Wolfram Brandl & Rachel Schmidt (Violine), Micha Afkham (Viola), Jakob Spahn (Violoncello), Peter Riegelbauer (Kontrabass), Alexander Bader (Klarinette), Markus Weidmann (Fagott) und Premysl Vojta (Horn) musizierte auch die "Quattro Fantasie" zum 100. Geburtstag von Hans Werner Henze mit Akribie und spieltechnischem Feinschliff. Neben apokalyptischen und düsteren Klängen stehen bei Henze ekstatische Aufschwünge und jubelnde Klänge. Henze wurde durch die Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg stark beeinflusst. Schwierig war sein Leben auch aufgrund seiner Homosexualität. Die Spannungsgrade der Kontrapunktik und horizontaler Vorgänge wurde hier plastisch deutlich. Es handelte sich dabei um die Oktettsätze aus der "Kammermusik 1958" und dem "Adagio" 1963. Erstaunliche klangliche Vielschichtigkeiten offenbarten sich immer mehr. Der Reichtum an Farben und Stimmungen erinnerte manchmal sogar an Pierre Boulez. Spröde Klanglichkeit und barock-mediterraner Geist wechselten sich in reizvoller Weise ab und ergänzten sich immer wieder. Die Homogenität des Klangbilds wurde auch durch thematische Querbezüge und die Betonung des einheitlichen Tonmaterials durch das Scharoun Ensemble hergestellt. So entstand ein fantasievoller Prozess von Metamorphosen, deren Vielgestaltigkeit wiederholt verblüffte. Die kunstvollen Methoden der Reihentechnik waren ebenfalls immer wieder herauszuhören. Ein ungewöhnlicher Klangsinn mit vielen verschiedenen Gesichtern machte sich hier in faszinierender Weise bemerkbar. Im Residenzschloss wurde dann sogar in der Pause ein Henze-Geburtstagskuchen angeboten.
Zum Abschluss interpretierte das Scharoun Ensemble das Oktett in F-Dur D 803 von Franz Schubert. wo der gut betonte sinfonische Aufbau des Werkes imponierte. Auch der unbeschwerte Tonfall der melodischen Eingebung war bei dieser Wiedergabe beglückend. Wie eine motivische Keimzelle tauchte im ersten Satz der präzis akzentuierte punktierte Rhythmus auf, der nicht nur das folgende Sonatensatz-Allegro mit seinen charakteristischen Themen prägte. Übergeordnete motivische Einheitlichkeit und kompositorische Dichte gefielen bei dieser konzentrierten Interpretation besonders. Das Farbenspiel der alternierenden Instrumente und die zahlreichen harmonischen Einfälle ergänzten sich in erfrischender Weise! Ausgezeichnet wurde außerdem das ausdrucksvolle Adagio in B-Dur musiziert, dessen Melodien in bewegender Weise von den Bläserfarben geprägt wurden. Im Scherzo des dritten Satzes dominierten die leitmotivischen punktierten Rhythmen beeindruckend. Charmant kam dann das C-Dur-Trio daher, dessen ländlerisch-wiegende Melodie von einer Staccato-Kette ergänzt wurde. Die sieben abwechslungsreichen Variationen gerieten zu einem Fest der betörenden Sinne. Tremolo-Passagen wurden hervorragend betont, bei der ersten Variation gefiel insbesondere die facettenreiche triolische Umspielung der Violine. Tutti-Klänge und scharfe Punktierungen beherrschten die zweite Variation - und in der siebten Variation triumphierte ein heiteres C-Dur-Tutti. Ländlerisch-verträumt wirkte das Menuett vor dem Finale als Schluss-Rondo mit düsterer f-Moll-Einleitung. Konzertant-virtuose Momente gipfelten in einer grandiosen Schluss-Stretta!
Als Zugabe spielten die Musiker noch das Menuett aus dem Septett von Ludwig van Beethoven mit punktierten Reminiszenzen an dessen Klaviersonate op. 49/2. "Bravo"-Rufe, frenetischer Schlussapplaus!

