Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
Der Sturm im WasserglasDer Sturm im WasserglasDer Sturm im Wasserglas

Der Sturm im Wasserglas

"The Well in the Lake" von Julio César Iglesias Ungo & Helder Seabra im tanzhaus nrw Düsseldorf

Ein schwarzgekleideter Mann in einer Sporthose mit den drei berühmten Streifen und mit Motorradhelm steht auf der Bühne, es ist der Keyboarder und E-Gitarrist. Auf dieser Bühne ist ein Halbkreis mit weißen Steinen markiert. Ein Mann im Blaumann und mit Schweißerbrille schleift die beiden Tänzer nacheinander auf den Tanzboden und lässt sie da wie tot liegen. Es ist der andere Musiker. Eine weibliche Lautsprecherstimme fordert die Zuschauer auf, die üblichen No-Gos bei einer Aufführung explizit zu vollziehen: z.B. laut mit dem Nachbarn zu schwätzen, Fotos mit Blitzlicht zu machen, zu telefonieren, zu fernsehen. Die Ironie wirkt: das Publikum ist ungeheuer konzentriert.

Die Musik setzt lautstark ein und nun beginnen sich die Tänzer, Julio César Iglesias Ungo und Helder Seabra, zu bewegen, mal einzeln wie Quasimodo, oder affenartig, aber immer aufeinander bezogen kreisen sie umeinander, um über Kontaktimprovisationen zu innigen Momenten zu finden, ja sogar zu einer Art Pas de deux mit Tangoschritten. Die Musik dazu ist irgendwie Techno-Hiphop, manchmal untermischt mit orientalisch anmutenden Klängen. Die Lautsprecherstimme fordert die Tänzer auf, bestimmte Dinge zu tun, in verschiedene Richtungen zu sehen, sich zu ohrfeigen.

Ihren Aufforderungen wird aber nur teilweise nachgekommen, größtenteils werden sie ignoriert. Mit roter Farbe beschmieren sie sich wie mit Blut, dann kippt einer dem anderen eine schwarze Flüssigkeit über die Schulter und es kommt zu catchartigen Szenen. Zum Schluss hüllen riesige wabernde Nebelschwaden alles ein.

"The Well in the Lake" zeigt Stimmungen und Beziehungen von Männern in Köpersprache übertragen auf eindrucksvolle Art. Es ist animalisch, kraftvoll und emotional und fand beim Publikum viel Anklang.

Konzept, Choreografie, Tanz: Julio César Iglesias Ungo, Helder Seabra
Komposition, Musik: Christoph Heinze, Stijn Vanmarsenille
Produktionsleitung: dieKONSORTEN
Foto: Foto Álvaro S. Rodríguez.
Eine Produktion von Julio César Iglesias Ungo, koproduziert durch das tanzhaus nrw und das Theater im Pumpenhaus Münster, gefördert durch die Kunststiftung NRW.

4. und 5. April 2019

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 11 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

NORDISCHE KLANGFARBEN -- Neue CD "Northern Colours" mit Felix Klieser (Horn) bei Berlin Classics erschienen

Im Zentrum des neuen Albums von Felix Klieser (Horn) steht das inspirierende Werk "Soundscape - A Walk in Colours" op. 118 von Rolf Martinsson, der 1956 in Schweden geboren wurde. Der Komponist hat…

Von: ALEXANDER WALTHER

DIE TOTEN KOMMEN WIEDER -- Premiere "Antigone. Ein Requiem" von Thomas Köck im Schauspiel Nord/STUTTGART

"Sag mir nur eins, was taugt der Frieden hier, wenn er Leichen an den Strand spült, was für ein Frieden soll das sein?" fragt Antigone ihren Gegenspieler Kreon. Wer übernimmt eigentlich Verantwortung…

Von: ALEXANDER WALTHER

MIT VERVE UND ESPRIT -- Neue 4-CD-Box beim Label Naxos erschienen: Berühmte Orchesterwerke und Walzer von Johann Strauss II

Das Slowakische Staatliche Philharmonische Orchester, das Slowakische Radio Sinfonieorchester, das Polnische Staatliche Philharmonische Orchester Katowicze und das ORF Radio-Symphonieorchester Wien…

Von: ALEXANDER WALTHER

DIVERSE LACHVARIATIONEN -- Kabarett mit Eva Eiselt im Kleinkunstkeller BIETIGHEIM-BISSINGEN

Putin, Trump und Kaiser Wilhelm I. möchte sie am liebsten unter Denkmalschutz stellen lassen. Die Kabarettistin Eva Eiselt erhielt nicht nur den Deutschen Kabarettpreis, sondern auch den goldenen…

Von: ALEXANDER WALTHER

TURBULENZEN MIT HAPPY END -- "Die Hexe von Konotop" von Hryhorij Kvitka-Osnovyanenko mit dem Ivan Franko Nationaltheater Kiew im Schauspielhaus STUTTGART

Diese Aufführung des satirischen Stücks "Die Hexe von Konotop" nach der Erzählung von Hryhorij Kvitka-Osnovyanenko (1778 bis 1843) geriet zum Höhepunkt des Europäischen Theaterfestivals in Stuttgart.…

Von: ALEXANDER WALTHER

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑
StartseiteBeiträgeKritikenHintergründeTheatermacherServiceFachbegriffeSuche