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Der ganze "Wallenstein" von Friedrich Schiller zum Jubiläum des Schauspielhauses Leipzig

Premiere am 3. März 2007 ab 16.00 Uhr.

Zum 50. Jahrestag der Wiedereröffnung des Schauspielhauses an der Bosestraße wird mit Schillers Wallenstein-Trilogie quer durch die ganze Stadt ein Fest des Theaters zelebriert: Beginnend in der Baumwollspinnerei in Plagwitz, macht der Theatermarathon Station auf der Schauspielhausbühne und endet in nächtlicher Atmosphäre am Völkerschlachtdenkmal.

Schillers Drama um Treue und Verrat, innere Zerrissenheit und skrupellose Machtgier, Liebe und Intrige zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges beginnt in der Leipziger Version mit dem Kriegsrat in einer provisorischen Unterkunft vor nackten Backsteinwänden. Die Halle 14 der Baumwollspinnerei eröffnet einen kongenialen Spiel-Raum für …

"Die Piccolomini"
Wallenstein, Oberbefehlshaber des kaiserlichen Heeres, hat seine Generäle sowie Frau und Tochter nach Pilsen gerufen, um Rat zu halten. Das Zusammentreffen findet in fiebriger Atmosphäre statt. Allen ist bewusst, dass hier Entscheidendes und Zukunftsweisendes verhandelt wird. Dankt Wallenstein ab, weil der Kaiser ihm das Vertrauen entzieht? Ist etwas dran an dem Gerücht, dass der Feldherr Verhandlungen mit den feindlichen Schweden führt? Die Ankunft des kaiserlichen Botschafters Questenberg deutet auf eine Verschärfung des Konflikts mit dem Hof in Wien hin. Der Kaiser und seine Berater fürchten die unkontrollierbare Macht, die sich in Wallensteins Söldnerheer ihr eigenes Gesetz und Selbstbewusstsein gibt. Diese Ansammlung vaterlandsloser Gesellen könnte schnell die Seiten wechseln. Selbst bei den Offizieren sind die Reihen keineswegs so fest geschlossen, wie es nach außen scheinen will. Denn im Geheimen sammelt Octavio Piccolomini Wallensteins Gegner unter der Losung der Kaisertreue. Dabei genießt gerade Octavio das unbeirrbare Vertrauen Wallensteins. Sein Sohn Max liebt Wallensteins Tochter Thekla und hat sich ihr soeben offenbart. Graf und Gräfin Terzky ziehen im Hintergrund die Fäden und denken, sie halten mit der Liebe zwischen Max und Thekla einen Trumpf gegen den Vater Piccolomini in der Hand. Den gedenken sie auszuspielen, sollte der Plan von Wallensteins Freund Illo, eine unbedingte Loyalitätserklärung aller anwesenden Generäle durch eine List zu erschleichen, fehlschlagen.

 

"Wallensteins Tod"
Der zentrale Teil der Trilogie wird auf der großen Bühne im Schauspielhaus in Szene gesetzt. Obwohl die Sterne günstig stehen für das Vorhaben Wallensteins, durch ein Bündnis mit den Schweden wieder Handlungsfreiheit zu gewinnen und gegen den Kaiser zu ziehen, bahnt sich die Katastrophe an. Alle Pläne scheitern: Wallensteins Geheimkurier zu den Schweden wird mit zahlreichen belastenden Dokumenten von kaiserlichen Häschern festgenommen. Die Verhandlungen mit dem schwedischen Oberst Wrangel stagnieren durch Wallensteins Zögern – sehr zum Verdruss von Illo und den Terzkys. Max ergreift trotz seiner Liebe zu Thekla und der Verbundenheit mit Wallenstein nicht dessen Partei, sondern verlässt an der Spitze des Pappenheim’schen Regiments das Lager, um sich auf Seiten der Kaiserlichen selbstmörderisch in die Schlacht zu stürzen. Fast alle Generäle sind durch Octavios Wirken von Wallenstein abgefallen, so dass diesem nur noch die Flucht nach Eger bleibt – in der Hoffnung, sich dort mit dem schwedischen Heer zu verbinden.Zu Wallensteins engstem Gefolge gehört der vermeintlich treue Buttler, ein Gekränkter, der Mordabsichten hegt. Im Rausch eines Karnevalsgelages werden Terzky und Illo von gedungenen Mördern erschlagen. Deren letztes Opfer ist Wallenstein.

 

"Wallensteins Lager"
… preist derweil immer noch die Heldentaten des großen Heerführers. Aus verschiedensten Ländern Europas, Altersgruppen und Ständen strömen Soldaten unter die Fahnen Wallensteins. Hier erhalten sie nicht nur ihren Sold, sie werden auch mit einem neuen Selbstwert ausgestattet, der ihnen erlaubt, sich Bürgern, Bauern und Klerus überlegen zu fühlen. Wallensteins Konterfei schmückt die Münzen der lagereigenen Währung. Der Feldherr kannte die Soldaten bei ihrem Namen und übte Toleranz den Ethnien und Religionen seiner Söldner gegenüber. Ein Kapuziner, der die Verrohung und die Gewalttaten dieser Truppe anprangert, wird schleunigst mundtot gemacht. Dramaturgisch ein Kunstgriff, steht "Wallensteins Lager" in der Leipziger Trilogie am Schluss, nicht am Anfang. Die Soldaten feiern ihren weit entfernten Feldherrn und ahnen nicht, dass er schon tot ist. Leipziger Jugendliche rappen die Schiller’schen Verse zusammen mit jungen Schauspielern aus dem Ensemble und dem Schlagzeuger von Clueso, Paul Tetzlaff. Der Oberbürgermeister von Leipzig, Burkhard Jung, hat die Schirmherrschaft über "Wallensteins Lager" am Völkerschlachtdenkmal übernommen!

 

Regie: Wolfgang Engel
Bühne: Horst Vogelgesang
Kostüme: Katja Schröder
Musik: Thomas Hertel
Dramaturgie: Barbara Noth

 

Es spielen: Stefan Schießleder als Wallenstein, Jana Bauke, Heidi Ecks, Anne Hoffmann (s), Katharina Ley, Lissa Schwerm (s), Thomas Büchel, Oliver Chomik (s), Armin Dillenberger, Alexander Gamnitzer, Sebastian Grünewald (s), Sebastian Hubel, Matthias Hummitzsch, Stefan Kaminsky, Tobias J. Lehmann, Peter Lukas, Jörg Malchow, Michael Pietsch (s), Aleksandar Radenkovic, Martin Reik, Jonas Riemer (s), Johannes Schmitz (s), Michael Schrodt, Simon Werner, Christoph Wünsch (s) und viele junge Leipzigerinnen und Leipziger(s)Studierende der Hochschule für Musik und Theater am Studio des Schauspiels Leipzig

Premiere "Wallenstein" 3. März 2007, Start um 16 Uhr "Piccolomini" in Halle 14 der Baumwollspinnerei.Bustransfer zwischen den Spielstätten.
Anschließend öffentliche Premierenfeier im Schauspielhaus.

Weitere Termine in dieser Spielzeit: 10.3., 31.3., 7.4., 22.4., 12.5., 19.5., 2.6. 2007
"Wallenstein" beginnt immer um 16 Uhr in der Baumwollspinnerei, Spinnereistr. 7, und endet gegen 23.45 Uhr am Völkerschlachtdenkmal. Die Theaterkarten gelten bis zu drei Stunden vor und nach der Veranstaltung als Fahrausweise im LVB-Liniennetz. Zwischen den Spielorten verkehrt ein kostenloser Sonderbus.
Karten von 17 bis 39 Euro. Für Abonnenten und Ermäßigungsberechtigte von 17 bis 24 Euro. Schülergruppen ab 10 Schülern zahlen einen Sonderpreis von 9 Euro pro Person. Vorverkauf Schauspiel Leipzig, Bosestr. 1:Theaterkasse geöffnet von Montag bis Freitag 10 bis 19 Uhr, Samstag 10 bis 13 Uhr. Besucherservice Tel. (0341) 1268 168, Fax (0341) 1268 169. bestellung@schauspiel-leipzig.de

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