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BEWEGENDE VERBINDUNGEN -- Neue CD: Mozarts "Requiem" mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra unter Manfred Honeck

ALEXANDER WALTHER 06.11.2025
Kategorien: Oper, Kritiken, Deutschland

Ungewöhnliche Kombinationen finden sich auf dieser neuen CD von Manfred Honeck und dem Pittsburgh Symphony Orchestra. Wolfgang Amadeus Mozarts "Requiem" wird mit meditativem Glockenläuten, Gregorianischen Chorälen, einem Brief Mozarts an seinen Vater und vor allem erschütternden Gedichten der jüdischen Literaturnobelpreisträgerin Nelly Sachs verbunden, die die Zeit des Nationalsozialismus literarisch verarbeitete.

© Reference Recordings

Mozart hat sein "Requiem" in d-Moll KV 626 im Schatten des Todes geschrieben und unvollendet hinterlassen. Ein Graf Walsegg ließ es durch seinen Verwalter bestellen, angeblich ohne dass dieser den Auftraggeber nannte. Getrieben von Todesahnungen kam Mozart diesem geheimnisvollen Auftrag nach. Etwas Geheimnisvolles und Unbegreifliches schwebt auch über dieser packenden Aufnahme, die akustisch sehr gelungen ist. Vollendet hat er selbst nur das "Requiem" und das "Kyrie", von den folgenden Sätzen lagen dürftige Skizzen vor, nach denen sein Schüler Süßmayr die Partitur schrieb. In dieser von fremder Hand ergänzten Form liegt dieses Meisterwerk vor, dem tiefe Holzbläser, Trompeten, Posaunen, Pauken und Streicher die dunkle, ernste Klangtönung geben. 

Mit ihrer Weihe erfüllt sie sogleich die ersten Takte des "Requiem aeternum", bevor der Chor gewaltig einsetzt, ringend fast und deutlich fordernd. Demütig flehend erklingt dann "Exaudi orationem meam". Sanfter klingt erst "lux perpetua luceat eis", auf das in einer großen Doppelfuge das hier monumental wirkende "Kyrie eleison" folgt. Es wird zusammengezogen mit dem "Christe eleison". Beide Fugenthemen sind bei dieser Interpretation ganz deutlich eine Verneigung vor dem Geist Händels. Manfred Honeck betont als Dirigent mit den Gesangssolisten Jeanine de Bique (Sopran), Catriona Morison (Mezzosopran), Ben Bliss (Tenor) und Tareq Nazmi (Bass) auch den sphärenhaften Zauber der Partitur. 

Dramatischer Schwung beherrscht dann das mächtige "Dies irae", eine packende, bildhafte Vision des Jüngsten Gerichts. Dem Quartett der Solisten ist das "Tuba mirum" übertragen, in dem die eherne Stimme der Soloposaune nicht fehlt. Weit ungeheuerlicher mutet hier das "Rex tremendae majestatis" an. Gegen die starre Erhabenheit des Beginns hallen die Schreie des Chors, die wiederum keine flehenden Rufe, sondern in höchster Not und Verzweiflung gleichsam hervorgepresst sind und dann erschütternd abschwellen zur demütigen Bitte "salva me". Dazu passen die ergreifenden Texte von  Nelly Sachs mit dem stark emotional agierenden Sprecher F. Murray Abraham ganz ausgezeichnet. 

Unsagbare Ruhe und Zuversicht liegt über dem berührend musizierten "Recordare", dessen Wärme im Melodiengeflecht der Solostimmen ebenso anrührend wie erdenfern Klang wird. Um so bedrückender schildert daraufhin das "Confutatis maledictis" das qualvolle Los der Verdammten. Beschwörend wirkt das "voce me", ängstlich erscheint das ängstliche Herzklopfen bei "Oro supplex". Wichtig ist dabei festzuhalten, dass der Tod hier nicht als Schreckbild, sondern als Freund erscheint! Sehr achtsam heftet sich die Musik des "Domine Jesu" an die Episoden des Textes, bevor die Fuge "Quam olim Abrahae" wieder an Händel gemahnt. Die feierliche Weihe gewisser "Zauberflöten"-Szenen liegt über dem erdentrückten und zugleich dunkel-erregten "Hostias", nachdem die vorige Fuge wiederholt wird. Majestätische Größe zeigt sich beim "Sanctus" - ebenso bei der "Osanna"-Fuge. Das "Benedictus" scheint tatsächlich letzte Dinge zu berühren. Stille Entrücktheit steigert sich zu einem majestätischen "Domini"-Höhepunkt. Die thematischen Beziehungen bis hin zur "Kyrie"-Fuge beleuchtet Manfred Honeck mit dem Ensemble höchst eindringlich. 

Die Aufnahme ist sehr zu empfehlen. 
 
  

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