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"Betrogen" von Harold Pinter im Meininger Theater

Premiere am Donnerstag, 15. März 2007, um 19.30 Uhr in den Kammerspielen.

 

Emma und Jerry haben ein Verhältnis hinter dem Rücken ihrer Ehepartner. Doch Robert, Emmas Mann, nimmt es mit der Treue selbst nicht so genau. Vielmehr begreift er Emmas Untreue als Rechtfertigung für seine eigenen Affären.

 

Das wiederum verletzt Emma. Sie, die untreue Ehefrau, fühlt sich nun ihrerseits aufs Schändlichste betrogen. Und auch Jerry, ihr Liebhaber und Roberts bester Freund, ist geschockt, als er erfährt, dass er seine Affäre sieben Jahre völlig umsonst geheim gehalten hat. Außerdem nimmt er es Emma übel, dass sie ihrem Mann die Affäre gebeichtet und damit seine Freundschaft zu Robert aufs Spiel gesetzt hat.

 
Pinters Figuren betrügen sich in erster Linie selbst und stehen schließlich inmitten eines starren Gerüsts von Lebenslügen. Die Unfähigkeit, das gewünschte Leben zu leben, zeigt sich beispielsweise im Festhalten der handelnden Personen an der Fassade des geordneten Familienlebens, aus dem sie nicht gänzlich auszubrechen wagen. Das Stück beginnt am Ende und endet am Anfang. So entlarvt Pinter das hohle Pathos von heißen Liebesschwüren und innigen Freundschaftsbezeugungen. Die Gespräche zwischen den Liebenden erweisen sich als sprachlich-gedankliche Ausflüchte, Animositäten zwischen dem Ehemann und seinem ihn betrügenden besten Freund werden mit Small Talk und jovialen Floskeln kaschiert.

 
„Für mein Gefühl gibt es weniger eine Unfähigkeit zur Kommunikation als vielmehr ein absichtliches Ausweichen vor jeglicher Verständigung. Eine Verständigung der Menschen untereinander ist etwas so Schreckliches, dass sie lieber dauernd aneinander vorbeireden, ständig über etwas anderes sprechen als über das, was ihren Beziehungen zugrunde liegt“, so Pinter.

 
Mit bisher über 30 Theaterstücken ist Pinter als hervorragender Vertreter des englischen Dramas in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts ein moderner Klassiker geworden, dessen Zeitlosigkeit auch daher rührt, dass er seine Figuren nie in den Dienst einer höheren Moral stellt. „Betrogen“ kam am 15. November 1978 am National Theatre in London zur Uraufführung. Die deutschsprachige Erstaufführung erfolgte am 17. Dezember desselben Jahres am Wiener Burgtheater.

Am Meininger Theater führt Horst Ruprecht Regie, der damit nach vielen Jahren wieder an seine frühere Wirkungsstätte zurückkehrt. Für Bühne und Kostüme zeichnet Christian Rinke verantwortlich; es spielen Evelyn Fuchs, Michael Jeske und Renatus Scheibe.

 

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