Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
„Woyzeck“ von Tom Waits, Kathleen Brennan und Robert Wilson, Thalia Theater Hamburg„Woyzeck“ von Tom Waits, Kathleen Brennan und Robert Wilson, Thalia Theater...„Woyzeck“ von Tom Waits,...

„Woyzeck“ von Tom Waits, Kathleen Brennan und Robert Wilson, Thalia Theater Hamburg

A-Premiere am 23. Januar um 20 Uhr im Thalia Theater

B-Premiere am 24. Januar um 19 Uhr im Thalia Theater

 

God´s away on business. Woyzeck liebt Marie, aber was kann er ihr schon bieten?

Als einfacher Soldat lebt er am unteren Ende der Gesellschaft, schlägt sich mit Gelegenheitsarbeiten durch – rasiert seinen Hauptmann, schneidet Stöcke, mit denen Leute wie er geprügelt werden, ruiniert seinen Körper und seinen Verstand mit den Experimenten des Doktors. Als Marie sich dem Tambourmajor zuwendet, wird es Woyzeck zu viel, er tötet sie. In einer pervertierten Welt auf nachdrückliche Art human, ist der Mord an seiner geliebten Marie auch zwangsläufige Katastrophe eines verpfuschten Lebens.

 

Zugleich Sozialdrama und Fiebertraum eines klaustrophobischen Hirns, ist „Woyzeck“ eines der meistgespielten deutschsprachigen Theaterstücke, und gerade in Zeiten der Krise trifft man moderne Woyzecks an jeder Ecke. Wütend, deklassiert, gedemütigt.

 

Bei seinem frühen Tod 1837 hinterließ Georg Büchner „Woyzeck“ als Fragment, offen für Aneignungen. Der amerikanische Musiker Tom Waits – am 7. Dezember ist sein sechzigster Geburtstag – befasst sich seit den siebziger Jahren mit den Abgründen der menschlichen Seele und diagnostiziert in kleinen Songs große Katastrophen, herzergreifend sind seine Lieder von den Verlorenen und Verwundeten der Welt. Aktuell wird der Musiker, um den es lange still war und der jedoch nach wie vor eine Kunstfigur ist mit seinem Bowler-Hut, dem zerschlissenen Sacko und den klobigen Schuhen allerorten gefeiert: Mit seinem aktuellen Album „Glitter and Doom“, mit der Biografie von Barney Hoskyns und einem neuen Film im kommenden Jahr, in dem er den Teufel in „Das Kabinett des Doktor Parnassus“ spielt. In

Zusammenarbeit mit Robert Wilson, der 1990 mit Waits die musikalische Produktion „The Black Rider“ am Thalia zu dem Kassenschlager schlechthin machte, entstand bereits im Jahre 2000 eine musikalische Bearbeitung von „Woyzeck“ (uraufgeführt in Kopenhagen), die Waits als Album „Blood Money“

veröffentlichte. Waits’ Songs lassen ins Innere der Figuren blicken, seine Musik fügt dem zwischen Fiebertraum und Sozialdrama stehenden Text Büchners eine Dimension hinzu, leistet Widerstand gegen die Zumutungen der Existenz, gegen die Bilder einer kranken Welt.

 

Songs und Liedtexte Tom Waits/Kathleen Brennan

Textfassung Ann-Christin Rommen/Wolfgang Wiens

 

Regie Jette Steckel

Bühne Florian Lösche

Kostüme Pauline Hüners

Musik Gerd Bessler

Dramaturgie Susanne Meister

 

Ensemble Julian Greis (Karl – ein Idiot), Philipp Hochmair (Hauptmann), Felix Knopp (Woyzeck), Gabriela Maria Schmeide (Margreth), Maja Schöne (Marie), Josef Ostendorf (Tambourmajor), Jörg Pohl (Andres), Tilo Werner (Doctor) Musiker Gerd Bessler, Gabriel Coburger, Dieter Fischer, Johannes Huth,

Stephan Krause, Laurenz Wannenmacher

 

Karten 040. 32 81 44 44 / www.thalia-theater.de

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 13 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

SPIELTECHNISCHE RASANZ -- 6. Sinfoniekonzert des Staatsorchesters Stuttgart unter Cornelius Meister im Beethovensaal der Liederhalle STUTTGART

Ein abwechslungsreiches Programm präsentierte das Staatsorchester Stuttgart unter der inspirierenden Leitung von Cornelius Meister im Beethovensaal der Liederhalle. Gleich zu Beginn überzeugte die…

Von: ALEXANDER WALTHER

MUSIK UND WORT VEREINT -- Rothko String Quartet im Ordenssaal bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen

Ende 2022 wurden die Briefe von Ingeborg Bachmann und Max Frisch im Suhrkamp Verlag veröffentlicht. Sehnsuchtstöne, Eifersüchteleien und Streitgespräche wechseln sich ab. Amelie Schmidt (Rezitation)…

Von: ALEXANDER WALTHER

SPHÄRENHAFTES KLANGSPEKTRUM -- Werkstattfestival Studio Neue Musik & Campus Gegenwartim Konzertsaal der Musikhochschule STUTTGART

Wieder war Neues aus den Kompositionsklassen von Prof. Marco Stroppa und Prof. Martin Schüttler zu hören. Das Konzert I stellte Kompositionen von begabten Hochschulstudenten vor. Von der Koreanerin…

Von: ALEXANDER WALTHER

IMPROVISATION ZWISCHEN JAZZ UND KLASSIK -- Quatuor Ebene Waves im Ordenssaal bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen

Seit über 20 Jahren feiert das Ensemble Quatuor Ebene mit Pierre Colombet (Violine), Gabriel Le Magadure (Violine), Marie Chilemme (Viola) und Yuya Okamoto (Violoncello) sowie Xavier Tribolet…

Von: ALEXANDER WALTHER

NEUES VOM SEEMANN POPEYE -- "Liebe - eine argumentative Übung" im Foyer des Kammertheaters STUTTGART

"Olivia liebte den Schwanz ihres Freundes" - so heißt es im Stück "Liebe - eine argumentative Übung" von Sivan Ben Yishai. Es geht darin um den spinatliebenden Seemann Popeye und seine Freundin Olivia…

Von: ALEXANDER WALTHER

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑