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Uraufführung: "Robinson Cruso, die Frau und der Neger" in den Münchner Kammerspielen

25.02.2006

Premiere am 4. März 2006, um 20 Uhr im Schauspielhaus.

Ein Stück nach dem Roman "Foe" von J. M. Coetzee, in einer Bühnenfassung von

Pieter De Buysser

Defoes Roman "Robinson Crusoe" ist zum Ursprungsmythos der Kolonisation geworden: Sein skrupelloser Held macht in der Einsamkeit seines Insellebens eine seelische Läuterung durch und trifft genau an einem Freitag auf einen Schwarzen, den er im Sinne der abendländischen Zivilisation zu seinem Sklaven erzieht.

Dreihundert Jahre später ist es der afrikanische Literaturnobelpreisträger Coetzee, der diese Geschichte noch einmal erzählt, diesmal aus dem Mund einer Frau. Sie, die Gestrandete, erlebt einen Cruso, der bewusst alle Lebensspuren meidet, die unsere Zivilisation von ihm erwartet. Sein Diener Freitag ist stumm, weil ihm Sklavenhändler die Zunge herausgeschnitten haben. Die drei werden von einem englischen Handelsschiff aufgegriffen. Cruso stirbt auf der Überfahrt, weil er nicht in die Welt der Zivilisation zurückkehren will. Nur die Frau und der Schwarze bleiben als Zeugen des Insellebens zurück. In London begibt sich diese sogenannte Susan Barton auf die Suche nach einem Autor, d er ihre Erlebnisse in ei ne Geschichte überführt. Dabei kommt ihr die eigene Biographie abhanden, werden die Fragen nach Wahrheit und Identität zweideutig: Hat vielleicht Robinson seinem Sklaven die Zunge gestohlen? Wer ist plötzlich die Frau, die auftaucht und behauptet, die Tochter Susan Bartons zu sein? Mit welcher Zunge lässt sich die Wahrheit noch sagen, mit welcher die Barbarei verzeihen? Mehr und mehr wird die fehlende Zunge, die fehlende Sprache und die fehlende Geschichte zum einzigen Widerstand in einer Welt, in der die Zivilisation selbst die Barbarei bedingt. Der Autor Foe muss scheitern, denn nur die Frau und der Schwarze könnten durch ihre eigene Unterdrückungsgeschichte die Frage nach der Wahrheit und dem richtigen Handeln noch stellen. Doch auch sie erleiden Schiffbruch.

Regie: Johan Simons

Bühne Marc Warning

Kostüme Nadine Grellinger

Dramaturgie Koen Tachelet / Marion Tiedtke

Mit Julika Jenkins, André Jung, Sylvana Krappatsch, Betty Schuurman

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Herausgeber des Beitrags: theaterkompass.de

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