Zudem sind Isabel und Albert seit kurzem nicht mehr allein in ihrer großen Villa. Sie haben ein kleines Mädchen namens Amina aus dem Ausland aufgenommen und adoptiert. Soll diese „Fremde“ irgendwann etwa das gesamte Anwesen erben und alles, was dazu gehört stillschweigend „übernehmen“, graut es Victor und Patrizia. Doch es heißt Contenance bewahren, denn Familie ist Familie, und die kann man schließlich nicht ausladen. Aber warum ist eigentlich das Gartenhaus „besetzt“? Das war doch Vaters Mausoleum. Woher hat der Hund den Knochen und was verbirgt sich bloß in der blutigen Mülltüte? Zwischen Fleischbällchen, Tupperwaren und vielen Drinks offenbart eine Sommernacht heftige familiäre Auseinandersetzungen, bei denen niemand seinen Kopf verlieren möchte.
In Roland Schimmelpfennigs neuem Stück wird ein Familienfest zum Schauplatz von Reibungen, Zwängen und unbewussten Zerstörungslaunen. Die Macht der Familie und alter Rollen, in die man, längst erwachsen, wieder fällt, blitzen mal komisch, mal bedrohlich auf, bis die bürgerliche Fassade des vertrauten Heims unheimlich zu bröckeln beginnt. Dabei erzählt Schimmelpfennig nicht nur von familiären Konflikten, sondern auch von einer gesellschaftlichen Gegenwart, in der Fragen nach Herkunft, Zugehörigkeit und vermeintlich schützenswertem Erbe zunehmend politisch aufgeladen werden und unterschwellig rechtes Denken in die Mitte eines liberalen Bürgertums zurückkehrt – nicht als plötzlicher Einbruch von außen, sondern als schleichende Verschiebung innerhalb vertrauter familiärer Strukturen: „Wie schön, dass ihr da seid!“
Inszenierung Daniela Löffner
Bühne Claudia Kalinski
Kostüme Katja Strohschneider
Komposition Matthias Erhard
Licht Ralf Strobel
Dramaturgie Benjamin Große
Mit Katharina Hauter, Rainer Galke, Marco Massafra und Christiane Roßbach


