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ÜBERWÄLTIGENDE MELODIEN VON WAGNER BIS KREISLER -- Neujahrskonzert des Staatsorchesters in der Staatsoper STUTTGART

am 1. Januar 2026

ALEXANDER WALTHER 02.01.2026
Kategorien: Kritiken, Deutschland, Oper

Diesmal stand der deutsch-spanische Dirigent Luka Hauser unter dem Motto "Wenn du wüsstest, was träumen heißt!" am Pult des Staatsorchesters Stuttgart. Und er begann vielversprechend mit einer betont langsamen, aber durchaus spannungsgeladenen Interpretation der Ouvertüre zur Romantischen Oper "Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg" von Richard Wagner. Der Zwiespalt Tannhäusers kam in überzeugender Weise zum Vorschein. Ein sinnlicher Drang setzte sich durch. Die erhabene Größe der Pilgerchormelodie und der schillernde Glanz des Venusbergzaubers machten sich in bewegender Weise bemerkbar. Die Pilgerchormusik erklang zu Beginn und zum Abschluss ausgesprochen verinnerlicht.

© Matthias Baus, Portrait Alma Ruoqi Sun

Das große Mittelstück der Ouvertüre lebte ganz vom wunderbaren Aufblühen der Venusbergmusik und ihrem Erlöschen. Es folgte eine klare und präzise Gliederung der einzelnen Themen und Themengruppen bei der Aufeinanderfolge und Wiederholung. Die Größe der Empfindung des Ausdrucks führte zu einem Abschluss mit gewaltiger dynamischer Steigerung ganz im Sinne Knappertsbuschs. 

Dann folgten Lieder von Richard Strauss, wo die einfühlsame chinesische Sopranistin Alma Ruoqi Sun gleich zu Beginn bei "Freundliche Vision" op. 48 Nr. 1 mit glutvollen Kantilenen überzeugte. Die schwedische Mezzosopranistin Ida Ränzlöv gewann "Winterweihe" op. 48 Nr. 4 dann reizvolle Klangfarben ab. "Ich wollt' ein Sträußlein binden" op. 68 Nr. 2 gewann mit Alma Ruoqi Sun erstaunlichen harmonischen Reichtum, wobei sie vom Staatsorchester Stuttgart unter Luka Hauser höchst sensibel begleitet wurde. Lyrisch und melodisch weit ausgesponnen kam "Cäcilie" op. 27 Nr. 2 mit Ida Ränzlöv daher, wobei das Lied mit einer gewaltigen dynamischen Steigerung endete. "Säusle, liebe Myrthe" op. 68 Nr. 3 mit Alma Ruoqi Sun wirkte dagegen stark verinnerlicht und bewegend. Einen ähnlich intensiven Eindruck gewann man von "Morgen" op. 27 Nr. 4, wo Ida Ränzlöv zudem die leisen Zwischentöne betonte.  Als Zugabe folgte noch "Zueignung" von Richard Strauss mit beiden Sängerinnen, wobei der für diesen Komponisten so typische jugendlich drängende, jauchzende Überschwang beglückend zur Geltung kam. Da dachte man dann unwillkürlich an den "Rosenkavalier". 

Nach der Pause glänzte das Staatsorchester Stuttgart mit den Slawischen Tänzen Nr. 1 C-Dur, Nr. 4 F-Dur und Nr. 8 g-Moll op. 46 von Antonin Dvorak, wo sich böhmische Lebenslust in überwältigender Weise behauptete. Die tschechischen Tanztypen mit ihrem elementaren Frohsinn waren hier wirklich nicht zu bremsen! Slowakische und südslawische Rhythmen vermischten sich in raffinierter Weise mit frischer Erfindungskraft und klangschöpferischer Phantasie. In einer raffinierten Bearbeitung von Hans Sitt waren zuletzt die Norwegischen Tänze op. 35 von Edvard Grieg zu hören, wo es Hauser mit dem Staatsorchester Stuttgart sehr gut gelang, die thematischen Verbindungslinien herauszuarbeiten. Bildhafter Realismus äusserte sich hier reizvoll in Farben und Erinnerungen, die den Hörer ungemein fesselten. So entstanden leidenschaftliche Bilder von farbiger Anschaulichkeit. Der Hang zum Lyrisch-Rhapsodischen wurde nicht übermäßig betont. Herb-innige nordische Volksliedmelodien setzten sich trotzdem durch. Dann folgte noch mit elektrisierenden Rhythmen der spritzig-fetzige Csardas aus Johann Strauss' Oper "Ritter Pasman" sowie ein musikalisches Bonbon von Fritz Kreisler. 

Viele "Bravo"-Rufe und Begeisterung des Publikums.     

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