Das Eifersuchtsdrama um den Tribunen Othello, die von ihm letztendlich getötete Gattin Desdemona und den dämonischen Einflüsterer Jago konnte man so gut nachvollziehen. Selbst die lyrischen Grundzüge dieser Musik wurden leidenschaftlich herausgearbeitet. Unverfälschte Melodik und elektrisierender Rhythmus hielten sich hier immer wieder in mitreissender Weise die Waage. Bei der einen oder anderen Passage hätte auch noch mehr Feuer hervorsprühen können.
Von Dvoraks Schwiegersohn Josef Suk erklang anschließend mit dem ausgezeichneten Geiger Christian Tetzlaff die kompositorisch wertvolle Fantasie für Violine und Orchester in g-Moll op. 24, wo Motive und Themen nur so hervorsprudelten und einen tiefen Eindruck hinterließen. Suks Hang zum Spätromantisch-Konservativen wurde hier immer wieder in imponierender Weise aufgebrochen, denn die Arabesken und Kaskaden des Violinparts sprühten vor Energie und Vitalität. Immer öfters kam es zu atemberaubenden Temposteigerungen, die sich zu vervielfältigen schienen. Das konzertante Zusammenspiel von Violine und Orchester führte zu triumphalen Gipfelstürmen, die Christian Tetzlaff gewaltig anheizte! Der Weg von der tschechischen Nationalromantik bis zur Moderne blieb so nachvollziehbar. Frei gestaltete musikalische Themen und Formen konnten sich hier in erfrischender Weise entfalten. Die Tradition der Konzertfantasie seit Beethoven blitzte immer wieder auf.
Zum Abschluss folgte eine konzentrierte Wiedergabe der Sinfonie Nr. 6 in h-Moll op. 74 "Pathetique" von Peter Tschaikowsky. Die Ehrlichkeit dieser erschütternden Musik, die Tschaikowsky selbst kurz vor seinem Tod uraufführte, kam überzeugend zum Vorschein. Düster und suchend begann der von leidenschaftlichem Gefühl getragene erste Satz mit einer ausdrucksvollen Klage des Fagotts, aus der sich das erregte, drängende erste Thema des Allegro non troppo bildete. Trost und Qual glühten in diesem seltsamen Gesang auf, das schöne Traumbild entschwebte. Das erste Thema behauptete sich dann machtvoll in der Durchführung. Und in der Reprise zeigte sich nochmals der Charakter eines Unglücklichen. Die Idylle des Luxus schimmerte im zweiten Satz Allegro con grazia in reizvoller Weise durch. Zum Glück fehlte hier falsche Sentimentalität. Im Mittelteil zeigten sich Schatten einer leisen Wehmut. Geheimnisvoll und wirblig hob der dritte Satz, Allegro molto vivace, an, bis die Oboe keck auf den elektrisierenden Marschrhythmus anspielte. Mit schmissiger Verve triumphierten zuletzt alle Themen! Am besten gelang dem SWR Symphonieorchester unter Juraj Valcuha das Finale als schmerzlicher Rückblick und Abschied. Da leuchteten nochmals die Klangfarben in ergreifender Weise auf. Symbolhafte Beziehungen zum ersten Satz waren hier deutlich erkennbar, die ungeheure Energie zwang die Melodien dort nach oben - und hier sanken die Tonfolgen der beiden Hauptthemen hinab in das Dunkel der Verzweiflung, der Absage an das Leben. Diesen Abgesang eines Musikerlebens gestaltete Valcuha mit dem SWR Symphonieorchester hervorragend.
Viele "Bravo"-Rufe!


