Die Sehnsucht nach Freihet und nach Wahrheit steht im Mittelpunkt. Der baltische Patriotismus beherrscht dieses interessante Album. Iveta Apkalna erlebte als Jugendliche die "Singende Revolution" hautnah. Sie war dabei, als Hunderttausende Letten mit dem gemeinsamen Gesang verbotener Volkslieder ihre Unabhängigkeit erstritten. Besonders im "Te Deum" von Peteris Vasks dominieren alte lettische Volksweisen. So wurde aus einer Begegnung ein künstlerischer Anfang voller Mut, der selbst zwanzig Jahre später ungebrochen ist.
Auch zu Arvo Pärt hat sie eine besondere Beziehung. Er und Peteris Vasks seien Seelenverwandte. Beide würden ihre Spiritualität aus der Natur schöpfen. Pärts Werke "Pari intervallo", "Spiegel im Spiegel", "Annum per annum" und "Trivium" würden einen inneren Wandel symbolisieren. Sie suche nach mehr Tiefe und Stille, so Iveta Apkalna. Arvos Musik sei wie ein Spiegel, sie antworte auf ihre Fragen. Insbesondere das berühmte Stück "Spiegel im Spiegel" besteche durch seine fast meditative Transparenz - getragen von Johann Baptista Mazzas Orgelbearbeitung breite sich eine scheinbar endlose Klangfläche aus. Pärts Orgelstücke "Pari intervallo" und "Trivium" würden dem selbst entwickelten "Tintinnabuli"-Stil folgen. Reduktion sei hier das Zauberwort. Der Nachhall liege nicht im Raum, sondern in ihr, so Iveta Apkalna.
Auch Peteris Vasks Werk "Viatore" von 2001 ist eng verbunden mit ihrem Werdegang als Organistin. Es erzählt die Geschichte eines Wanderers, der auf diese Welt kommt, darin aufwächst, sich verliebt, ein erfülltes Leben findet und wieder fortgeht. Das Thema des Wanderers stellt die Elemente Wachstum und Entwicklung vor, während das Thema der Unendlichkeit unverändert bleibt und im pianissimo verharrt. Das Werk wurde ursprünglich für Streichorchester geschrieben.
"Spiegel im Spiegel" von Arvo Pärt ist kein originäres Orgelwerk, sondern wurde ursprünglich für Klavier und Violine geschrieben. Die langgezogene Violinstimme liegt hier im Pedal, darüber schwebt die streng in Dreiklängen pendelnde Klavierstimme im Diskant. Diese Musik strahlt eine große Ruhe aus. "Trivium" ist eine dreiteilige Komposition, die Pärt nach dreien der sieben freien Künste der mittelalterlichen Bildung benennt: Grammatik, Logik und Rhetorik. "Annum per annum" komponierte Pärt 1980 anlässlich der 950 Jahre zurück liegenden Errichtung des Doms zu Speyer - hier wurde das Werk uraufgeführt. Die fünf eindrucksvollen Sätze folgen dem Messordinarium (Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Agnus Dei). Zuweilen wirkt hier das Klangbild sehr verinnerlicht. Cantus-firmus-Elemente und Fugenansätze (Vasks' "Te Deum") werden minuziös betont.
Die CD ist sehr empfehlenswert!


