Gerade dies wird von der Autorin in packender Weise geschildert. Als sie schließlich gemeinsam mit der jüdischen Krankenschwester Ester Pasternak nach Auschwitz deportiert wird, erfahren die beiden Frauen, dass selbst neugeborene Babys in Lebensgefahr schweben. Sie werden von dem unmenschlichen Regime der Nazis instrumentalisiert. Ana und Ester leisten Widerstand. Sie tätowieren heimlich Babys mit den Häftlingsnummern ihrer Mütter, um so ihre Identität zu bewahren. Ester verspürt Hoffnung: "Wir tätowieren jedem Baby, das für das Lebensborn-Programm vorgesehen ist, die Nummer seiner Mutter ganz klein und sauber an eine Stelle, wo die SS sie nicht sieht. Wenn alles vorbei ist, gibt es damit eine Möglichkeit, die Kinder zu identifizieren, sie zu finden und wieder in die Arme zu schließen."
In erschütternder Weise wird die Grausamkeit der SS-Mannschaften in den Konzentrationslagern geschildert: "Sie hatte gehört, dass die SS-Wachen die Leute aufforderten, ihre Sachen an nummerierte Haken zu hängen, und ihnen sogar Handtuch und Seife gaben, um sie ohne Aufhebens in die Kammer zu lotsen. Wirklich ironisch, dass diejenigen, die in den Tod gingen, besser behandelt wurden als diejenigen, die um ihr Leben kämpften. Seife und Handtuch wären bei diesen Fenstern wirklich hilfreich..."
Die Suche nach der verlorenen Tochter steht zuletzt grell im Zentrum: "An Filip gelehnt ließ Ester erneut die Tränen fließen, wagte es endlich, sich von ihrer wahren Trauer überwältigen zu lassen". Ester sagt dann, dass ihr das Kind im Alter von vier Tagen weggenommen wurde. Mit der utopischen Hoffnung, diese Tochter wieder zu finden, endet dieses bewegende Buch. "Als ich las, dass in einem Todeslager mehr als dreitausend Kinder zur Welt gekommen sind, wusste ich, dass ich diese Geschichte erzählen muss", erklärt die Autorin Anna Stuart, die in Cambridge Geschichte studierte. Und sie ergänzt: "Ich empfehle einen Besuch in Auschwitz. Das ist kein froher Tag, aber ein wichtiger und bewegender."
Bei den "historischen Anmerkungen" wird auf einzelnde Personen eingegangen - darunter auch auf den berüchtigen KZ-Arzt Dr. Josef Mengele. Mengele habe seinen Lebensabend in Brasilien verbracht, er starb 1979 im Alter von knapp achtundsechzig Jahren, nachdem er beim Schwimmen einen Schlaganfall erlitten hatte: "Ein weitaus gnädigerer Tod als der, den er so vielen seiner armen Opfer gewährte." Beschrieben werden dann auch noch das Lager Auschwitz-Birkenau, die Zustände in den Baracken, die Selektionen und vor allem die schrecklichen Todesmärsche: "Es gibt Menschen, die den Märschen entgingen, indem sie sich unter Leichenbergen versteckten..."
Wer sich mit der NS-Geschichte auseinandersetzen möchte, sollte dieses Buch lesen: "Unsere einzige Waffe ist es, am Leben zu bleiben."


