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SPHÄRENHAFTE AURA -- Neue CD "OPIUM" von Eckart Runge (Cello) und Jacques Ammon (Klavier) bei Berlin Classics

September 2025

ALEXANDER WALTHER 13.09.2025
Kategorien: Kritiken, Deutschland, Oper

Das neue Album "OPIUM" von Eckart Runge (Cello) und Jacques Ammon (Piano) ist eine Hommage an die "Roaring Twenties" - eine Zeit der rauschhaften Lebenslust. Die Musik dieses Albums steht in direkter Verbindung zur TV-Serie "Babylon Berlin", für deren zweite Staffel Runge und Ammon die Filmmusik arrangierten. Jazz, Tango und die Musik der 1920er Jahre begleiteten dabei den Film von Regisseur Tom Tykwer. Ergänzend zu dieser Filmmusik entstand das Programm zu dieser abwechlungsreich gestalteten CD.

© Nikolaj Lund

Leidenschaftlich durchpulst ist hier die subtile Wiedergabe von George Gerswhins "An American in Paris", dessen thematische Verästelungen von den beiden Musikern überzeugend erfasst werden. Kurt Weills "Dreigroschenoper" mit ihren folkloristischen Momenten und dem hintergründigen Espressivo zeigt sich vor allem bei der "Moritat von Mackie Messer", "Marie Galante" und "Youkali" als spritzigem Tango Habanera sehr klangfarbenreich. Hanns Eislers "An den kleinen Radioapparat" spiegelt in raffinierter Weise den Einfluss Arnold Schönbergs wider. Und die "BabylonBerlin-Suite" von Tom Tykwer und Johnny Klimek zeigt nicht nur einen melodiösen Überschwang, sondern auch rhythmischen Schliff und Fingerspitzengefühl. Etwas Rauschhaftes, Sinnliches uns Betäubendes liegt in dieser Musik. 

"Schneeglöckchen" und "Versuchung" von Erich Wolfgang Korngold zeichnen Naturstimmungen des 14jährigen Komponisten eindringlich nach. Bei "Schneeglöcken" kommt es immer wieder auch zu unerwarteten harmonischen Wendungen. Bei "Versuchung" schimmert dann die Entferung von der Tonalität durch. Reine Dreiklänge übertönen die Dissonanzen, alles endet in Es-Dur. 

Bei Ernst Blochs "From Jewish Life" folgt auf einen jüdischen Gebetsgesang im ersten Satz ein melancholisches und einfühlsam interpretiertes Andante moderato sowie ein in seiner Vierteltönigkeit faszinierendes "Supplication" ("Flehen").  Paul Hindemiths "Capriccio" für Cello und  Klavier op. 8 besitzt hier ebenfalls seinen Reiz. Der Zauber des erweiterten tonalen Raums kann sich gut entfalten. Die harmonische Kraft zeigt sich ebenfalls bei den Gesetzmäßigkeiten der Töne. Intervalle und chromatische Leitern besitzen dynamische Spannungskraft.

In geheimnisvolle Sphären entführt dann "Ich bin der Welt abhanden gekommen" aus den "Rückert-Liedern" von Gustav Mahler. Als bewegendes Bild der Endlichkeit entfalten sich die Klänge bei dieser Interpretation in magischer Aura im Rahmen einer berührenden "Welt von gestern". Perlende Raffinesse besitzt ferner der zweite "Blues"-Satz aus der zweiten Violinsonate in der Transkription für Cello sowie die "Piece en forme de habanera" von Maurice Ravel. Die kühne Harmonik blitzt immer wieder hervor. Ebenfalls im einfallsreichen Arrangement von Runge und Ammon erklingen die facettenreiche "Berceuse" von Germaine Tailleferre, die "Gymnopedie I" von Erik Satie und der "Tango Jalousie" von Jacob Gade. Reine und feste Tonalität triumphiert. Und die Instrumente besitzen klangliche Lebendigkeit. Empfehlenswert. 
 
  

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Herausgeber des Beitrags: theaterkompass.de

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