Theaterkompass.de Logo

POMMES LÜGEN NICHT -- "Gelbes Gold" von Fabienne Dür im Foyer des Kammertheaters STUTTGART

Premiere am 30.4.2026

Geschrieben von ALEXANDER WALTHER

Die Geschichte handelt von Ana, die eines Tages zurück nach Hause kommt. Ihren Vater Fritz, der eine Pommesbude betreibt, hat sie lange nicht mehr besucht. Er herrscht sie später an: "Ich hab mein ganzes Leben hier reingesteckt, begreifst du das nicht?"

© Björn Klein

Die Inszenierung von Johanna Rödder-Mikow hinterfragt das Geschehen psychologisch durchaus geschickt. Die Bühne von Greta Marie Heithoff zeigt eine triste Pommesbude und die Kostüme von Luisa Windisch gefallen durch ihr legeres Outfit. Fritz verkauft Pommes und ist noch immer auf der Suche nach der perfekten Rezeptur. Seine stets hadernde Partnerin Mimi steht als "Frittenmimi" treu an der Fritteuse. Dann ist da noch Anas Kindheitsfreundin Juli: "Ich hatte es so schwer, meine Mutter hat uns verlassen, als ich neun war, niemand hat an mich geglaubt, ich musste mich immer allein durchschlagen..." 

Obwohl sich Zeit und Entfernung in Anas früheres Leben geschoben haben, ist die Vergangenheit trotzdem höchst lebendig. Sie möchte wieder Teenager sein. Der Geruch von Frittenfett hat es ihr trotz allem angetan. Die Pommesbude "Gelbes Gold" markiert ein Lebensgefühl. Als einzige aus ihrem Umfeld hat sie den Schritt nach draußen gewagt und hat ihre Probleme damit. Sie ist sich aber nicht sicher, ob sie von ihrer angestammten Umgebung wirklich loskommt. Teresa Annina Korfmacher, Therese Dörr, Pauline Großmann und Michael Stiller bieten hier ein bewegendes Seelenpanorama unterschiedlichster Lebensentwürfe. Warum Ana nun wieder da ist, fragen sich Fritz, Mimi und ihre frühere Freundin Juli, die als Kindergärtnerin arbeitet und jeden Tag mit einem anderen Mann schläft. Enttäuschung und Kränkung spielen hier immer mit.

Die Protagonisten kämpfen mit Vorurteilen, Berührungsängsten und Entfremdung. Das wird in der Inszenierung drastisch verdeutlicht, die auch wiederholt mit Ironie arbeitet. Die Pommesbude "Gelbes Gold" wird zum Treffpunkt und Fluchtpunkt sowie zum nostalgischen Ort der Kindheit. Zuneigung und Entfremdung gehen nahtlos ineinander über. Sehr präsent ist immer wieder Pauline Großmann als Ana, die sich letztendlich zwischen ihrem Universitätsstudium und der Pommesbude entscheiden muss. Das Stück besticht in jedem Fall durch eine klare Sprache, Dynamik und Witz. Dazu kommen Rhythmus, flotte Sprache und Pausen, die alles im Fluss halten. Alle haben hier Angst, ihr Zuhause und ihre Heimat zu verlieren. Ana kehrt zwar zurück, sieht dann jedoch, wie trostlos alles ist. Diese Ernüchterung kommt in der Inszenierung gut zum Ausdruck. Dann gibt es auch immer wieder die große Sehnsucht nach dem Kindheitsort. 

Die Musik von Andreas Neemann unterstreicht diese Gefühlslage passend. Video-Sequenzen von Laura Lotte Lenz und Mauritz Thabo Röckle unterstreichen geschickt die innere Gefühlslage dieser eigentlich unglücklichen Figuren, die in sich selbst gefangen sind. Ängste und Verletzungen sowie Widerstände und Widersprüche treffen immer wieder aufeinander. Fritz weiß genau, um was es geht: "Pommes Frites, die nach Tier schmecken, aber ganz frei davon sind, das ist die Kunst..." Und Ana bemerkt: "Immer wenn ich Heimweh hatte, bin ich in Buden gegangen..." Die Pommesbude "Gelbes Gold" wird zum Angelpunkt aller Sehnsüchte des Lebens. Der nostalgische Ort der Kindheit füllt sich für Ana immer mehr mit Tristesse. So fragt Michael Stiller sie zuletzt ganz lakonisch: "Schämst du dich für mich?" Es ist eine Inszenierung, die kaum szenische Schwächen besitzt und die passende Atmosphäre überzeugend verdeutlicht. 

Viel Applaus und "Bravo"-Rufe.   

Teile den Beitrag auf

Background image of the page