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ANKLÄNGE AN WAGNER UND STRAUSS -- Neue CD: Paul Büttner Sinfonien Nr. 3 und 4 bei Capriccio

April 2026

Geschrieben von ALEXANDER WALTHER

Ein Eindruck von Vehemenz und Wucht ist dieser Musik inne. Der 1870 in Dresden geborene und 1943 verstorbene Komponist Paul Büttner gilt immer noch als Geheimtipp und hatte ein tragisches Schicksal. Seine Popularität währte 15 Jahre, bis er als Sozialdemokrat und offener Gegner des Nationalsozialismus am 18. Mai 1933 all seiner Ämter enthoben und als Konservatoriumsdirektor fristlos entlassen wurde. Die Familie Büttner geriet dadurch in wirtschaftliche Not. Paul Büttner starb im Jahre 1943 in Armut.

© Capriccio

Die Regierung der DDR erinnerte sich an Paul Büttner, schuf ein Grabmal. Sürmisch und bewegt wirkt seine Sinfonie Nr. 3 in Des-Dur aus dem Jahre 1915. Das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter der einfühlsamen Leitung von Christopher Ward musiziert hier leidenschaftlich im 2/2-Takt. Der Sonatenhauptsatz kann sich so in bewegender Weise entwickeln, nichts gerät ins Stocken. Des-Dur und cis-Moll sind hier die beherrschenden Tonarten. Mit enharmonischen Verwechslungen zeigen Dur und Moll faszinierende Schattierungen, die hier allesamt ausgelotet werden. Man hört Anklänge an Beethoven, Weber, Wagner, Bruckner, Richard Strauss und vor allem Robert Schumann. Büttner wirkt aber nie epigonenhaft. Sturm und Drang triumphieren, das kontrapunktische Gerüst kann sich  stürmisch entfalten. Der choralartige Beginn des langsamen Satzes in den Holzbläsern wirkt zwar pathetisch, aber nie sentimental. Bruckner und Brahms sind immer wieder spürbar. Das Waldweben aus Richard Wagners "Siegfried" lässt in bewegender Weise grüßen. Atemlose Präsenz besitzt ferner das Attacca-Finale, wo Klänge im Stil von Felix Mendelssohn-Bartholdy und Cesar Franck den Hörer verzaubern. 

1918 hat Büttners Sinfonie Nr. 4  in h-Moll ihre finale Gestalt erhalten. Sie ist deutlich durch das Kriegsende beeinflusst und besticht mit ihrer zerklüfteten Harmonik. Schwungvolle rhythmische Möglichkeiten werden eindringlich ausgelotet. Dynamische Kontraste begleiten den großen Aufschwung im Orchester, der sich ständig steigert. Insbesondere das robuste Scherzo gelingt dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter Christopher Ward mit häufigen und unvermittelten Taktwechseln ausgezeichnet. Richard Strauss bleibt in der leidenschaftlichen Melodik immer wieder spürbar. Anton Bruckner und Gustav Mahler haben das Finale beeinflusst, dessen gewaltiger Blechbläserchoral von Streichern und Harfen begleitet wird. Das wirkt stellenweise rauschhaft, aber nie oberflächlich. Die Tonalität wird aber nie verlassen. Das Ende hinterlässt einen fast sphärenhaft-leichten Eindruck. Dieser Satz besitzt die größte melodische Wirkungskraft, besitzt eine Nähe zur Filmmusik.       

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