Theaterkompass.de Logo

ANNE FRANK ALS VORBILD -- Neues Buch über Audrey Hepburn im Piper Verlag erschienen

April 2026

Geschrieben von ALEXANDER WALTHER

Ein Muss für alle Filmfreunde. Audrey Hepburn war eine der am meisten verehrten Schauspielerinnen Hollywoods. Sean Hepburn Ferrer hat nun eine bewegende Autobiographie über seine Mutter geschrieben, die vor allem als UNICEF-Botschafterin berühmt war.

© Piper Verlag

Audrey Hepburn war aber auch Überlebende des Zweiten Weltkriegs und Tochter eines abwesenden Vaters. Vielleicht setzte sie sich gerade deswegen so leidenschaftlich für hungernde Kinder ein. Ferrer präsentiert in diesem lesenswerten Band Erinnerungen und unveröffentlichte Fotos sowie Auszüge aus persönlichen Briefen. So kann man nachvollziehen, wie aus dem schüchternen Mädchen ein Weltstar wurde, über den fast so viel berichtet wurde wie über die Queen. Audreys Verletzlichkeit und ihr Glauben an Mitmenschlichkeit werden dabei herausgestellt. 

Sie identifizierte sich sehr stark mit Anne Frank. Der Schluss des Buches prägt sich aufgrund seiner kompromisslosen Ehrlichkeit beim Leser tief ein: "Fast drei Jahrzehnte, nachdem sie uns verlassen hat, ist das Gesicht Audrey Hepburns immer noch überall präsent, ist eines der bekanntesten Gesichter der Welt. Sie hat uns nie wirklich verlassen, und das ist ein großer Trost. Sie ist ein Mythos. Sie ist eine Legende. Sie ist ein Beweis dafür, dass das Gute existiert. Sie ist ein Vorbild für uns alle, und - das ist das Beste daran für mich - sie ist meine Mutter..." 

So lässt Sean Hepburn Ferrer das Leben seiner Mutter vor allem als Filmstar mit rasantem Glanz Revue passieren. Für ihre Rolle in "Ein Herz und eine Krone" gewann sie 1954 einen Oscar. Als exzentrisches It-Girl in "Frühstück bei Tiffany" begeistert sie das Publikum bis heute. Der Leser erfährt, dass "Frühstück bei Tiffany" der Beginn von Audreys platonischer Liebesbeziehung zu dem Komponisten Enrico "Henry" Mancini war. Und in "Die Geschichte einer Nonne" überzeugte sie mit ihrem schauspielerischen Können als eine Frau, die mit ihrem Glauben ringt. 

Und man erfährt als Leser natürlich auch private Details. Die Beziehung von Audrey Hepburn zur adeligen Großmutter galt als schwierig: "Jahrelang hatten mein Vater und ich die Spannungen zwischen den beiden Frauen miterlebt. Die Eiseskälte im Raum war beinahe körperlich spürbar. Beide waren starke Persönlichkeiten, sie hielten sich emotional auf Distanz, und sie kämpften miteinander - wenn auch immer höflich, denn meine Mutter war im Herzen keine Kämpferin..." Doch schließlich konnte die Großmutter sogar ihre Abneigung gegen Audreys neuen Mann, den italienischen Psychiater und Neurologen Andrea Dotti überwinden, der neun Jahre jünger als sie war. Für UNICEF kämpfte Audrey Hepburn bis zuletzt, wo sie bereits todkrank war: "Und auch für ihre letzte Reise für UNICEF hatte sie beschlossen, niemandem zu erzählen, unter welchen Schmerzen sie litt." So gelingt es dem Autor, ein sehr lebendiges Porträt seiner Mutter zu zeichnen, das man nicht vergisst. 

Teile den Beitrag auf

Background image of the page